"Durch diese neuen Fälle von Rassismus bei der Polizei fühlen wir uns in unserer Einschätzung bestätigt, dass die Einzeltätertheorie den Skandal verharmlost", sagte der Geschäftsführer des Flüchtlingsrats, Kai Weber, am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Wir brauchen eine andere und grundsätzliche Form der Überprüfung der Polizei."

Der Landesvorsitzende des Bundes der Kriminalbeamten, Ulf Küch, verurteilte die Facebook-Einträge ebenfalls: "Solche Pöbeleien und fremdenfeindlichen Parolen gehen gar nicht", sagte er der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Donnerstagsausgabe). "Polizisten haben einen Eid auf die Verfassung abgelegt.
Sie haben die Pflicht, die Würde jedes Menschen zu achten." Gegen die betreffenden Beamten müsse zumindest ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden.

Der NDR hatte am Mittwoch Facebook-Einträge von vier Bundespolizisten veröffentlicht, die sich abfällig über Ausländer geäußert hatten. Darin war von einem "kriminellen Migrationsmob" die Rede. Eine Gerichtsentscheidung über die Teilnahme am Schwimmunterricht in einem Ganzkörperbadeanzug wurde mit dem Worten kommentiert: "Soll sie doch in Istanbul schwimmen gehen!"

Oberstaatsanwalt Thomas Klinge aus Hannover sagte dem epd, seine Behörde habe geprüft, ob die Äußerungen strafrechtlich relevant seien. Sie habe dafür aber keine Anhaltspunkte gefunden: "Es handelt sich weder um Volksverhetzung noch um Beleidigung."

Bereits seit Mitte Mai ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen einen Beamten derselben Dienststelle am Hauptbahnhof wegen Misshandlungen von zwei jungen Männern aus Marokko und Afghanistan. In dieser Sache seien bisher mehrere Zeugen befragt worden, sagte Klinge. Die beiden mutmaßlichen Opfer seien aber an ihrem Wohnort bisher nicht angetroffen worden.