Die havarierte «Costa Concordia» hat ihre letzte Fahrt begonnen und Kurs auf den Verschrottungshafen Genua genommen. Das Wrack des Kreuzfahrtschiffs wurde am Mittwoch, mehr als zweieinhalb Jahre nach der Havarie, langsam aus dem Hafen der italienischen Insel Giglio geschleppt. Dann nahm der Konvoi aus mehr als einem Dutzend Schiffen Kurs auf die ligurische Hafenstadt. Bei dem Schiffsunfall waren 32 Menschen ums Leben gekommen.

«Das Schiff ist abgefahren. Für uns ist das ein Grund zur Freude», verkündete Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli, nachdem das Kreuzfahrtschiff gegen 11 Uhr und damit früher als geplant die Route eingeschlagen hatte. Die ersten Stunden des Transports verliefen ohne Probleme. In Genua, wo die «Costa Concordia» am Sonntag erwartet wird, soll das Schiff in den kommenden zwei Jahren in einer weiteren aufwendigen Aktion abgewrackt werden.

Giglio verabschiedete den 290-Meter-Riesen mit Schiffssirenen, Jubel, Applaus und Glockengeläut, gedachte aber auch der 32 Toten der Schiffskatastrophe vom Januar 2012. Bei der Havarie waren auch 12 Deutsche ums Leben gekommen. Auch Angehörige der Opfer und Überlebende der Katastrophe verfolgten die Bergung von der Insel aus.

«Das ist ein unglaubliches Gefühl», sagte Jutta Neumann aus Berlin der Nachrichtenagentur dpa. «Wir sind glücklich, dass wir dort lebend runtergekommen sind, was viele andere ja nicht geschafft haben.»

Mit einer Geschwindigkeit von weniger als vier Kilometern pro Stunde bewegt sich die «Costa Concordia» nun. Vier bis fünf Tage soll die Fahrt durch das nördliche Mittelmeer dauern. Mehrere Schlepper ziehen das Schiff, die Küstenwache, Umweltschützer und Spezialschiffe für Notfälle oder andere Probleme begleiten den Transport.

«Alles hat perfekt funktioniert, sie sollte zwischen Samstagnacht und Sonntagmorgen in Genua ankommen», erklärte Franco Porcellacchia, der für die Reederei das Projekt geleitet hat. Das Meer und der Luftraum werden um den Konvoi herum abgesperrt.

Vor gut zweieinhalb Jahren war das Luxusschiff zu nahe an die Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war auf Grund gelaufen. Es folgte eine einzigartige Bergungsaktion, die am Ende nach dem Abwracken insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro gekostet haben wird. Ein internationales Team richtete das Schiff auf und bereitete es in monatelanger Arbeit auf seine letzten Transport vor.

Das Kreuzfahrtschiff war 2005 unter italienischer Flagge vom Stapel gelaufen, die Baukosten betrugen damals rund 450 Millionen Euro.

In der vergangenen Woche war das Wrack wieder zum Schwimmen gebracht worden. Ingenieure und Techniker hatten die Schwimmtanks an den Seiten des Schiffs für den notwendigen Auftrieb mit Druckluft gefüllt. In der letzten Phase hatte schlechtes Wetter die Arbeiten behindert, der Abtransport musste mehrfach verschoben werden.

Die gut 350 Kilometer lange Reise nach Genua ist gefährlich. Besonders auf dem offenen Meer könnten starke Wellen oder Windböen das Wrack gefährden. Doch die Ingenieure sind optimistisch: «Wir sind überzeugt, dass alles gut klappen wird», prophezeite Porcellacchia.

Nach dem Abtransport soll die Suche nach dem letzten noch vermissten Opfer der Katastrophe wieder aufgenommen werden. «Wahrscheinlich werden wir die endgültige Antwort erst bekommen, wenn das Schiff verschrottet wird», erklärte Gabrielli. Das Verschrotten soll noch einmal etwa zwei Jahre dauern. Rund 1000 Arbeiter werden daran beteiligt sein, das Wrack in seine Einzelteile zu zerlegen.