Keine Nähe und kaum Gläubige: Für Papst Franziskus und die Katholiken in vielen Ländern ist im Corona-Jahr ein ungewöhnliches Weihnachtsfest zu Ende gegangen.

Zum zweiten Weihnachtsfeiertag, dem Stephanus-Gedenktag, betete Franziskus am Samstag für die verfolgten Christen in der Welt. Der heilige Stephanus war als Prediger der Überlieferung zufolge nach falschen Anschuldigungen gesteinigt worden und gilt als erster christlicher Märtyrer.

Das Gebet wurde wegen der Corona-Beschränkungen in die Bibliothek des Apostolischen Palasts verlegt. Sonst spricht der Papst das Gebet etwa vom Fenster des Palastes zu den Gläubigen auf dem Petersplatz. In Italien gelten jedoch strenge Corona-Regeln über die Weihnachtsfeiertage bis Anfang Januar und eine nächtliche Ausgangsbeschränkung von 22.00 bis 5.00 Uhr am folgenden Tag. Auf den Petersplatz zu kommen, wäre für viele schwierig gewesen.

Franziskus hatte angesichts der Corona-Regeln am Freitag den päpstlichen Segen «Urbi et orbi» (Der Stadt und dem Erdkreis) bereits in kleinerem Kreis aus der Benediktionsaula des Apostolischen Palastes gespendet und dort seine Weihnachtsbotschaft verkündet. Üblicherweise erwartet den Papst dafür ein Meer von Pilgern auf dem Petersplatz - in diesem Jahr war dieser wie leer gefegt.

Mit dem Segen erlässt der Papst den Gläubigen die Strafen für ihre Sünden, wenn sie diese schon zuvor beispielsweise in der Beichte oder durch Gebete getilgt haben. Den Segen hatte Franziskus wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr am 27. März sogar außerordentlich gespendet, gewöhnlich ist er für Weihnachten, Ostern und nach einer Papstwahl vorgesehen.

In seiner Botschaft hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche an die Menschen auf der Welt gedacht, die unter Gewalt, Terror oder Naturkatastrophen leiden und für Frieden gebetet. Auch hatte er auf die schwierige Situation vieler durch die Corona-Pandemie aufmerksam gemacht und für Solidarität mit ihnen gebetet; etwa für Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden oder Leute, die ihren Job in der Krise verloren hatten.

Allen Menschen solle außerdem der Corona-Impfstoff zugänglich gemacht werden, vor allem den Verletzlichsten, hatte er gefordert. «Wir sitzen alle im gleichen Boot», sagte der 84-Jährige.

Auch im Heiligen Land hatten die Gläubigen in diesem Jahr die Weihnachtsfeierlichkeiten unter Corona-Bedingungen begehen müssen. Das Oberhaupt der dortigen katholischen Kirche, Pierbattista Pizzaballa, hatte für ein Ende der Corona-Pandemie gebetet. An der Mitternachtsmesse in Bethlehem, dem Ort im Westjordanland, der als Geburtsort Jesu verehrt wird hatten wegen Corona nur christliche Würdenträger teilgenommen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas konnte das erste Mal in seinen 15 Amtsjahren nicht dabei sein.

Der zentrale Krippenplatz neben der Geburtskirche in Bethlehem war in diesem Jahr leer geblieben. Sonst drängen sich dort Tausende Pilger und Touristen. Die traditionelle Weihnachtsprozession von Jerusalem nach Bethlehem war am Donnerstag deutlich kleiner ausgefallen als sonst.

Auch in Rom hatten die Katholiken am gleichen Tag die Christmette mit einer begrenzten Anzahl an Teilnehmern gefeiert. Im Corona-Jahr musste sie wegen der nächtlichen Ausgangsbeschränkungen in Italien auf 19.30 Uhr vorverlegt werden. Mit etwas mehr als 100 Gläubigen feierten weniger Menschen die Messe im Petersdom als sonst.

Franziskus hatte an die Nächstenliebe erinnert. Mit Bezug zur Weihnachtsgeschichte, predigte er, dass die Krippe arm an allem, aber reich an Liebe gewesen sei und lehre, dass die Nahrung des Lebens darin bestehe, sich von Gott lieben lassen und andere zu lieben. Der Pontifex hatte außerdem gemahnt, seine Lebenszeit nicht dazu zu nutzen, um sich selbst zu bemitleiden, sondern um «die Tränen derer zu trösten, die leiden».

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