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Berlin

Unklares Bild bei Nachfrage nach Beratungs-Angeboten

Familien müssen sich wegen der Corona-Krise in die eigenen vier Wände zurückziehen, Experten warnten vor einem Anstieg von Gewalt und Missbrauch. Wie hat sich die Nachfrage bei Hilfsangeboten wie der «Nummer gegen Kummmer» entwickelt?
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Telefonhörer
Das Elterntelefon der «Nummer gegen Kummer» regstierte zu Jahresbeginn um die 1000 Beratungsgespräche im Monat. Im März waren es 1169, im April 1324. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Beratungsangebote für Eltern, Kinder und Jugendliche verzeichnen in der Corona-Krise teils eine steigende Nachfrage - das Bild ist aber uneinheitlich. Das geht aus der Antwort des Bundesfamilienministeriums auf eine Anfrage der FDP im Bundestag hervor.

Das Elterntelefon der «Nummer gegen Kummer» regstierte demnach im Januar und Februar noch um die 1000 Beratungsgespräche im Monat. Im März waren es 1169, im April schon 1324. Bei Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen gab es diesen Trend so nicht: Im Januar und Februar waren es 8564 beziehungsweise 7847 Beratungen, im März 8238 und im April mit 6674 merklich weniger.

Eine Interpretation der Zahlen war nicht Teil der Antwort, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. In den vergangenen Wochen seien die vom Ministerium geförderten Angebote zum Teil gestärkt und ausgebaut worden, hieß es. Die Zahl der Mail-Beratungen der «Nummer gegen Kummer» verharrte während der vier Monate etwa auf demselben Niveau, zwischen 921 und 1001. Die der Chats nahm zu - von 27 und 22 in den ersten beiden Monaten des Jahres auf 46 im März und 67 im April aber auf relativ niedrigem Niveau.

Zu Beginn der Corona-Krise hatten Fachleute und Politiker gewarnt, dass häusliche Gewalt und Missbrauch stark zunehmen könnten, wenn Familien die Tage auf engem Raum zusammen verbringen müssen und soziale Kontrolle etwa über Erzieher, Lehrer oder Bekannte wegfällt. Zahlen der Polizei belegen dies bisher aber nicht oder nicht eindeutig. In diesem Bereich gehen Experten aber auch stets von einer besonders hohen Dunkelziffer aus.

Beim Hilfetelefon Sexueller Missbrauch, bei dem sich in der Regel Erwachsene mit Fragen oder Sorgen um ein Kind melden, ging die wöchentliche Zahl der Anrufe Fachleuten wie Medizinern oder Lehrern von Ende Januar bis Ende April tendenziell zurück - allerdings liegen die Werte zwischen 9 und 0 Anrufen pro Woche, die Schwankung ist in absoluten Zahlen klein.

Die Vizechefin der FDP-Bundestagsfraktion, Katja Suding, sprach von einem «Alarmzeichen»: Während der Corona-bedingten Schließungen von Kitas, Schulen und sozialen Entrichtungen falle das soziale Umfeld weitgehend aus. «Durch den fehlenden Kontakt zu Erziehern und Lehrern sind die Kinder ihrem Leid schutzlos ausgeliefert.» Es müsse schnell ein Fahrplan zur schrittweisen Öffnung von Kitas her, der alle Kinder einbezieht, notfalls im Rahmen verkürzter Betreuungszeiten.

Kinder und Jugendliche wenden sich nach Angaben des Ministeriums zum Thema Missbrauch in erster Linie an die Online-Beratung «save-me-online». Seit der Kampagne «Kein Kind alleine lassen», die am 9. April begonnen habe, hätten 41 Personen Kontakt mit der Online-Beratung aufgenommen, hieß es. Im ersten Quartal 2020 seien es insgesamt 28 Anfragen gewesen.

Bei der Mail-Beratung des Fachverbands Bundeskonferenz für Erziehungsberatung schwankten die Zahlen neuer Fälle in den ersten Wochen des Jahres zwischen 13 und 39, mit einem Ausreißer von 52 in der zweiten Kalenderwoche. In den beiden Wochen ab 6. April waren es je 46, in der letzten Aprilwoche dann schon 67 - allerdings gab es ab Mitte April auch mehr Werbung für das Angebot in sozialen Netzwerken. Die Anzahl der Einzelberatungen per Chat lag Ende April mit 99 in einer Woche ebenfalls auf dem höchsten Wert des Jahres.

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