Die Arbeiter Maya-Tempel nutzten die Steine der über 2000 Jahre alten Pyramide Noh Mul im Norden des mittelamerikanischen Landes, um eine Straße in der nahe gelegen Ortschaft Douglas aufzufüllen, wie der Fernsehsender Channel 7 auf seiner Internetseite berichtete. Nur noch ein kleiner Teil der Anlage sei übrig. «Ich bin entsetzt», sagte Allan Moore vom Nationalen Institut für Archäologie dem Sender. «Die Zerstörung ist unglaublich.»

Sein Kollege John Morris sagte, es sei das Schlimmste was er seit 25 Jahren als Archäologe in Belize gesehen habe. «Es ist nichts mehr zu retten. Das ist ein unglaubliches Zeichen von Ignoranz.»

Laut dem Fernsehbericht schlugen die Bauarbeiter mit schwerem Gerät die Steine aus der Anlage. Die Bagger hätten sich so tief in das Gebäude hineingegraben, dass die Reste beim nächsten Regen einstürzen könnten, befürchten die Wissenschaftler.

Zwar handele es sich bei der religiösen Stätte um einen mittlerweile bewachsenen Hügel, dennoch habe den Bauarbeitern klar sein müssen, dass es sich um ein historisches Bauwerk handele, sagte Moore. Der Tempel wurde nach Angaben des Instituts für Archäologie etwa im Jahr 250 vor Christus errichtet. Er habe wahrscheinlich im Zentrum einer historischen Siedlung gestanden.

Noh Mul bedeutet in der Sprache der Maya «Großer Hügel». Der Tempel war mit einem zweiten Gebäude über eine erhöhte Rampe, die sogenannte «Sacbe», verbunden. Die Anlage mit insgesamt 81 Gebäuden erstreckte sich einst über eine Fläche von 30 Quadratkilometern. In der Blütezeit lebten dort nach Einschätzung von Wissenschaftlern 40 000 Menschen.

Bei Noh Mul handelt es sich um eine von insgesamt vier großen Maya-Siedlungen im Norden von Belize. Die Forscher fanden Reste von Keramiken, die typisch für die vorklassische Epoche sind. Die Zerstörung des Tempels sei ein großer Verlust für die Wissenschaft und das Land, sagte der Archäologe Moore. «Es ist unser Erbe. Wenn so etwas passiert, müssen wir uns einmischen. Das hat Auswirkungen auf uns alle.»

Institutsleiter Jaime Awe kündigte gegenüber dem Sender rechtliche Schritte gegen das Bauunternehmen und den Grundstücksbesitzer an. In Belize sei die Zerstörung präkolumbischer Artefakte grundsätzlich verboten. Die Baufirma soll einem Lokalpolitiker aus der Region gehören. Er habe nichts von den Arbeiten gewusst, sagte der Mann Channel 7.