Ein gelb-rötlicher Himmel und viel Dreck auf Autos und Fensterscheiben: Vor allem in Süddeutschland macht sich derzeit Staub aus der Sahara bemerkbar.

Das Phänomen tritt mehrmals im Jahr auf, ist derzeit aber besonders stark ausgeprägt. «Es sind immer wieder andere Regionen, die es trifft», erläuterte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwoch. Spätestens am Freitag soll auch schon wieder Schluss sein mit dem spektakulären Anblick. «Sobald die Strömung ein bisschen dreht, ist Deutschland schon wieder raus aus der Nummer.»

Wie entsteht Saharastaub?

Bodennahe Turbulenzen wirbeln gewaltige Mengen Sand in der Wüste Nordafrikas auf. Die Partikel steigen bis zu fünf Kilometer in die Atmosphäre und können dort bis zu einem halben Jahr schweben. Bei gewissen Wetterlagen wird der Staub dann innerhalb weniger Tage bis nach Mitteleuropa gepustet - vor allem zwischen März und Juni sowie Oktober und November. Das passiert zwischen fünf und 15 Mal im Jahr.

Wo lässt sich das Phänomen aktuell beobachten?

Im Alpenraum und im Alpenvorland war der Himmel schon am Dienstag in ein gelbliches oder rötliches Licht getaucht. Am Mittwoch kam ein neuer Schwung Saharastaub auch in den Westen und Südwesten Deutschlands, vom Niederrhein über den Taunus bis ins Allgäu. Bemerkbar machte er sich vor allem durch Bewölkung: «An den Staubpartikeln können sich leichter Wolken bilden», erläuterte der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach den Grund.

Die höchste Staubkonzentration erwarteten die Wetterfachleute für den Donnerstag in Baden-Württemberg und Bayern. «Im Norden wird man davon nicht so viel mitkriegen, weil ein Tiefausläufer sich bemerkbar macht und es dadurch im Norden ohnehin viele Wolken gibt und es ein bisschen regnet», prognostizierte der DWD-Experte. «Aber es kann sein, dass Saharastaub im Norden und über der Mitte Deutschlands ausgewaschen wird und man Schlieren auf den Autos hat.» Am Freitag habe sich das Phänomen in Deutschland dann schon wieder erledigt.

Wie macht sich der Saharastaub bemerkbar?

Die meisten «Saharastaub-Ereignisse» bleiben weitgehend unbemerkt. Liegt jedoch besonders viel Staub in der Luft, ist es selbst bei wolkenlosem Himmel ungewöhnlich dämmrig, der Himmel gelb, rot oder braun verfärbt, die Sonne trüb wie hinter Milchglas.

Welche Folgen hat der Staub?

Die Sicht ist oft stark eingeschränkt, was sogar zur Schließung von Flughäfen führen kann. Zudem werden Autos, Fensterscheiben und Gartenmöbel mit einer rötlich-braunen Schicht bedeckt. Regen hilft nicht, sondern macht alles nur noch schlimmer: Der «Blutregen» wäscht den Staub aus der Luft und hinterlässt einen regelrechten Dreckfilm.

Hat der Staub auch gesundheitliche Folgen?

Darüber sind sich die Experten uneinig. Der Saharastaub sei nicht gefährlich, betont etwa das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung Freiburg. Die Feinstaubbelastung sei durch den Saharastaub zwar erhöht und auch das Wohlbefinden könne dadurch beeinträchtigt werden, die Partikel würden aber schon im Rachenbereich abgestoßen. Für unbedenklich hält auch der DWD den Saharastaub.

Die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik schreibt hingegen: «Feinstaub kann aufgrund der geringen Partikelgröße über den Kehlkopf bis tief in die Lunge gelangen und ist daher besonders gesundheitsschädlich. Zu den natürlichen Feinstaubquellen gehört auch der Saharastaub.» Wie auch immer: Die als Corona-Infektionsschutz zu tragenden FFP2-Masken schützen auch vor Saharastaub im Körper.

Gibt es auch positive Folgen?

Ja. Wo sich heute die Sahara befindet, war früher ein riesiger Süßwassersee, der austrocknete. Der Staub ist daher nährstoffreich und dient vor allem in Südamerika, wohin der Saharastaub regelmäßig verfrachtet wird, als Dünger - etwa für die Regenwälder des Amazonas. Aber auch Spaniens Böden profitieren spürbar vom Calcium und Magnesium aus der Wüste. Pro Jahr werden etwa eine Milliarde Tonnen Staub verblasen.