Vier Tage dauerte der Nervenkrieg - dann schlugen die Beamten zu: Auf dem Parkplatz Wengräben an der Autobahn 2 nahmen sie den 54-Jährigen aus der Nähe von Genthin im Jerichower Land fest.

Zu diesem Zeitpunkt habe der Arbeitslose eine SMS an die Opfer-Familie vorbereitet, berichtete Oberstaatsanwalt Heinrich Junker am Montag in Potsdam. Der Tatverdächtige habe vor dem Haftrichter ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er ist wegen versuchter räuberischer Erpressung in Untersuchungshaft.

Die Ermittler kamen dem Tatverdächtigen per Ortung seines Handys auf die Spur, obwohl der 54-Jährige mehrere Prepaid-Karten nutzte. Zunächst hatten sie allerdings einen Berliner in Verdacht. «Auf dessen Namen lief die Karte», sagte Polizeisprecher Rudi Sonntag. Dieser habe jedoch am Freitag seine Unschuld belegen können.

Unterdessen geriet der Jäger aus Sachsen-Anhalt zunehmend in das Visier der Ermittler. «Im Rahmen der Ermittlungen sind viele Telekommunikationsmaßnahmen getroffen worden», teilte Junker mit. Polizeidirektor Hans-Jürgen Mörke ergänzte: «Die taktische Ansatz der Handy-Ortung hat in diesem Fall den schnellen Erfolg sichergestellt.» Die Fahnder nutzten dabei einen sogenannten IMSI-Catcher (International Mobile Subscriber Identity), mit dem der Standort bestimmt und ein Bewegungsprofil erstellt werden kann.

Rund um die Uhr waren täglich etwa 100 Beamte im Einsatz - und hefteten sich schließlich an die Fersen des Mannes. Sie beobachteten, wie er seine Wohnung verließ und auf die Autobahn fuhr. «Als klar war, dass wir es mit einem Einzeltäter zu tun haben, erfolgte der Zugriff», sagte Hauptkommissar Frank Güldner. Unterstützung gab es von den Kollegen aus Berlin und Sachsen-Anhalt, so Mörke. Auch in Hamburg hätten sich Beamte bereit gehalten.

Im Wagen des Tatverdächtigen sei eine Schreckschusspistole gefunden worden, teilten die Ermittler mit. Zudem fanden sie Handschuhe und Hinweisschilder, mit denen der mutmaßliche Erpresser eine Art «Schnitzeljagd» organisieren wollte. In der Wohnung des Mannes stellte die Polizei mehrere Jagdwaffen sicher.

Sein Motiv waren wohl Geldsorgen. Nach rund vierjähriger Arbeitslosigkeit seien die Ersparnisse des früheren Bereichsleiters aufgebraucht gewesen, hieß es. Der 54-Jährige lebt laut Polizei mit einer Frau und einem Kind zusammen. Sein Opfer kannte er nach Angaben der Ermittler flüchtig. Polizei und Staatsanwaltschaft betonten, wie wichtig die Zusammenarbeit mit der Familie des Opfers für die Festnahme des Mannes gewesen sei.

Die Familie erhielt Polizeischutz. Mutter und Tochter wurden zu Verwandten gebracht, während der Familienvater mit dem Erpresser verhandelte. Ein erstes Ultimatum ließ dieser jedoch laut Polizei verstreichen - «was nicht ungewöhnlich ist», so Güldner.

Mit der Verhaftung des 54-Jährigen hat die Brandenburger Polizei innerhalb von knapp einem Jahr zum zweiten Mal einen Erpresser geschnappt. Im Februar 2011 hatte sie die Entführung einer Vierjährigen aus Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) unblutig beendet. Der Kidnapper (45) ist im vergangenen August zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist rechtskräftig.

Rätselhaft bleiben dagegen mehrere Anschläge auf die Berliner Unternehmerfamilie Pepper. Auch in diesem Fall geriet eine Tochter ins Visier. Knapp vier Monate nach Schüssen auf die erwachsene Tochter der Familie im brandenburgischen Bad Saarow (Oder-Spree) hat die Polizei noch keine heiße Spur.