Doch die Länder Berlin und Brandenburg wollen bislang spätestens im August an den Start gehen. Anfang kommender Woche wollen die Betreiber für Klarheit sorgen.

Der für den 3. Juni geplante Start war am Dienstag abgeblasen worden, weil die Brandschutzanlage nicht abnahmefertig ist. Die alten Flughäfen Tegel und Schönefeld bleiben in Betrieb. Der wirtschaftliche Schaden durch den monatelangen Aufschub ist noch nicht abzuschätzen.

Unterdessen wächst der Druck auf den Flughafen-Aufsichtsratschef, Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er will an diesem Donnerstag eine Regierungserklärung zu dem Debakel abgeben. Grünen-Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin warf ihm in der «Rheinischen Post» (Donnerstag) vor, die Verzögerung verheimlicht zu haben. «Wenn es jemanden gibt, der deswegen um sein Amt fürchten muss, dann ist es der Regierende Bruchpilot Klaus Wowereit.»

Flughafenchef Rainer Schwarz wies auch am Mittwoch Rücktrittsforderungen zurück. Er musste auch dem Verkehrsausschuss des Bundestags Rede und Antwort stehen. Am kommenden Montag will Schwarz die nächsten Schritte zur Eröffnung des Großflughafens in Schönefeld an der Berliner Stadtgrenze ankündigen.

Auch der frühere Vorstand des Reisekonzerns Tui, Karl Born, warnte vor einem zu engen Zeitplan. «Eine Krise vor der Eröffnung vergessen die Leute, aber eine Krise nach der Eröffnung hängt ihnen ewig an.»

Derweil äußern sich die Fluggesellschaften noch nicht zur Höhe ihrer Schadenersatzforderungen. Schon ohne diese Kosten rechnet der Betreiber mit 15 Millionen Euro monatlichen Mehrkosten.

Bei Air Berlin kümmert sich eine Arbeitsgruppe darum, wie das erweiterte Flugprogramm jetzt zunächst über Tegel abgewickelt werden kann. Eine Million Passagiere müssen bei der deutschen Nummer zwei umgebucht werden, Branchenprimus Lufthansa rechnet mit 500 000 bis eine Million. Easyjet nutzt einstweilen wie bisher den alten Schönefelder Flughafen.

Ursache der Verzögerung ist der noch nicht funktionstüchtige Brandschutz im Flughafengebäude. Das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten von Rauchabzug, Sprinkleranlage bis Türschließungen klappt nicht fehlerfrei. Der TÜV konnte das System deshalb nicht abnehmen. Schwarz bestritt, dass noch andere Mängel die pünktliche Inbetriebnahme verhindert hätten.

Nach Informationen des Grünen-Verkehrspolitikers Anton Hofreiter hat der Betreiber am 4. April beim Landkreis Dahme-Spree eine Sondergenehmigung beantragt, um die Brandschutztüren durch 700 befristet eingestellte Mitarbeiter von Hand bedienen zu lassen. «Von kurzfristigen Hinweisen auf eine Verzögerung kann da doch nicht mehr die Rede sein», sagte Hofreiter dem «Tagesspiegel» (Donnerstag).

Nur schwer wird ein Teil der Händler am neuen Flughafen den geplatzten Termin verkraften. Sie verlieren durch die verspätete Eröffnung laut Handelsverband jeden Monat insgesamt Umsätze in Millionenhöhe. «Für kleine Betriebe kann das sehr schnell existenziell werden», sagte Branchensprecher Nils Busch-Petersen am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Rund 150 Läden und Restaurants sollten am 3. Juni eigentlich ihr Geschäft am Willy-Brandt-Flughafen eröffnen. Viele Händler hätten Personal eingestellt und Kredite aufgenommen. Ob sie Ansprüche auf Schadenersatz anmelden können, ist noch nicht klar.