Berlin

Schönheit mit Abstrichen: Robinie ist Baum des Jahres 2020

Auch Bäume polarisieren. Die Robinie kann dem Klimawandel Paroli bieten. Doch wo sie wächst, bekommt manch andere Pflanze Probleme.
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Robinie
Robinien gelten als sehr widerstandsfähig. Ihre Blüten sind essbar; die Rinde, reife Samen und Blätter sind für Menschen allerdings giftig. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
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Zarte Fliederblätter und duftend weiße Blüten: Die Robinie ist der Baum des Jahres 2020. Die Baumart sei ein schöner Farbtupfer in Deutschlands Parks, Gärten und Wäldern, teilte die Stiftung Baum des Jahres mit.

Die nahezu unverwüstliche Robinie sei hier ursprünglich aber nicht heimisch und könne andere Pflanzen verdrängen. Deshalb erhitzt sie nach Angaben der Stiftung die Gemüter von Naturschützern, Städteplanern und Forstleuten. Dennoch könne der umstrittene Baum ein Hoffnungsträger im Klimawandel sein. Denn die Robinien gelten als sehr widerstandsfähig.

Eine Robinie (Robinia pseudoacacia) kann bis zu 25 Meter hoch und mehr als 100 Jahre alt werden. Sie liebt viel Licht. Besonders auffällig sind die Bäume in ihrer Blütezeit zwischen Mai und Juni. Dann hängen duftende Schmetterlingsblüten traubenförmig an ihren Zweigen. Charakteristisch sind aber auch ihre rotbraunen Dornen. Das Holz der Robinie ist biegsam und wird im Möbel- und Schiffsbau verwendet. Für Gartenmöbel gilt das witterungsbeständige Robinienholz als gute Alternative zu Tropenhölzern.

Zu Hause ist die Baumart ursprünglich in Nordamerika westlich des Mississipi. Ab dem 17. Jahrhundert machte der Baum Karriere und avancierte zu einem beliebten Hingucker in Europas Park- und Gartenanlagen. Die ersten Robinien in Deutschland wurden wohl 1670 im barocken Lustgarten des Berliners Stadtschlosses gepflanzt. In deutschen Wäldern kommt die Baumart bis heute eher selten vor. Ausnahmen sind Brandenburg und Sachsen-Anhalt mit ganzen Robinienforsten. Da die Baumart eine gute Abwehr gegen Salz und Luftschadstoffe hat, ist sie heute auch als Allee- und Straßenbaum im Kommen.

Die Robinie gilt als Meisterin im Besiedeln karger Böden. «Das Geheimnis ihres Erfolges steckt unter der Erde», erläuterte die neue Deutsche Baumkönigin Charlotte Baumann. Bakterien, die an der Wurzel lebten, fixierten Stickstoff aus der Luft. Dieser reichere sich dann im Boden an. Pflanzen, die es stickstoffarm mögen, gehen daher in der Nähe von Robinien ein. Robinien stehen deshalb auf der Liste der invasiven Baumarten. Sie dürfen nach Angaben der Stiftung nicht mehr ohne Genehmigung in freier Natur gepflanzt werden, damit sie nicht in die Nähe von Schutzgebieten mit stickstoffarmen Böden kommen.

Die Blüten der Robinie sind nicht nur bei Bienen beliebt, sie lassen sich ähnlich wie Holunderblüten auch in Limonade oder Gelee verwandeln. Die Rinde, aber auch die reifen Samen und Blätter sind für Menschen allerdings giftig. Für Pferde kann Robinienrinde sogar tödlich sein. Die eiweißreichen Blätter sind für Rehe, Ziegen, Rinder und andere Wiederkäuer dagegen eine Delikatesse.

Die Stiftung Baum des Jahres informiert seit rund 30 Jahren die Öffentlichkeit über verschiedene Baumarten.