«Die Lehrer haben viel zu viel Platz und Zeit, sich ihren Schutzbefohlenen zu nähern», sagte der Vorsitzende des Opfervereins «Glasbrechen», Adrian Koerfer, der dpa. Das Internat könne die unübersichtlichen Strukturen mit Familien-Wohngruppen höchstens mit einem Neubau ändern, doch dazu habe sie kein Geld.

Nun könnten die befürchteten Missbrauchsfälle Wahrheit geworden sein. Das zeige, dass die bisherigen Reformen an der Schule «reine Propaganda» gewesen seien. Koerfer sagte, die Wohnstrukturen und die abgeschiedene Lage des Internats würden Lehrer mit pädophilen Neigungen geradezu anlocken. «Dieses Modell Odenwaldschule muss langsam auslaufen», forderte Koerfer.

Unterdessen gibt es einen neuen Missbrauchsverdacht gegen einen Lehrer. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt wegen möglicher sexueller Übergriffe gegen einen kürzlich fristlos entlassenen Pädagogen, wie ein Sprecher sagte. Um welche Handlungen es genau geht, will die Anklagebehörde aus Gründen des Opferschutzes nicht bekanntgeben.