Düsseldorf

Nach tödlichem Unfall: Ende der "Cold Water Challenge"?

Für die Feuerwehr war die "Cold Water Challenge" der Trend des Sommers, ein Klamauk mit Wetteifer, kaltem Wasser und Werbeeffekt für Löschtruppen und Ehrenamt. Nach einem tödlichen Unfall in Nordrhein-Westfalen könnte der Spaß nun ein Ende haben.
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Symbolbild: Mitglieder der Feuerwehr in Gudensberg (Hessen) baden am 29.05.2014 in einem Faltbecken mit Wasser und Badeschaum für ein Videoclip, mit dem die Feuerwehr sich bei dem Spektakel "Cold Water Challenge" (dt. ungefähr Herausforderung mit kaltem Wasser) beteiligte. Foto: Bernd Völske/Feuerwehr Gudensberg/dpa
Symbolbild: Mitglieder der Feuerwehr in Gudensberg (Hessen) baden am 29.05.2014 in einem Faltbecken mit Wasser und Badeschaum für ein Videoclip, mit dem die Feuerwehr sich bei dem Spektakel "Cold Water Challenge" (dt. ungefähr Herausforderung mit kaltem Wasser) beteiligte. Foto: Bernd Völske/Feuerwehr Gudensberg/dpa
Wenn Feuerwehrleute zur Kamera greifen, um sich gegenseitig in Unterhosen, Schwimmflügeln, Planschbecken oder Waschstraßen zu filmen, steckt häufig ein skurriler Wettkampf dahinter. Als "Cold Water Challenge" (Deutsch ungefähr: Herausforderung mit kaltem Wasser) erfasst der Trend in diesem Sommer nicht nur Feuerwehren. Zunehmend haben ihn auch andere Gruppen wie zum Beispiel Schützenvereine, Ambulanzen oder Musikorchester für sich entdeckt. Doch es gibt viel Kritik - und nun erneut einen Toten.

Das Spektakel, das von Amerika nach Deutschland geschwappt ist, funktioniert wie eine Art Kettenbrief: Eine Gruppe wird herausgefordert. Meistens Feuerwehren, denn es geht schließlich ums Wasser. Der Auftrag: die Männer und Frauen sollen zum Beispiel möglichst kreativ ins kalte Wasser springen. Das Spektakel wird gefilmt und als kurzer Clip ins Internet gestellt. Die Truppe nominiert zudem drei weitere Wehren, die dann ein Filmchen von der eigenen "Challenge" drehen müssen. Wer kneift und nicht mitmacht, muss den anderen etwa zum Grillen einladen.

Werbung fürs Ehrenamt?

So entstehen teils absurde Videoclips, die im Internet Tausende Male geklickt werden: Feuerwehrmänner "retten" einen Gummiwal aus einem Baggersee, sie "fahren" im Schlauchboot durch eine Autowaschanlage oder bringen einen Kollegen auf einer Trage mit einem Löschwasserstrahl ins Rotieren. Allein auf dem Videokanal Youtube finden sich unter dem Stichwort etwa 235.000 Filme - viele davon aus Deutschland.

Bislang vor allem als Mischung aus Spaß und Marketingaktion für das Ehrenamt bekannt, ist aus der "Challenge" eines Kegelvereins in Nordrhein-Westfalen nun tödlicher Ernst geworden. Bei einem Video-Gag mit einem Radlader wurde am Dienstagabend ein Familienvater von der Schaufel erschlagen, fünf weitere wurden verletzt. Erst vor einem Monat waren bei einem Traktorunfall in der Nähe von Steinfurt neun Menschen verletzt worden, auch dabei soll es sich um eine "Cold Water Challenge" gehandelt haben.

Der verhängnisvolle Videodreh mit Baggern ist beliebt, auch Feuerwehrmänner aus dem hessischen Hochheim ließen bei ihrer "Challenge" Wasser aus einer Schaufel über sich ausschütten. Im nordhessischen Spangenberg spritzten sich die Feuerwehrmänner mit Schläuchen nass, in Darmstadt hüpften Brandlöscher in ein Wasserbecken - in voller Montur. In Gudensberg holte die Feuerwehr ein Faltbecken aus dem Lager, sie füllte es mit Wasser und Badeschaum und feierte einen "Badetag in der großen Badewanne". Die Dusche hatte die Truppe auf einer Drehleiter mit einem Hohlstrahlrohr installiert.

Unerlaubt mit Blaulicht unterwegs

Das Problem: In den vergangenen Wochen wurden die Jux-Videos immer verrückter, teilweise wurde auch die Dienstausrüstung benutzt. Deshalb wuchs die Kritik. Im nordrhein-westfälischen Dorsten zum Beispiel ließen Feuerwehrchef und Stadtverwaltung die Videos ihrer Freiwilligen Feuerwehr löschen. Im saarländischen St. Wendel warfen Feuerwehrchef und Vorstand nach einem Video der Löschtruppe das Handtuch. Der Bürgermeister hatte kritisiert, dass die Männer unerlaubt mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs gewesen waren.

In Hessen warnen Landesfeuerwehrverband, die Unfallkasse und das Innenministerium deutlich vor risikoreichen Challenges": Spaß ja, aber Vorsicht bei den Aktionen, heißt es darin sinngemäß. Außerdem dürften die Feuerwehren ihre Ausstattung nicht zweckentfremden, das Ansehen der Truppen dürfe zudem nicht darunter leiden.

Dem schließt sich der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg an: "Die Feuerwehren geben sich letztendlich der Lächerlichkeit preis", heißt es dort. Allein im Südwesten Deutschlands gebe es "etliche Vorfälle", sagte ein Sprecher des Stuttgarter Innenministeriums. Bei einer privat organisierten Water-Challenge sei auch schon ein Mensch ums Leben gekommen.

Eine "Challenge" könnte für die Herausgeforderten auch zu einem teueren Spaß werden: Die Feuerwehr stuft die Aktionen als "unzulässige Gefährdungen" mit hohem Risiko ein. Für Sabine Longerich von der Unfallkasse Hessen hängt die Art des Versicherungsschutzes deshalb davon ab, ob eine Aktion der Feuerwehr ein Privatvergnügen ist oder ein Einsatz. Letzteres wäre zum Beispiel der Fall, würde eine "Challenge" von der Leitung angeordnet.