Köln
Gesundheit, Pflege

Pflege-Lücke wird immer größer: Bis 2035 rund 130.00 Pflegekräfte benötigt

Laut einer Studie des Deutschen Wirtschaftsinstituts steigt die Zahl der Pflegebedürftigen weiter an. Die Simulation zeigt, dass der jetzige Fachkräftemangel noch gravierender wird.
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Der Fachkräftemangel im Pflegebereich hält weiter an und wird in Zukunft nochr gravierender. Symbolbild: Oliver Berg/dpa
Der Fachkräftemangel im Pflegebereich hält weiter an und wird in Zukunft nochr gravierender. Symbolbild: Oliver Berg/dpa

Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen ist in Deutschland in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen. Im jahr 2015 waren bundesweit rund drei Millionen Menschen betroffen und damit knapp 50 Prozent mehr als noch 1999, wie das Institut der deutschen Wirtschaftmitteilt. Dieser Anstieg wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen - und damit auch der Fachkräftemangel im Pflegebereich.

Mehr Pflegepersonal dringend benötigt

In einer Simulationsstudie hat das Wirtschaftsinstitut errechnet, wie sich die Zahlen der Pflegebedürftigen und damit verbunden auch der Fachkräfte bis 2035 entwickeln wird. Das Ergebnis: Im Jahr 2035 wird es in Deutschland knapp vier Millionen Menschen geben, die auf Pflege angewiesen sind. Damit die Pflege dieser Menschen gewährleistet werden kann, muss bis dahin auch die Zahl der Pflegefachkräfte deutlich ansteigen und zwar auf circa eine halbe Million - knapp 44 Prozent mehr als heute.

"Die Lücke wird größer"

Schon heute wird händeringend nach ausgebildetem Pflegepersonal gesucht. Im vergangen Jahr kamen auf 100 offenen Stellen gerade einmal 22 arbeitslose Fachkräfte. Wobei davon ausgegangen wird, dass bei durchschnittlich knapp 22.000m als offen gemeldete Stellen für Altenpfleger und Altenpflegehelfer im Jahr 2017 nur jede zweite offene Stelle auch der Bundesagentur für Arbeit mitgeteilt wird. "Die Lücke wird größer", sagt IW-Wissenschaftlerin Susanna Kochskämper, "Die Zahl der Altenpfleger steigt zwar derzeit an, doch langsamer als der Bedarf."

Bund und Länder müssen entgegenwirken

Um zu verhindern, dass das Pflegesystem kollabiert, müssten Bund und Länder versuchen, Lösungen zu finden. Dies soll einerseits über allgemein bessere Rahmenbedingungen passieren und andererseits dadurch, dass der Pflege-Beruf wieder attraktiver gemacht wird. Dabei gehe es aber nicht nur darum, "das Gehalt anzuheben", sagt Kochskämper. Daneben soll die Weiterbildung von Pflegehelfern verbessert und Abläufe dank der Digitalisierung vereinfacht werden, um die Pfleger zu entlasten. Langfristig erfolgreiche Maßnahmen seien laut Kochskämper jedoch nur möglich, wenn auch Bürokratie abgebaut würde.

Interesse an Pflegeberufen gestiegen

Bei allem Mangel an Pflegefachkräften gibt es laut IW aber auch gute Nachrichten. In den vergangenen Jahren interessierten sich demnach immer mehr Menschen für den Beruf des Altenpflegers. Laut Institut stieg die Anzahl der sozialversicherungspflichtig angestellten Fachpflegekräfte zwischen 2013 und 2016 um 14,4 Prozent. Auch bei den Pflegehelfern konnte ein Zuwachs von knapp 16 Prozent verzeichnet werden. Aber vor allem die Zahlen der Auszubildenden in den Pflegeberufen ist Grund zur Freude: Die Anzahl der Azubis nahm im letzten Jahrzehnt um zwei Drittel zu. Allerdings reichten auch diese positiven Trends nicht aus, um den Bedarf zu decken, der Fachkräftemangel hält also an.