Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat umfangreiche Konsequenzen von Bund und Ländern aus Fehleinschätzungen vor dem Terroranschlag an der Berliner Gedächtniskirche gefordert. "Im gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) brauchen wir bundesweit und länderübergreifend einheitliche Maßstäbe für die Beurteilung von Gefährdern", sagte Geisel der "Berliner Morgenpost" (Sonntag).

Nötig sei zudem ein einheitliches IT-System und nicht wie jetzt 19 verschiedene Systeme, die schwer miteinander kommunizieren könnten. Deswegen müssten Fingerabdrücke zum Teil auf CD gebrannt und per Post verschickt werden, kritisierte Geisel. Berlin habe bereits Konsequenzen gezogen und die Anschaffung von 12.000 modernen Pistolen und ballistischen Schutzwesten beschlossen.


War Amri drogenabhängig?

Der Tunesier Anis Amri hatte am 19. Dezember einen Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gesteuert und zwölf Menschen getötet. Die Obduktion der Leiche ergab nun, dass er regelmäßig Kokain und Haschisch genommen hatte. "Wir können es nicht mit Sicherheit sagen, aber wir können annehmen, dass er am Tag des Anschlags auf Drogen war", sagte der Mailänder Ermittler Alberto Nobili der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. An seinem Todestag habe der Tunesier aber keine Drogen genommen.

Wenige Tage nach dem Attentat, am 23. Dezember, wurde Amri während einer Routine-Ausweiskontrolle vor dem Bahnhof von Sesto San Giovanni nahe Mailand von einem Polizisten erschossen.

Amri sei möglicherweise auf dem Weg nach Sizilien gewesen, als die Polizeistreife ihn gestoppt habe, sagte Nobili weiter. Dort habe er während eines früheren Aufenthalts in einer Flüchtlingsunterkunft in Belpasso eine junge Frau kennengelernt, die er umworben habe.

Beamte hatten herausgefunden, dass Amri nach dem Anschlag in Berlin einer jungen Italienerin mehrere SMS geschickt hatte. Sie habe bestätigt, die Nachrichten empfangen zu haben, gelte aber nicht als Verdächtige in dem Fall, so Nobili.