Dass die strenggläubigen Eltern aus Homberg/Efze ihre Kinder nicht zur Schule schickten, sei rechtlich strafbar, erklärte die Richterin des Amtsgerichts Fritzlar am Mittwoch. Sie verurteilte das Paar, insgesamt 700 Euro zu zahlen. Dem Ehepaar war laut Anklage ein Verstoß gegen das hessische Schulgesetz vorgeworfen worden.

Das Paar kündigte noch im Gerichtssaal an, gegen die Entscheidung vorzugehen. «Das Urteil kommt nicht überraschend. Wir werden so weitermachen wie bisher», sagte der 51-jährige Vater. «Bevor wir unsere Kinder in eine zweifelhafte Umgebung geben, nehmen wir das lieber selber in die Hand.» Er wolle selbst über die Bildungsziele und das Bildungsklima entscheiden.

Das Paar kämpft seit 20 Jahren für das sogenannte Homeschooling. Bereits zuvor wurde es zweimal zu Geldstrafen verurteilt. Die jüngeren der neun Kinder werden vor allem von der 47-jährigen Mutter unterrichtet. Die älteren Kinder, die auch zu Hause unterrichtet worden waren, haben über Prüfungen staatliche Haupt- oder Realschulabschlüsse mit sehr guten Noten erreicht und auch Berufsausbildungen absolviert.

Die Richterin betonte in ihrer Urteilsbegründung, es gehe beim Unterrichten nicht nur um Wissen, sondern auch darum, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen. Der Erfolg der Eltern sei angesichts der Leistungen der älteren Kinder zwar unzweifelhaft. Es sei allerdings fraglich, ob die Kinder angesichts der Noten nicht auch Abitur hätten machen können.

Die Staatsanwaltschaft hatte für das Paar sechs Monate Haft gefordert, weil sie Wiederholungstäter seien. Der Verteidiger des Mannes forderte einen Freispruch, die Anwältin der Frau beantragte eine Geldstrafe.