«Eisregen heißt, dass es wärmer wird, sonst würde es schneien», sagte Meteorologe Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Donnerstag in Offenbach. Der Niederschlag fällt fast überall auf gefrorenen Boden. Am Sonntag wird es im Westen mit Temperaturen bis zu vier Grad über dem Gefrierpunkt allmählich wärmer, in der Nacht zum Montag auch im Osten. «Dann setzt sich von Tag zu Tag mildere Luft durch», versprach Beyer.

«Ski und Rodel gut» heißt es im nördlichsten Skisprunggebiet Deutschlands in Ostbrandenburg. Die natürliche Schneedecke wurde in Bad Freienwalde mit Schneekanonen extra noch «aufgestockt». «Wir haben jetzt 40 bis 50 Zentimeter Schnee», sagte Dieter Bosse, 1. Vorsitzender des Wintersportvereins 1923 Bad Freienwalde. Kleine und große Wintersportfreunde können nun auf einer 100 Meter langen Rodelbahn ins Tal flitzen, von vier Schanzen springen, sich im Slalomfahren üben oder auch wie Langläufer durch die winterliche Landschaft skaten.

Der Dauerfrost hat auch Deutschlands größten See - die Müritz - und das Stettiner Haff zufrieren lassen.«Wir haben zwischen der Sietower Bucht und dem Eldenburger Kanal von der Müritz zum Kölpinsee Eisstärken zwischen 5 und 12 Zentimeter gemessen», sagte Olaf Schatzki vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt in Waren. Die Behörde warnt aber vor dem Betreten des Eises. Die Müritz hat 117 Quadratkilometer Wasserfläche und gehört zu den Mecklenburger Oberseen, die inzwischen generell für die Fahrgastschifffahrt gesperrt sind. Ein Unternehmer plant in Waren an diesem Samstag ein Eisfest auf dem sehr flachen Kölpinsee. Bei Waren gab es allerdings schon ein Unfallopfer: Am Mittwoch war auf dem Feisnecksee ein 72-Jähriger Mann beim Schlittschuhlaufen eingebrochen und ertrunken.

Eine 70-Jährige aus Klingenberg in Sachsen erfror in der Nacht zum Donnerstag im Tharandter Wald. Die Polizei geht davon aus, dass sich die Rentnerin verirrt hat. Erst am Montag war in Zwickau ein Rentner den Kältetod gestorben. Der seit Tagen vermisste 87-Jährige war an einem Eisengeländer festgefroren.

Wegen der Eisbildung auf den Ostseerandgewässern und drohenden Orientierungsproblemen hat das Wasser- und Schifffahrtsamt in Stralsund ein Nachtfahrverbot für Teile der vorpommerschen Küste verhängt. Zudem wurde der Peenestrom südlich von Wolgast und die Nordansteuerung vor Stralsund für die Schifffahrt komplett gesperrt. Dies sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, Holger Brydda. Die Häfen Anklam, Demmin und Malchin sind wegen der Sperrung für die Schifffahrt bis auf weiteres nicht erreichbar. Stralsund, Greifswald, Wolgast, Lubmin und Vierow können wegen des Nachtfahrverbotes nur am Tag angefahren werden.

Die Nordseeinsel Wangerooge hingegen ist nach drei Tagen wieder für Fähren erreichbar. Eine Probefahrt zum Festland sei am Donnerstag gut verlaufen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Extremes Niedrigwasser durch anhaltenden Ostwind und Eis hatte in den vergangenen Tagen das Anlegen der Schiffe erschwert.

Im Frankfurter Straßenbahn-Verkehr war die «Eiszeit» vorerst vorbei: Der Betrieb läuft nach blitzeisbedingten Leitungsproblemen wieder reibungslos. Am Donnerstag sei auch die letzte Linie freigegeben worden, sagte ein Sprecher der Verkehrsgesellschaft VGF auf Anfrage. Nun seien wieder überall die modernen Bahnen im Einsatz. Wegen des «Blitzeises» vom Sonntag hatten vereiste Oberleitungen die Straßenbahnen außer Gefecht gesetzt, in der Not setzte die VGF «Oldtimer» aus den 1950er Jahren ein. Diese hatten kaum Probleme mit den eingefrorenen Leitungen und kratzten mit ihren Stromabnehmern den Eispanzer herunter.