"Wir wollen Bollywood aus der Nische rausholen", sagte Senderchefin Friederike Behrends im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München. "Das, was wir hier kennen, ist ja auch nur ein ganz kleiner Teil von Bollywood. Bollywood ist nicht nur kitschig, es ist eine der größten Filmindustrien der Welt mit einem Wahnsinns-Spektrum."

Der Mutterkonzern von Zee.One, Zee Entertainment Enterprises Limited (ZEEL), hat nach Senderangaben allein in Indien 33 Kanäle, 38 internationale TV-Kanäle sowie acht HD-Sender und ist in 171 Ländern vertreten. Eine Milliarde Menschen können das Programm von ZEEL empfangen. Ein großes Ziel des Unternehmens sei es, sich noch weiter zu internationalisieren, sagte Behrends. "Für den Launch ist jetzt genau die richtige Zeit.
Heute ist es - von den Verbreitungskosten gesehen - einfacher, einen Sender in Deutschland zu etablieren als früher."


Interview: "Wir sind konkurrenzlos."


Deutschland sei zwar ein schwieriger Markt, sagt Senderchefin Friederike Behrends im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Aber: "Wenn man es hier schafft, kann man es überall schaffen."

Frage: Welche Zielgruppe versprechen Sie sich?
Antwort: Frauen zwischen 19 und 59. Und wir lassen uns überraschen, wer darüber hinaus noch Bollywood-Fan wird. Auf Facebook zeichnet sich bislang ein sehr junges Publikum ab. Viele junge Mädchen sind total verrückt nach Bollywood. Im Programm geht um Schönheit, Tanz, es ist sehr farbenfreudig. Wir haben auch festgestellt, dass viele Menschen mit türkischen oder arabischen Wurzeln, insbesondere Mädchen, die hier leben, eine Affinität zu Bollywood-Filmen haben - aber deutsche Mädchen genauso. Wer Barbie mag, mag auch Bollywood.

Frage: So ein ganz großes Mainstream-Publikum hat das Bollywood-Kino in Deutschland aber nicht, oder?
Antwort: Das, was wir hier kennen, ist ja auch nur ein ganz kleiner Teil von Bollywood. Bollywood ist nicht nur kitschig, es ist eine der größten Filmindustrien der Welt mit einem Wahnsinns-Spektrum. Es gibt Action, Horror, Dokumentationsfilme. Es gibt jedes Genre. Und wir wollen Bollywood aus der Nische rausholen.

Frage: Das Indien-Bild der jüngsten Vergangenheit ist nicht nur bunt, sondern in der öffentlichen Wahrnehmung auch durch schreckliche Ereignisse wie brutale Vergewaltigungen und ein fragwürdiges Frauenbild geprägt. Gibt es ein sozialkritisches Bollywood-Kino?
Antwort: Das sind nicht die Filme, mit denen wir starten wollen. Unser Motto ist "I feel Bolly Good", und danach haben wir auch erstmal die Filme ausgewählt. Wir haben im September das Motto Powerfrauen. Da gibt es fast nur selbstbewusste, starke, gleichberechtigte Frauen, die auf Augenhöhe mit den Männern agieren.

Frage: Es soll Eigenproduktionen aus Deutschland geben. Was hat man sich darunter vorzustellen?
Antwort: Ein Bollywood-Magazin zum Beispiel, in dem es auch um andere Elemente wie Kochen oder Reisen gehen kann. Wir können uns sehr viel vorstellen. Mit den Eigenproduktionen schaffen wir ja auch nochmal ein ganz spezielles Gesicht des Senders in Deutschland. Wir arbeiten ansonsten ganz eng mit unseren internationalen Kollegen zusammen. Ein Teil des Digitalteams sitzt in den USA, ein Teil des Content-Teams in Mumbai, das Programm kommt zunächst vor allem aus Großbritannien. Für Deutschland wird aber alles extra synchronisiert. Es sind fast alles TV-Erstausstrahlungen.

Frage: Welche Marktanteile wollen Sie erreichen?
Antwort: Ich möchte keine Zahlen nennen, aber wir wollen schon eine große Masse erreichen. Es soll sich auch für das Unternehmen rechnen.

Frage: Was haben Sie denn als größte Konkurrenz ausgemacht? Die Frauen zwischen 19 und 59, die Sie erreichen wollen, gucken ja bislang auch schon Fernsehen...
Antwort: Wir sind konkurrenzlos.

Frage: Wie wichtig ist Ihr Markenbotschafter Shah Rukh Khan für Sie? Zieht der in Deutschland?
Antwort: Wir glauben, dass Shah Rukh Khan das schafft. Es ist das erste Mal, dass er das für einen Fernsehsender überhaupt macht.

Frage: Gerade dieses Klischeebehaftete - Liebe, Tanz, Musik und Kitsch - ist aber doch das, womit Sie Ihre Zuschauerinnen abholen wollen, oder?
Antwort: Ja, das ist natürlich eine Herausforderung. Wir wollen die Leute aber auch mitnehmen und Ihnen mehr zeigen. Es ist also beides.

Frage: Ist auch was für Jungs dabei?
Antwort: Ja! Viel Action! Und schöne Frauen sind doch auch was für Jungs - im Gegensatz gibt es dann für die Frauen schöne Männer mit Sixpack.

Frage: Worin sehen sie inhaltlich die größten Unterschiede zwischen Bollywood- und Hollywood-Produktionen?
Antwort: Musik ist in Bollywood-Filmen ein Element der Handlung und das ist schon sehr besonders. Allerdings glaube ich, dass sich die Geschmäcker, dadurch, dass die Welt kleiner geworden ist, angeglichen haben. Das sieht man ja auch daran, dass die beiden indischen Superstars Priyanka Chopra und Deepika Padukone gerade als Bondgirls gehandelt werden. Ein Unterschied ist auch, dass in Bollywood alles ein bisschen bombastischer und viel opulenter ist.