Der Wind treibt die bunten Blätter durch die Luft, die Tage werden kürzer. Aber etwas ist anders als sonst: Die Novembertemperaturen fühlen sich wie Frühling an, die Natur schaltet langsamer auf Wintermodus um. Enorme sechs Grad wärmer als sonst zu dieser Jahreszeit ist es derzeit in Deutschland, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) ausgerechnet hat.

Probleme gibt es dadurch aber höchstens für die Winterschläfer, denn ihnen ist es zu warm zum Schlafen. Menschen sollten die Wärme einfach genießen, meint DWD-Medizin-Meteorologin Angelika Grätz.


Welche Wirkung hat der frühlingshafte November auf den menschlichen Organismus?

"Wir befinden uns im Behaglichkeitsbereich", sagte Expertin Grätz. Der Organismus müsse derzeit wenig tun, um die Körpertemperatur stabil zu halten. Der Novembersonnenschein bedeute Genuss ohne Reue, denn Sonnenbrandgefahr bestehe nicht. "Also einfach genießen."

Ein Problem könne höchstens sein, dass die Menschen auf normalen November geeicht seien und einfach etwas anderes erwarten als Sonnenschein und Wärme. Und sobald die Sonne untergehe, werde es schlagartig kühler. Gegen diese täglichen Schwankungen helfe aber, Zwiebellook anzuziehen - also morgens und abends wärmer und mittags leicht.


Wie geht es den Tieren bei den ungewohnt hohen Temperaturen?

"Für die meisten überwiegen die Vorteile", sagt Artenschutzexperte Christian Geske vom Landesbetrieb Hessen-Forst. Rehe und Wildschweine beispielsweise finden noch reichlich Nahrung, um sich eine dicke Speckschicht für den Winter anzufressen.

Wäre der Boden gefroren, hätten vor allem Wildschweine Schwierigkeiten, genug Nahrung zu finden. Vermutlich werden mehr Tiere durch den Winter kommen. Und Mäusejägern wie Eulen oder Füchsen geht es zurzeit prächtig - ihre Beute hat sich explosionsartig vermehrt.


Wie reagieren Winterschläfer auf die Wärme?

Die haben eher Probleme. Haselmaus und Siebenschläfer ist es jetzt zu warm zum Schlafen, deshalb sind sie noch aktiv. Aber sie haben Schwierigkeiten, Blüten und Früchte zu finden, auf die sie spezialisiert sind.

Auch für Igel bringen die hohen Temperaturen eher Nachteile, weil nicht genug Insektenfutter unterwegs ist. "Sie verbrauchen mehr Energie als sie finden", sagt Geske.


Welche Auswirkung hat das Wetter in der Landwirtschaft?

Es gebe derzeit weniger mit den hohen Temperaturen, aber regional mit der Trockenheit Probleme, sagt Bernd Weber vom hessischen Bauernverband. Das Getreide für das nächste Jahr sei ausgesät und gekeimt, die Weizenpflänzchen an vielen Stellen schon fünf bis zehn Zentimeter hoch.

"Warmes Wetter ist wüchsiges Wetter", sagt Weber. Der frisch gesäte Raps wachse wegen der Wärme sogar zu stark, so dass es Probleme mit Fäulnis geben könne, wenn Schnee kommt. Aber es habe viel zu wenig geregnet.


Was ist mit Schädlingen?

Den Läusen gehe es in den hohen Temperaturen leider sehr gut, sagt Verbandssprecher Weber. Sie könnten im Herbst Viruskrankheiten auf die frischen Pflänzchen übertragen, die dann im nächsten Frühjahr Schaden anrichten. Besonders die Mäuseplage macht den Bauern Sorgen.

Solange es warm und trocken ist, tummeln sich die kleinen Nager überall, eine großflächige Bekämpfung ist nicht erlaubt. "Wir hoffen auf einen harten Winter und viel Regen", sagt Weber.