«Grundsätzlich stehe ich zu dem, was ich gemacht habe», sagte der 37-Jährige vor Beginn des Verfahrens am Dienstag und bekräftigte das in seiner Aussage zum Prozessauftakt. «Aufgrund meines Glaubens und auch der Gesetze fühle ich mich verpflichtet, die Kinder zu erziehen.» Der arbeitslose Krankenpfleger, dem die Entziehung Minderjähriger vorgeworfen wird, gilt als christlicher Fundamentalist.

Im vergangenen Frühjahr hatte er die vier Kinder unter dem Vorwand einer Fahrradtour in Hermannsburg bei Celle bei seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau abgeholt. Erst im September wurden der Mann und die Kinder nach viereinhalb Monaten intensiver Fahndung in Kairo entdeckt. Der Mutter war kurz vor der Tat das alleinige Sorgerecht zugesprochen worden.

Die 31 Jahre alte Ehefrau berichtete im Gerichtssaal, wie der Glaube des Ehemannes die Familie seit 2004 immer mehr zerstört habe. Schließlich gab er eine Zusatzausbildung auf und wollte Missionar werden. «Da habe ich ihm gesagt, dass ich jetzt so nicht mehr weitermache», berichtete die 31-Jährige. Im Jahr 2009 habe sie dann nach der Trennung ihren derzeitigen Lebensgefährten kennengelernt.

«Ich glaube, dass das, was in der Bibel steht, Gottes Wort ist», erklärte der Angeklagte, als ihn der Richter nach den Motiven seiner Tat befragte. Die Trennung der Frau sei «Ehebruch», ihr Zusammenleben mit dem neuen Lebensgefährten «Unzucht». Diesen Lebensstil habe er auch im Sinne der Kinder nicht billigen können.

Die damals vier bis acht Jahre alten Geschwister habe er nach Ägypten gebracht, auch weil das Land aus Deutschland in wenigen Stunden erreichbar sei, sagte der Angeklagte. Zudem habe er gehofft, nicht ausgeliefert zu werden, weil Ägypten ein Übereinkommen zur Rückführung entführter Kinder nicht unterzeichnet habe und Ehebruch dort strafbar sei. In Kairo wollte er sich Arbeit suchen und ein neues Leben anfangen.

Den Kindern gehe es heute körperlich und seelisch gut, berichtete die Frau. Der Staatsanwalt warf dem Angeklagten vor, bei der Tat mit List gehandelt zu haben. Damit könnte dem 37-Jährigen eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren drohen.