Das bestätigte Rostocks Hafenkapitän Gisbert Ruhnke am Freitag. Das wohl zur Verschrottung bestimmte Schiff sei am Donnerstagabend vor Danzig havariert. Sein polnischer Schlepper habe dort mehrere Manöver gefahren, hieß es. Menschen sollen nicht an Bord der «Georg Büchner» gewesen sein. Das Wetter soll gut und der Wind schwach gewesen sein.

Laut Ruhnke wurden von Rostocker Seite alle Vorschriften eingehalten. «Wir können uns das nicht erklären, das Schiff war sicher.» Nun seien die polnischen Behörden am Zug.

Nach Angaben des Seeamtes in Gdingen (Gdynia) liegt das Wrack in einer Tiefe von 35 Metern etwa acht Seemeilen (15 Kilometer) nördlich des pommerschen Rozewie. Die Kommission für Meeresunfälle habe die Untersuchungen zur Ursache des Schiffsuntergangs aufgenommen. Da nicht bekannt war, ob sich Treibstoff an Bord der «Georg Büchner» befand, wurde aus der Luft und zu Wasser geprüft, ob es zu einer Meeresverschmutzung kam. Diese Befürchtungen hatten sich bis Freitagnachmittag aber nicht bestätigt.

Die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete unter Berufung auf Seefahrtsbehörden, dass die «Georg Büchner» am Donnerstagabend zunächst in eine 45-Grad-Schieflage geraten und schließlich nicht mehr manövrierbar gewesen sei. Nach etwa anderthalb Stunden sei das Schiff nach 20.00 Uhr gesunken.

Einem Sprecher der Stadt Rostock zufolge informierte der Insolvenzverwalter des Fördervereins Traditionsschifffahrt darüber, dass der Schlepper das Schiff habe aufgeben müssen. Das Schiff sei versichert gewesen, das Risiko der Reise habe beim Käufer gelegen. «Wir sind entsetzt, bestürzt und traurig», sagte der Sprecher.

Nach monatelangem Streit um ihre Verwendung war die «Georg Büchner» am Dienstag aus dem Stadthafen geschleppt worden. Allgemein war vermutet worden, dass die neuen Eigner, eine Gesellschaft auf den Seychellen, das Schiff verschrotten lassen wollten.

Die «Georg Büchner» war einst im belgischen Liniendienst zwischen Antwerpen und dem Kongo im Einsatz gewesen. Sie wurde 1967 von der Deutschen Seereederei in Rostock gekauft und diente zu DDR-Zeiten als Ausbildungsschiff.

In die jüngsten Bemühungen um die Rettung des Schiffes waren wegen der kolonialen Vergangenheit des Schiffes auch Belgier involviert. Ihre Vorschläge waren nach früheren Angaben der Stadt aber wegen fehlender Sicherheiten nicht zum Zuge gekommen.

Jahrelang hatte der Rostocker Förderverein Traditionsschiff die «Georg Büchner» bewirtschaftet. 2012 sah sich der Verein jedoch gezwungen, das Schiff abzugeben, weil er es nicht mehr wirtschaftlich betreiben konnte. Der Insolvenzverwalter des Fördervereins war davon ausgegangen, dass aus dem Verkauf nach Abzug aller Kosten ein sechsstelliger Betrag für die Hansestadt übriggeblieben wäre. Der Verkaufsvertrag sei vom Untergang nicht beeinträchtigt. Ein finanzieller Schaden sei nicht entstanden.