London
Ausstellung

Museum of London: Sherlock Holmes hinter Glas

Sherlock Holmes fasziniert immer noch und immer wieder aufs Neue. Dennoch ist die Ausstellung "Der Mann, der nie gelebt hat und niemals sterben wird" die erste seit 63 Jahren zu diesem Thema. Die Verantwortlichen zeigen den Detektiv in seiner natürlichen Umgebung: London.
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Sherlock Holmes hat schon immer die modernsten Werkzeuge seiner Zeit benutzt - egal ob Bunsenbrenner oder Smartphones wie in der neuen BBC-Serie mit Benedict Cumberbatch. Foto: Museum of London/Colin Hutton, Hartswood Films
Sherlock Holmes hat schon immer die modernsten Werkzeuge seiner Zeit benutzt - egal ob Bunsenbrenner oder Smartphones wie in der neuen BBC-Serie mit Benedict Cumberbatch. Foto: Museum of London/Colin Hutton, Hartswood Films
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Er ist einer der meist verfilmten literarischen Figuren und auf ganz eigene Art mit der Stadt London verbunden. Umso erstaunlicher ist es, dass die derzeitige Ausstellung "Sherlock Holmes - The man who never lived and will never die" ("Der Mann, der nie gelebt hat und nie sterben wird") die erste seit 63 Jahren ist, die sich dem berühmten Privatdetektiv widmet. Sie ist noch bis zum 12. April 2015 zu sehen. Vielleicht ist es aber gerade jetzt die richtige Zeit. Es gibt neue Filme und nicht zuletzt schickte die britische BBC ihre erfolgreiche Fernsehserie "Sherlock" mit Benedict Cumberbatch in der Titelrolle und Martin Freeman als John Watson in diesem Jahr in ihre dritte Staffel; die vierte Staffel wird im nächsten Jahr gedreht.

London als dritte Hauptfigur

Doch all diese Filme würde es ohne Arthur Conan Doyle nicht geben. Er schuf mit Sherlock Holmes einen für die damalige Zeit - die ersten Geschichte erschien 1887 - genialen Ermittler, der die Leser mit seiner Exzentrik ebenso verblüffte wie mit messerscharfen Logik und seiner genauer Beobachtungsgabe. Aber er schuf noch mehr, denn er platzierte seinen Meisterdetektiv in das viktorianische London, eine Stadt, die wie manche Kritiker meinen, neben Holmes und Watson eigentlich die dritte Hauptfigur in den insgesamt 56 Kurzgeschichten und zwei Romanen ist. Eine Stadt voller Nebel und Pferdekutschen, die in der Ausstellung anhand von zahlreichen Gemälden und frühen Fotografien wieder zum Leben erweckt wird. Sehr beeindruckend ist unter anderem ein Bild der Charing-Cross-Brücke von Claude Monet aus dem Jahr 1902. Das London von Sherlock Holmes ist gleichermaßen real und fiktional: die berühmte Adresse 221B ist erfunden, während es die Baker Street selbst ebenso gibt wie die U-Bahn oder das West End. London war zu der damaligen Zeit auch eine Stadt im Wandel, in der ganze Häuserzeilen abgerissen, Straßenzüge erweitert wurden und in der sich allmählich die Silhouette formte, die wir heute kennen. Schon damals war London eine quirlige Metropole wie die ersten Filmaufnahmen aus dieser Zeit zeigen.

ZweiJahre, viele Verhandlungen

"Ich habe ungefähr zwei Jahr und zahlreiche Verhandlungen gebraucht, damit wir genau die Stücke bekamen, die wir in der Ausstellung zeigen wollten", sagt Pat Hardy, Kunstkuratorin am Museum of London. "Ich habe die Gemälde so gewählt, dass sie genau die visuellen Punkte setzen, die genau zu Sherlock Holmes passen. Beispielsweise den Nebel, das Geheimnisvolle, die geschäftigen Straßen, die Pferdekutschen, die Züge, Vororte und die großartige Architektur und Größe Londons."

Neben den Gemälden, Fotos und Filmausschnitten lassen eine ganze Reihe an Ausstellungsgegenständen die Welt von Sherlock Holmes lebendig werden. Zu ihnen gehören natürlich Pfeife und Vergrößerungsglas ebenso wie Bunsenbrenner, Zangen und Röhrchen, aber auch Schreibmaschinen, ein Set, mit dem man Fingerabdrücke nehmen kann und diverse Hüte - inklusive der Beschreibung, wie diese hergestellt wurden. Natürlich dürfen Szenen aus unterschiedlichen Sherlock-Holmes-Verfilmungen nicht fehlen, die in ihrer unmittelbaren Gegenüberstellung deutlich zeigen, dass der einzige konsultierende Detektiv der Welt immer wieder neu erfunden wurde und dadurch immer eine Figur der jeweiligen Zeit war und immer noch ist. Gleichzeitig ist das der beste Beweis für Conan Doyles schriftstellerisches Können, auch wenn er selbst seine Sherlock-Holmes-Geschichten als reinen Broterwerb ansah und für minderwertig hielt.


Ausstellung:

Öffnungszeiten: Sonntag bis Montag von 10 bis 18 Uhr, geschlossen von 24. bis 26. Dezember

Karten: Am besten kauft man die Karten online. Das erspart das Warten an der Kasse.

Museumsshop: Es gibt zahlreiche Fanartikeln und Bücher über Sherlock Holmes, aber auch über London. Empfehlenswert ist das Buch zur Ausstellung, das für 25 Pfund kostet und zahlreiche Abbildungen und viele interessante Artikel enthält. Für Sherlock-Holmes-Fans ein echtes Sammelstück.

Mehr gibt es auf der Museumsseite.