Bamberg
Notfälle

Notaufnahmen und Bereitschaftspraxen: Frankens Patienten sind gut versorgt

Gesundheitsminister Jens Spahn will die Versorgung von Notfällen im ambulanten und Klinikbereich verbessern. Was sagen fränkischen Kliniken dazu?
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Foto: Sven Hoppe/dpa
Foto: Sven Hoppe/dpa

Seit drei Monaten zwickt der Rücken, doch unter der Woche fehlt die Zeit für einen Arztbesuch. Aber am Sonntag nach dem Frühstück: Da passt es gut. Zum Glück haben die Notaufnahme und Bereitschaftspraxis im Krankenhaus geöffnet. Dieses Anspruchsdenken vieler Patienten füllt auch in fränkischen Kliniken die Wartezimmer. Kann der neue Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Menschen davon abhalten, statt zum Hausarzt gleich ins Krankenhaus zu gehen?

Geplant ist, die Nummer 112 für den Rettungsdienst und die Nummer 116 117 für die Terminservicestellen der niedergelassenen Ärzte zusammenzuschalten. Patienten sollen dort eine Einschätzung erhalten, ob ihnen in einer Klinik oder bei einem ambulanten Arzt am besten geholfen werden kann. In Krankenhäusern sollen "Integrierte Notfallzentren" (INZ) eingerichtet werden, wo erneut entschieden wird: Geht es in die Notaufnahme oder ambulant weiter?

Im praktischen Alltag gibt es bereits ähnliche Anlaufstellen. Die meisten Krankenhäuser haben mittlerweile außer einer Notaufnahme auch eine Bereitschaftspraxis im Haus. Diese ist außerhalb der üblichen Sprechzeiten besetzt, die Dienste übernehmen niedergelassene Ärzte.

Mit Wehwehchen in die Notaufnahme

"Wir merken in den Notaufnahmen, dass Patienten oft zum Abklären von Kleinigkeiten kommen", sagt Birgit Schwabe, Sprecherin der Regiomed-Kliniken in Coburg und Lichtenfels. An beiden Standorten gibt es neben den Notaufnahmen auch Bereitschaftspraxen. "Wenn sich jemand leicht in den Finger geschnitten hat, werden ihn die Mitarbeiter der Notaufnahme in die Bereitschaftspraxis schicken", sagt Birgit Schwabe. "Umgekehrt geht es für einen Patienten mit Herzrasen hinüber in die Notaufnahme."

Dass Patienten oft mit Kleinigkeiten beispielsweise am Wochenende in den Kliniken auftauchen, hat für Birgit Schwabe neben dem Anspruchsdenken einen weiteren Grund: Das Sicherheitsbedürfnis sei gewachsen. "Auch Wehwehchen sollen abgeklärt werden." Kein Wunder, wenn es dann zu längeren Wartezeiten kommt. "Das ist ein großer Kritikpunkt", sagt Birgit Schwabe. "Lebensbedrohliche Fälle haben Priorität und binden viele Mitarbeiter. Dann müssen leichter verletzte Patienten eben warten."

Ob der Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den praktischen Alltag entzerren würde? "Das Miteinander von Notaufnahme und Bereitschaftspraxis funktioniert bereits sehr gut", sagt Joachim Knetsch, Chefarzt der Notaufnahme im Bamberger Klinikum. Deshalb bräuchte es seiner Ansicht nach nicht unbedingt neue Notfallzentren. Er hätte stattdessen einen anderen Vorschlag: "Es wäre viel geholfen, wenn die Anwesenheitszeiten der Bereitschaftspraxen erweitert würden." Für Bamberg gebe es bereits entsprechende Pläne, die im Herbst umgesetzt werden sollen.

Knetsch erhofft sich vom Gesetzesentwurf eine Lösung in dieser Richtung. Wenn die Bereitschaftspraxen auch während der regulären Öffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte besetzt wären, könnten mehr Patienten abgefangen werden. Patienten, die sonst in die Notaufnahme kommen. Oft ohne Not. "Der Betroffene wäre beim Hausarzt ausreichend versorgt", erklärt Knetsch. "Aber vielleicht hat er keinen Hausarzt oder bekommt dort keinen Termin. Und dann geht er halt gleich in die Klinik." Ähnliche Reaktionen seien zu beobachten, wenn Patienten beim Bereitschaftsdienst anrufen. "Auch dort wird ihnen unter Umständen empfohlen, am nächsten Tag zum Hausarzt zu gehen. Trotzdem macht sich der Betroffene auf den Weg in die Notaufnahme."

Dort, das wüssten die Patienten, können sie nicht abgewiesen werden. "Wir schauen jeden an, der zu uns kommt", erklärt Knetsch. Auch er spricht bei Bagatellfällen immer wieder die Empfehlung für einen Besuch beim Hausarzt aus. Auch er ohne Erfolg: "Das lassen die Patienten nicht gelten. Sie bestehen auf der Behandlung."

Sollten die von Jens Spahn vorgeschlagenen Notfallzentren kommen, müssten erst einmal die Systeme zusammengeführt werden. "Einen gemeinsamen Tresen sehen wir kritisch", erklärt Knetsch. "Im Krankenhaus wählen wir die Notfälle akut nach ihrer Dringlichkeit aus, die Krankenkassen legen andere Maßstäbe an." Notaufnahme und Bereitschaftspraxis: "In unseren System arbeiten wir nebeneinander. Aber die Patienten behandeln wir im Miteinander", bekräftigt Knetsch.

Ähnlich sieht es Brigitte Angermann, Geschäftsführerin des Klinikums Kulmbach. Auch dort wurde vor einem Jahr eine Bereitschaftspraxis neben der Notaufnahme eingerichtet. "Das System funktioniert gut", sagt Angermann. "Beide Bereiche weisen sich die Patienten je nach Behandlungsbedarf gegenseitig zu. Unserer Meinung nach braucht es keine zusätzliche Instanz."

Kritik an zusätzlicher Bürokratie

Auch mit den geforderten "Integrierten Notfallzentren" werde man Patienten nicht davon abhalten, die Klinik direkt aufzusuchen. "Die Schwierigkeit besteht dann darin, dass der Betroffene heute nicht behandelt wird, sondern morgen zum Hausarzt gehen soll. Wie soll man ihm das verständlich machen?" fragt sich Angermann. Ebenfalls kritisch bewertet sie die Finanzierung der Notfallzentren. "Dafür müssten Gelder aus unterschiedlichen Budgettöpfen abgezogen werden. Das schafft nur zusätzliche Bürokratie."