München
Stromleitungen

Netzbetreiber Tennet fordert mehr Tempo

Der Netzbetreiber Tennet hat am Dienstag reagiert auf die jüngste Initiative des baye- rischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Tennet geht es zu langsam. Mit einem Kommentar von Thomas Lange.
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Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Seehofer setzt im Zuge der Energiewende auf bayerische Gaskraftwerke und will die Notwendigkeit neuer Stromtrassen von Nord nach Süd, wenn überhaupt, erst nach einem breiten Dialog mit dem Bürger akzeptieren. "Ich habe eine Bitte an die Politik", sagte Lex Hartmann, Mitglied der Geschäftsführung von Tennet Deutschland, dazu: "Tempo machen und nicht monate- oder gar jahrelang diskutieren."

Im Gegensatz zu Seehofer, der keine Eile sieht bei den neuen Stromtrassen, denn die seien erst "die Leitungen des nächsten Jahrzehnts", sagt Hartmann: "Uns läuft die Zeit davon. Das Bauen einer neuen Verbindung dauert zehn Jahre."

In zehn Jahren aber werde Bayern rund 30 Prozent seines Jahresverbrauchs an Strom importieren müssen. Dazu brauche es Leitungen, die den im Norden Deutschlands aus Windkraft erzeugten Strom in die Verbrauchs- und Wirtschaftszentren Bayerns bringen.
Hartmann: "2022, wenn die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen, müssen die Trassen stehen."

Tennet ist zuständig für Bayern mit der Ausnahme von Schwaben und damit für die Gleichstromverbindung Südlink, die über Grafenrheinfeld durch Unterfranken nach Kupferzell in Baden-Württemberg führen soll. Ein weiteres Projekt ist der Ostbayern-Ring, der bei Redwitz von der Thüringer Strombrücke nach Grafenrheinfeld abzweigt und bis Schwandorf in der Oberpfalz reicht.

Zur Thüringer Strombrücke sagte Hartmann: "Wir gehen davon aus, dass sie bis Juni 2015 steht." Dann soll das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld vom Netz gehen. Für die am heftigsten umstrittene Stromtrasse von Sachsen-Anhalt nach Augsburg ist der Netzbetreiber Amprion zuständig. Kritisch äußerte sich Hartmann zu Seehofers Forderung, die bayerische Stromlücke durch Gaskraftwerke zu schließen: "Dann wird der subventionierte Windstrom im Norden verschenkt an Polen und Holland, weil er nicht nach Süden transportiert werden kann."

Ein Kommentar von Thomas Lange:
Seehofers teure Gasmeiler

Die Idee klingt bestechend: Der ganze Ärger um neue Stromtrassen ließe sich doch vermeiden durch Gaskraftwerke, die Bayern sicher versorgen.

Horst Seehofers Idee aber lässt sich, in Zeiten der Energiewende, nur verwirklichen mit Hilfe einer Konstruktion, die Kapazitätsmarkt heißt und die es noch gar nicht gibt. Und wenn sie doch kommen sollte, dann wird sie viel Geld kosten.

Gaskraftwerke sind - ebenso wie die Atommeiler, die sie nach Seehofers Plan ersetzen sollen - nur dann wirtschaftlich, wenn sie als Dauerläufer die Grundlast decken. Nun aber wären sie nur noch Lückenbüßer immer dann, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.

Also müsste ein Investor, damit er einen Gasmeiler überhaupt baut, die dort bereitgestellte Leistung bezahlt kriegen und nicht nur die tatsächlich abgenommene Strommenge.

Mit diesem Kapazitätsmechanismus aber wird ein neuer Subventionstopf geöffnet. In den müssen die Verbraucher, die über massiv gestiegene Preise bereits den Strom aus Sonne und Wind finanzieren, noch einmal einzahlen.