Karlsruhe (Baden)
Urteil

Nach BGH-Urteil: Wie regele ich meinen digitalen Nachlass?

Laut Entscheidung des Bundesgerichtshof kann man ein Facebook-Konto erben. Spätestens nach diesem Urteil sollte sich jeder Internet-Nutzer Gedanken darüber machen, was im Fall der Fälle mit seinen Daten passieren soll. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat Tipps zum Digital-Nachlassparat.
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Facebook muss den Eltern eines toten Mädchens  Zugang zu dem  gesperrten Nutzerkonto der Tochter gewähren. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Foto: Fabian Sommer/dpa
Facebook muss den Eltern eines toten Mädchens Zugang zu dem gesperrten Nutzerkonto der Tochter gewähren. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Foto: Fabian Sommer/dpa
Facebook muss den Eltern eines toten Mädchens Zugang zu dem gesperrten Nutzerkonto der Tochter gewähren. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Donnerstag in letzter Instanz entschieden. Auch Briefe und Tagebücher gingen an die Erben über, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Herrmann bei der Urteilsverkündung. Es bestehe kein Grund, digitale Inhalte anders zu behandeln. Die Tochter habe mit Facebook vor fünfeinhalb Jahren einen Nutzungsvertrag geschlossen, und die Eltern seien als Erben in diesen Vertrag eingetreten.


Vorheriges Urteil aufgehoben


Die Richter hoben ein Urteil des Berliner Kammergerichts auf, das die Sperre unter Verweis auf das Fernmeldegeheimnis bestätigt hatte. Die Eltern erhoffen sich von den privaten Inhalten der Seite Aufschluss über die Todesumstände der 15-Jährigen. Das Mädchen war Ende 2012 in Berlin vor eine U-Bahn gestürzt. Ob es ein Suizid war, ist unklar.


Seite eingefroren: Auch mit Password keine Anmeldung möglich


Facebook hatte die Seite nach dem Tod des Mädchens im sogenannten "Gedenkzustand" eingefroren. Die Eltern konnten sich deshalb auch mit Passwort nicht mehr anmelden. Der US-Konzern wollte die Konto-Inhalte nicht freigeben, weil die Freunde des Mädchens darauf vertraut hätten, dass die ausgetauschten Nachrichten privat blieben.

Soziale Netzwerke, E-Mail-Konten, Onlinespeicher oder Streamingdienste: Wenn jemand stirbt, bleiben seine Accounts erst einmal bestehen. Angehörige haben dann oft ihre liebe Not, Zugriff zu bekommen - wenn sie überhaupt von den Konten wissen. Auch deshalb ist digitale Vorsorge wichtig. Einige Tipps des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv):


Die gute alte Papierform:


Beim digitalen Erbe ist es zunächst wichtig, alle Internetkonten und Zugänge zu erfassen und für Angehörige zu hinterlegen. Das geht zum Beispiel ganz klassisch auf Papier - man schreibt einfach alle Konten mit Benutzernamen und Passwörtern auf, verwahrt die Liste in einem Umschlag an einem sicheren Ort und aktualisiert sie regelmäßig.


Passwortmanager nutzen:

Es geht aber auch ein bisschen moderner - zum Beispiel mit Passwortmanagern. Die Programme speichern beliebig viele Zugangsdaten zentral und verschlüsselt. Man muss sich nur noch ein Passwort merken, das sogenannte Masterpasswort. Der kostenlose und freie Passwortmanager KeePass etwa läuft auch ohne Installation, so dass man ihn auf einem USB-Stick nutzen oder eine Kopie auf einem Stick hinterlegen kann. In diesem Fall müssen dann Stick und Masterpasswort hinterlegt werden. Auch hier sind regelmäßige Aktualisierungen wichtig.


Vertrauensperson benennen: 

Beim digitalen Nachlass stellt sich die Frage, wer dann für die Liste oder den USB-Stick und das Masterpasswort zuständig ist. Unabdingbar in diesem Zusammenhang ist es, schon zu Lebzeiten eine Vertrauensperson zu benennen, die sich nach dem Tod um die Rechte und Pflichten aus Verträgen mit Internetdiensten kümmert. Ein Musterformular für eine entsprechende Vollmacht gibt es auf der vzbv-Seite. Ganz wichtig: Sie muss handschriftlich verfasst, mit Datum versehen, unterschrieben und mit dem Hinweis versehen sein, dass sie "über den Tod hinaus" gilt.


Anweisungen festhalten:

Ob die Vertrauensperson mit den Daten machen kann, was sie will, hängt davon ab, was man zu Lebzeiten festgelegt hat. Die Verbraucherschützer raten, etwa gleich in der Liste mit den gesammelten Accounts zu vermerken, was die Vertrauensperson genau mit den diversen Konten, Daten oder auch Fotos im Netz nach dem Ableben tun soll - sie etwa löschen oder auch Profile in den Gedenkzustand versetzen, wie es zum Beispiel bei Facebook möglich ist. Wer sich für einen Passwortmanager entschieden hat, gibt solche Anweisungen am besten direkt in der Vollmacht.


Daten auf Geräten:

In der Vollmacht oder Liste sollte ebenfalls stehen, was mit Daten auf den eigenen Geräten geschieht. Man legt also am besten fest, was mit Rechner, Smartphone, Tablet und Co sowie den darauf gespeicherten Dingen passieren soll.


Vorsicht bei Dienstleistern:


Inzwischen gibt es zwar auch Dienstleister, die digitale Nachlässe kommerziell verwalten. Von solchen Unternehmen raten die Verbraucherschützer aber eher ab. Ihre Sicherheit und damit die Vertrauenswürdigkeit lasse sich nur schwer beurteilen. In keinem Fall sollte man einem Unternehmen Passwörter anvertrauen.

Nur wenige Internetnutzer haben sich schon darum gekümmert, was nach ihrem Tod mit ihren Online-Konten passieren soll. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage. Nicht einmal jeder Zehnte (8 Prozent) hat demnach für Hinterbliebene Zugangsdaten zu allen Diensten und Online-Konten hinterlegt. Weitere 4 Prozent haben zumindest bei einigen Diensten Vorkehrungen für den Todesfall getroffen. Fast jeder Zweite (45 Prozent) war sich der Problematik dagegen bislang nicht bewusst. Im Auftrag von Web.de und GMX wurden im Oktober 2017 rund 2000 deutsche Internetnutzer ab 18 Jahren befragt.