Die Beamten stellten bei den Durchsuchungen am Dienstag drei Pistolen und Revolver sicher. Eine vermeintliche Waffe des Typs «Kalaschnikow» erwies sich bei der Untersuchung durch Kriminaltechniker jedoch als Attrappe. Im Mittelpunkt der Aktion stand ein Vereinsheim der Rockergruppe in Pankow.

Einer der festgenommenen Männer wird an diesem Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt. Das teilte die Polizei am Dienstagabend in Berlin mit. Der Richter entscheidet, ob der 46 Jahre alte Verdächtige in Untersuchungshaft muss.

Innensenator Frank Henkel (CDU) erneuerte seine Kampfansage an die Szene. «Wir werden die Rocker in einen Zustand der ständigen Ruhelosigkeit versetzen», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

200 Beamte durchsuchten am Dienstagmorgen 16 Objekte in Berlin. Meist handelte es sich um Wohnungen aktiver und ehemaliger Bandidos-Mitglieder. Es gab aber auch einen Einsatz in der Justizvollzugsanstalt in Hakenfelde und in einer Kleingartenanlage - dort fanden die Ermittler aber nichts.

Die Polizei beschlagnahmte bei der Razzia eine fünfstellige Summe Bargeld, Baseballschläger, Messer und verdächtige Substanzen, vermutlich Drogen. Sie stellte auch drei Motorräder sicher, die nach Angaben des Sprechers möglicherweise gestohlen wurden.

Hintergrund der Aktion sei ein seit mehr als einem Jahr laufendes Ermittlungsverfahren des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft. Es gehe um den Besitz von Waffen, sagte der Sprecher. Maschinenpistolen gälten als Kriegswaffen. Welche strafrechtliche Bedeutung es hat, dass die «Kalaschnikow» sich als Imitat entpuppte, blieb am Dienstag offen: Die Staatsanwaltschaft wollte zunächst keine Bewertung abgeben.

Hinweise für die Razzia bekam die Polizei von Aussteigern aus der Rockerszene: «Ein Teil der Tatverdächtigen hat ausgesagt», erläuterte der Polizeisprecher. «Der Mythos, dass die uns gegenüber nichts sagen, bröckelt.» Die Ermittler vernahmen die Festgenommenen und wollten prüfen, ob Gründe für eine Untersuchungshaft vorliegen.

In den vergangenen Wochen hatte es in der Hauptstadt mehrere Großeinsätze der Polizei gegen Rockergruppen gegeben. Auch in Brandenburg und anderen Bundesländern durchsuchte die Polizei wiederholt Rocker-Wohnungen und Vereinsheime. Vergangene Woche stießen Beamte dabei in der Nähe von Cottbus auf ein Waffendepot.

Die Behörden werfen den Rockern organisierte Kriminalität vor allem im Rotlichtmilieu und in der Drogenszene vor. Nach dem Verbot der Hells Angels Berlin City, Selbstauflösungen und vielen Großeinsätzen der Polizei befindet sich die Rocker-Szene der Hauptstadt offensichtlich in einer Phase der Umorientierung.