Ziel ist der Vergleich, so dass Hunderttausende Kranke künftig möglichst auf gleich hohem Niveau versorgt werden können. Hinzu kommen Pläne für mehr Vorsorge und Früherkennung.

Das zugrundeliegende Gesetz ist derzeit im parlamentarischen Verfahren. Es soll Anfang kommenden Jahres beschlossen werden und im ersten Halbjahr in Kraft treten. Neu ist nun, dass die Finanzierung für den Aufbau der Register für acht Millionen Euro steht. Die Deutsche Krebshilfe übernimmt 90 Prozent der Kosten, die Länder 800 000 Euro.

«Wenn Daten gesammelt werden, können auch Behandler vergleichen: Was machen andere Kliniken, was machen andere Mediziner besser, wovon kann ich lernen?», sagte Bahr der Deutschen Presse-Agentur. «Und damit werden auch unmittelbar Verbesserungen für die Patienten erreicht», betonte er. «In drei Jahren können wir flächendeckend klinische Krebsregister haben, die können dann mit ihrer Arbeit beginnen.»

Der Vorsitzende der Krebshilfe, Hans-Peter Krämer, sagte in Berlin: «Deutschland hinkt hinterher.» In anderen Ländern werde der Kampf gegen den Krebs bereits seit längerem auf einer besseren Datenbasis geführt. Die Darstellungen des zuständigen Robert-Koch-Instituts könnten bisher dagegen vor allem auf Daten des Saarlands zurückgreifen, wo es eine solche Datensammlung schon gibt.

«Durch klinische Krebsregister können Defizite in der Krebsbehandlung aufgespürt und beseitigt werden», zeigte sich Krämer sicher. «Das Gesetz kann die Versorgung von Krebspatienten entscheidend verbessern», betonte er. «Es ist ein Schritt, der wirklich überfällig war.»

Wieviele Register nun neu erstellt werden, sei noch unklar, sagte der saarländische Gesundheitsminister und Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Andreas Storm (CDU). Die Lage sei sehr heterogen. Vor allem in Ostdeutschland gibt es solche Datensammlungen schon, im Westen klaffen große Lücken. Zentral sei, dass die Daten nach einheitlichem Muster erhoben würden. Bahr räumte ein, die Ziele zum Aufbau der Register seien ehrgeizig.

«Fast eine halbe Million Menschen erkranken jedes Jahr neu an Krebs», unterstrich Krämer. Nicht überall sind Diagnose und Behandlung gleich gut. Nun sollen die Daten der Betroffenen auch zur weiteren Krankheitsgeschichte inklusive Rückfällen zusammengestellt werden. Auch so soll sich herausstellen, wo erfolgreicher behandelt wird.

Noch nicht abschließend geklärt ist die Finanzierung der laufenden Kosten für die Register, die auf 57 Millionen Euro pro Jahr geschätzt werden. Auch hier sollen die Kassen 90 Prozent schultern, die Länder 10 Prozent, doch es laufen noch Gespräche.

Zudem sollen mit dem neuen Gesetz gegen den Krebs mehr Menschen mittelfristig offensiv zur Früherkennung beim Arzt eingeladen werden. «Bei der Krebsfrüherkennung, bei Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs, muss ja zunächst einmal das Einladungsverfahren aufgebaut werden, es muss entschieden werden, ab welchem Alter die Versicherten eingeladen werden», sagte Bahr. Das brauche noch Zeit. «Es geht auch nicht darum, die Leute zu einer Früherkennung zu zwingen, sondern wir wollen die Menschen darüber aufklären, was die Chancen der Früherkennung sind.»