Dem 25-jährigen Studenten wird vorgeworfen, bei einer mitternächtlichen «Batman»-Premiere zwölf zumeist junge Zuschauer erschossen und 58 weitere verletzt zu haben. Vermutlich werden die Anwälte auf Unzurechnungsfähigkeit ihres Mandaten plädieren.

Bisher hat Holmes die Gerichtstermine in Centennial (Colorado) ohne jegliche emotionale Regung verfolgt. Mit ausdruckslosem Gesicht saß er im Saal. Bei den ersten Terminen erschien er mit feuerrot gefärbten Haaren. Beobachter fragten sich einmal mehr, ob der Angeklagte tastsächlich psychisch krank und damit unzurechnungsfähig ist - oder etwa nur besonders kaltblütig, ein Mann, den das Grauen, das er angerichtet hat, einfach nicht erreicht?

Von der Beantwortung der Frage hängt viel ab: Sollte das Gericht Holmes für unzurechnungsfähig erklären, käme er in eine psychiatrische Klinik. Ansonsten droht ihm die Todesstrafe durch die Giftspritze oder lebenslange Haft.

Das Massaker hatte seinerzeit ganz Amerika erschüttert. Die Bilder vom Tatort waren grauenhaft: Überall im Kinosaal Blut, regungslose Körper - und ein Schütze, der keinerlei Regung gezeigt haben soll. «Es war, als ob es überhaupt keine normalen gefühlsmäßigen Reaktionen bei ihm gebe», berichtete ein Polizist.

Oftmals ist Anklageverlesung reine Routineangelegenheit, die nicht länger als ein paar Minuten dauert. Aber in Aurora könnte es anders sein. 166 Anklagepunkte sind es, die gegen Holmes vorliegen. Es wird erwartet, dass die Verteidigung diesmal ihre Karten zumindest ein Stück weit offenlegen muss.

Auch die Strategie der Staatsanwaltschaft ist bisher unbekannt. Noch hat sie etwa nicht publik gemacht, ob sie die Todesstrafe anstrebt. Sie beschreibt Holmes bisher als einen Waffennarren, der seine Tat über Monate geplant habe. Und seine Wohnung zuvor als Sprengstofffalle präpariert habe.

Doch die spannendste Frage dürfte sein, ob sich Holmes diesmal selbst zu Wort meldet. Bisher hat er im Gerichtssaal beharrlich geschwiegen.