Die gefühlte Temperatur aber dürfte bei drückender Schwüle diesen Wert erreichen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor extremer Wärmebelastung und heraufziehenden Unwettern. Erst am Montag ist ein wenig Entspannung in Sicht - bei weiterhin hochsommerlichen Temperaturen. Nach Schätzung der Wetterexperten wird der Juli als einer der zehn wärmsten in die Geschichte eingehen.

Die Gewitterfront von Tief «Zaki» werde am Samstag den Westen erreichen, sagte DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold. Das bedeutet, dass Hitze mit noch mehr Feuchtigkeit zusammentrifft, eine brisante Mischung. Hinzu komme der große Temperaturunterschied zwischen unten und oben: Über 30 Grad am Boden - gleichzeitig herrschten am Freitagmittag in zehn Kilometern Höhe minus zehn Grad. Alles zusammen ist hoch gewitterträchtig.

In der schwül-heißen Luft könnten sich schwere Gewitter mit Sturm und Hagel entladen. «Sogar Tornados sind möglich», sagte Paetzold. Im Osten kommt die Unwetterfront erst im Lauf des Sonntags an. «So kann sich die Luft in Odernähe sogar noch bis nahe 40 Grad erwärmen, bevor es auch dort unwetterartig zur Sache geht», sagte Paetzold. Wo genau die Gewitter niedergehen, sei erst unmittelbar vorher zu bestimmen.

Vor allem die gefühlte Temperatur, also das subjektive Wärmeempfinden, das etwa von der Sonne oder der Luftfeuchtigkeit beeinflusst wird, kann am Wochenende auf schwer erträgliche Werte steigen. «Die gefühlte Temperatur kann etliche Grade über der gemessenen liegen», sagt DWD-Sprecher Gerhard Lux.

In der drückenden Schwüle hat das körpereigene Regulierungssystem Probleme. Der Körper schwitzt wegen der Hitze - bei Trockenheit ist das eine gute Regulierung, die bei Wind noch besser funktioniert. Nun aber kann die feuchte Luft das Wasser aus den Poren der Haut nicht mehr aufnehmen. Es gibt einen Stau, die Wärmeableitung kommt ins Stocken, höchste Belastung für den menschlichen Kreislauf.

Erfrischung bringen auch die Nächte nicht. Zwar war nach DWD-Angaben die Nacht zum Freitag nur in Berlin und Pirmasens eine Tropennacht - dort sank die Temperatur nicht unter 20 Grad. Aber an vielen anderen Orten lag das Minimum dicht unter dieser Marke, so in Mainz, Köln oder Remscheid.

Ob der deutsche Hitze-Rekord geknackt wird, war am Freitag noch nicht klar. Aber das Rennen ist knapp: Im August 2003 maß der Wetterdienst Meteomedia im saarländischen Perl-Nennig 40,3 Grad. Der Deutsche Wetterdienst gibt als Höchstwert seit Beginn der Messungen 40,2 Grad an - gemessen im Juli 1983 in Gärmersdorf (Oberfpalz) sowie im August 2003 in Karlsruhe und Freiburg. «Am ehesten kommen wir in der Lausitz in diese Regionen», sagte Meteorologin Paetzold.

Der Juli wird insgesamt nach Schätzungen der Meteorologen als einer der zehn wärmsten in die Geschichte eingehen. Allerdings sei der Juli in den Jahren 2006, dem Jahr des deutschen «Fußball-WM-Sommermärchens», 1994 und 1983 noch wärmer gewesen. «Da werden wir nicht ganz drankommen», sagte DWD-Sprecher Gerhard Lux.