«Das verdienen meine Mandanten, sie haben genug durchgemacht», sagte John Eaves der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag (Ortszeit). Mit 4200 Passagieren und Crew-Mitgliedern an Bord lief das Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» am 13. Januar vor der Insel Giglio auf Felsen und kenterte. 32 Menschen starben. Dem Kapitän werden schwere Sicherheitsverstöße vorgeworfen.

Eaves vertritt nach eigenen Angaben mehr als 150 Betroffene der Katastrophe, unter ihnen 65 deutsche Überlebende sowie Angehörige von Todesopfern. Der US-Anwalt will für seine Mandanten von der US-Kreuzfahrtgesellschaft Carnival Entschädigung von jeweils mindestens 100 000 Dollar (etwa 77 000 Euro) erstreiten, in einigen Fällen sollen es sogar Millionen sein.

Carnival ist die Mutter der Reederei Costa Crociere, die die «Costa Concordia» betrieb. Die US-Gesellschaft sei für die Sicherheitsbestimmungen an Bord und daher letztlich für das Unglück verantwortlich, argumentiert Eaves. Das US-Unternehmen selbst war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Dem Anwalt zufolge will Carnival, dass mögliche Prozesse in Italien stattfinden. Die US-Gesellschaft beziehunsgweise ihr Versicherer würde dann zwar letzendlich auch für etwaige Entschädigungen aufkommen müssen, erläutert Eaves. Aber derartige Leistungen fielen traditionell in US-Verfahren großzügiger aus - und das sei genau das, was seinen Mandanten auch zustehe.

Es komme ihm indessen nicht nur auf Entschädigungen für die Hinterbliebenen und Opfer an. Er wolle auch erreichen, dass die Sicherheitsstandards für Kreuzfahrten verbesssert würden. Auch das ließe sich am besten in den USA erreichen, der Heimat der «Costa»-Muttergesellschaft.

Den Angaben des Anwalts zufolge muss nun in den USA zunächst gerichtlich entschieden werden, ob die auf amerikanischem Boden eingereichten Klagen auch dort zugelassen werden. Offen sei auch noch, ob sie zu einer Sammelklage gebündelt würden, wie das Rechtsvertreter anderer Kläger befürworteten. Eaves selbst ist dagegen - er will für jeden Mandanten einzeln streiten. «Jeder hat ein eigenes Schicksal, jeder Fall ist anders gelagert und verdient daher auch eigene Aufmerksamkeit.»

Wie viele Klagen und Kläger es gibt, ist unklar. Eaves selbst weiß nach eigenen Angaben allein von sechs getrennten Sammelklagen, die in Florida, New York, Illinois, Kalifornien und Texas eingereicht worden seien. Wegen der komplexen rechtlichen Fragen rechnen Opfer-Anwälte damit, dass bis zu rechtskräftigen Schadenersatz-Leistungen für die Kläger noch Jahre vergehen können.

Italienische Medien berichteten diese Woche über einen noch nicht veröffentlichten Gutachter-Bericht, nach dem eine Kette von Irrtümern, Mängeln und Unterlassungen zum Kentern des Kreuzfahrtschiffes führte. An Bord habe es vor allem sprachliche Verwirrung zwischen dem indonesischen Steuermann und Kapitän Francesco Schettino gegeben.