Bamberg
Verhandlung

LKW-Amokfahrt durch Franken: Fahrer hinterlässt Feld der Verwüstung - Prozessbeginn

Im Januar diesen Jahres zog ein 38-jähriger Lkw-Fahrer eine Spur der Verwüstung durch Franken. Jetzt steht er wegen Vollrausches vor Gericht.
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Es war ein Vorfall, den selbst altgediente Polizisten so nicht erlebt hatten: Ein Lkw-Fahrer widersetzt sich nicht nur der Kontrolle durch die Polizei, sondern irrt durch alle drei fränkischen Regierungsbezirke - ohne Rücksicht auf Mensch und Material. Zwei Stunden fährt der 38-Jährige ab 21 Uhr mit seinem Sattelzug zickzack, 80 Kilometer von Erlangen über Coburg und Ebern, von der A73 auf die B289 und weiter auf die B4 oder die B303.

Dabei verursacht er mehrere Unfälle, rammt Streifenwagen und verletzt mehrere Beamte. Mal ist er schnell unterwegs, mal langsam. Und manchmal steuert er den 22 Tonnen schweren Lastzug, mit dem er Maschinenteile von Österreich nach Hamburg transportieren sollte, auch ohne Licht. Erst als es einem Polizeihubschrauber gelingt, den Fahrer zu blenden, stoppt er den Sattelzug - Polizeibeamte schlagen die Scheibe ein und nehmen ihn fest.

Bei seiner Amokfahrt im Januar - es war erst der zweite Arbeitstag des Schleswig-Holsteiners für eine niedersächsische Spedition - stand der 38-Jährige unter Drogeneinfluss. Entsprechend hat er sich laut Staatsanwaltschaft des Vollrausches strafbar gemacht: Er habe sich vorsätzlich mit Amphetamin in Rausch versetzt und in diesem Zustand rechtswidrige Taten begangen - und sei damit entsprechend schuldunfähig.

Den Ermittlungen zufolge hat die Amokfahrt bereits im Bereich des Autobahnkreuzes Fürth/Erlangen begonnen, wo er Schlangenlinien fuhr. In der Folge beschädigt er demnach auf der Strecke mehrere andere Verkehrsteilnehmer und rast bis Coburg, wo er den Sattelzug in eine Sackgasse lenkt. Rücksichtslos und indem er Polizeibeamte verletzt sowie deren Fahrzeuge beschädigt, gelingt ihm erneut die Flucht. Auf dem Weg in Richtung Bamberg - unter anderem als Geisterfahrer auf der B4 - fährt er gezielt auf andere Fahrzeuge zu und beschädigt dabei nicht nur Polizei-, sondern auch die Autos anderer Verkehrsteilnehmer. Die Staatsanwaltschaft Coburg ermittelte in der Folge gegen den Fahrer auch wegen versuchten Mordes.

Verhandelt wird vor der Ersten Großen Strafkammer als Schwurgericht am Landgericht Coburg, angesetzt sind Termine am kommenden Montag und Dienstag.