Am Montag gelang es Helfern zwar erstmals, den seit Sonntag ausharrenden Mann und seine beiden Begleiter in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden zu erreichen. Doch ist der Verletzte nach Auskunft von Polizei und Bergwacht nicht transportfähig. Aus der Schweiz wurden Hilfskräfte angefordert, die auf die Rettung aus Schächten spezialisiert sind.

Der Höhlenforscher aus dem Raum Stuttgart war am frühen Sonntag mit zwei Begleitern in rund 1000 Metern Tiefe in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands unterwegs, als es gegen 01.30 Uhr plötzlich zu einem Steinschlag kam. Dabei wurde er laut Bergwacht an Kopf und Oberkörper schwer verletzt, er konnte die Höhle nicht mehr aus eigener Kraft verlassen. Einer der Begleiter kletterte daraufhin zurück und schlug Alarm, der andere blieb bei dem Verletzten. Ihnen kam noch ein weiterer Mann zur Hilfe, der mit einer anderen Gruppe in der riesigen Höhle unterwegs war.

Die Bergung aus dem dunklen und teilweise extrem engen Schacht gestaltete sich äußerst schwierig. Noch am Montagnachmittag war vollkommen unabsehbar, wann die drei in der Höhle ausharrenden Männer wieder Tageslicht sehen können. Als Hauptproblem zeichnete sich ab, dass der Verletzte eigentlich nur liegend transportiert werden kann. Dies scheint in der Enge des Schachts aber kaum möglich. Hoffnungen setzen die Retter nun auf Spezialisten aus der Schweiz, die noch am Montag eintreffen sollten.

Der Rettungstrupp, der die beiden Männer am Montag erreichte, überbrachte neben medizinischer Ausrüstung auch Wasser und Essen. Es handelte sich um ein vierköpfiges Team, das den Lagerort des 52-Jährigen auf etwa 950 Metern Tiefe erreichte. Weitere Helfer richteten auf verschiedenen Ebenen Lager- und Biwakstationen ein. Gearbeitet wurde auch an einer Telefonverbindung zu den Männern.

Bei dem schwer verletzten Mann handelt es sich nach Angaben eines Kollegen um einen Höhlenforscher aus dem Raum Stuttgart. «Wir wissen noch nicht, wie sein Zustand genau ist», sagte der Einsatzleiter der Höhlenrettung Baden-Württemberg, Matthias Leyk, der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Der 52-Jährige ist demnach ein Mitentdecker der Riesending-Schachthöhle.

Leyk kennt den sehr erfahrenen Höhlenforscher persönlich. Zum Verletzten unterwegs sei eine Gruppe, darunter ein Arzt sowie ein Experte, der ein drahtgebundenes Telefon verlegen soll. «Dazu muss das Kabel an der Wand befestigt werden, weil die Höhle so kompliziert aufgebaut ist.» Sie besteht aus Monsterschächten, großen Hallen, engen Röhren und Seen, die überwunden werden müssen.

Die Riesending-Schachthöhle ist die tiefste und längste Höhle Deutschlands. Das gigantische Gangsystem umfasst eine Länge von 19,2 Kilometern und ist 1148 Meter tief. Der Eingangsschacht war im Rahmen einer Plateau-Vermessung bereits im Jahr 1995 entdeckt worden, blieb jedoch im Schatten anderer Projekte bis 2002 nahezu unbeachtet.