Motten in Paris: Nach knapp 24 Minuten liegt Cristiano Ronaldo mit verletztem Knie auf dem Rasen im Stade de France. Schmerzverzerrt und mit Tränen in den Augen muss der Superstar seinem Trainer symbolisieren, dass er im Finale der Fußball-Europameisterschaft ausgewechselt werden muss. Die Kameras im Stadion sind auf Ronaldo gerichtet, da ist in der Nahaufnahme plötzlich ein große brauner Fleck über dem Auge des Fußballers zu sehen. Viele TV-Zuschauer fragen sich in diesem Moment am Sonntagabend, welches riesige Insekten im Gesicht des Weltfußballers sitzt. Das Interesse im Netz an dieser Situation ist so groß, dass nach kürzester Zeit die ersten Einträge auf Twitter zum Thema #mothgate erscheinen.


Unter twitter.com/ronaldosmoth existiert sogar ein eigenes Twitter-Profil, das ein findiger Nutzer Sonntagabend angelegt hat. Mehr als 10.000 Follower hat diese Motten-Fan-Seite mittlerweile. Doch warum waren an diesem Abend überhaupt so viele Tierchen in dem Stadion unterwegs? Auch nach der tragischen Verletzungsszene von Ronaldo sind immer wieder Motten durch die TV-Kameras geflogen. Vor allem an den neonfarbenen Eckfahnen waren die Motten deutlich zu erkennen.


Wie verschiedene Medien berichten, könnte eine Schutzmaßnahme für die hohe Anzahl der Tierchen verantwortlich sein. In der Nacht vor dem Spiel sei demnach das Flutlicht eingeschaltete gewesen. Der Teil des Anti-Terror-Konzepts schreckte aber nicht nur mögliche Terroristen ab, sondern lockte unzählige Falter in die Spielstätte.



Reaktionen im Netz auf Portugals EM-Sieg

DFB-Kapitän BASTIAN SCHWEINSTEIGER: "Großartige Mannschaftsleistung von Portugal heute! Glückwunsch!"
DFB-Nationalspieler LUKAS PODOLSKI: "Glückwunsch Portugal. (...) Deutschland-Frankreich: bessere Mannschaft verliert! Portugal-Frankreich: bessere Mannschaft verliert! Fußball ist manchmal komisch."
DFB-Nationalspieler MESUT ÖZIL, der beim FC Arsenal mit Frankreichs Laurent Koscielny und Olivier Giroud zusammenspielt: "Kopf hoch, Frankreich... vor allem meine Mitspieler Koscielny und Giroud... und Glückwunsch an Portugal!"
DFB-Nationalspieler SAMI KHEDIRA, der bei Juventus Turin mit Frankreichs Paul Pogba und Patrice Evra zusammenspielt: "Glückwunsch an meine ehemaligen Teamkollegen Pepe & Cristiano! Behaltet den Kopf oben, Pogba und Evra - ihr habt ein großartiges Turnier gespielt!"
DFB-Nationalspieler SHKODRAN MUSTAFI, in Valencia Mitspieler von André Gomes: "Genieß diese besonderen Momente, André! Glückwunsch!"
Der Waliser GARETH BALE, bei Real Madrid Teamkollege von Cristiano Ronaldo und Pepe: "Glückwunsch Portugal! Und das war unglücklich, Frankreich, ihr habt ein unglaubliches Turnier ausgerichtet"
ILKAY GÜNDOGAN von Manchester City: "Glückwunsch Portugal! Unglaublich, das Turnier nach dem dritten Platz in der Vorrunde zu gewinnen!"
Der frühere DFB-Nationalspieler ARNE FRIEDRICH: "Was ein Turnier... Cristiano coacht, Pepe übergibt sich nach dem Spiel. Portugal ist Europameister!"
Der frühere DFB-Nationalspieler SEBASTIAN KEHL: "Am Ende war das Glück mit Portugal - herzlichen Glückwunsch!"
Frankreichs früherer Präsident NICOLAS SARKOZY: "Wir haben gezittert bis zur 120. Minute. Danke, "les Bleus", für diese vier Wochen und bravo, Portugal."
Star-DJ DAVID GUETTA twitterte ein Foto, das ihn mit Ronaldo zeigt: "Ich bin traurig wegen Frankreich, aber... Glückwunsch, Portugal!"
Portugals Fußball-Legende LUIS FIGO, EM-Finalist 2004: "CAMPEÕES!"
Frankreichs Außenminister JEAN-MARC AYRAULT: "Bravo, Portugal. Glückwunsch an "les Bleus" zu ihrer Leistung, ihrem Mut und ihrem Talent. Danke."
BIXENTE LIZARAZU, mit Frankreich Welt- und Europameister: "Wir hatten in diesem Spiel alles in der Hand... aber der Erfolg gehörte heute Abend Portugal. Kein Zweifel, dass diese Mannschaft Zukunft hat."


Ronaldo als Anpeitscher am Spielfeldrand - vom Ego zum Teamplayer

Selbst zwei Stunden nachdem Cristiano Ronaldo die so ersehnte erste EM-Trophäe mit einem befreienden Schrei in den Himmel stemmte, glitzerten Ronaldos Augen immer noch voller Freudentränen. "Das ist einer der schönsten Momente meiner Karriere", schwärmte der 31-Jährige über das 1:0 gegen Frankreich nach Verlängerung. "Das ist ein einzigartiger Tag."

Einzigartig - auch weil Ronaldo das portugiesische Sieger-Team mit den starken Neu-Bundesligaprofis Renato Sanches und Raphaël Guerreiro nach seinem Verletzungs-Drama als ruheloser Anpeitscher von der Seitenlinie zum Premierentitel trieb. "Wir sind die Könige von Europa sogar ohne den König der Welt", titelte "A Bola".

Mit einer Manschette um das nach einem harten Einsteigen von Dimitri Payet lädierte linke Knie empfahl sich der designierte Weltfußballer 2016 zudem für den Titel des Trainer des Jahres. Die personifizierte Ich-AG des Weltfußballs vollendete seinen größten Triumph als Teamplayer.

"Fantastisch" sei die Halbzeit-Ansprache Ronaldos gewesen, berichtete Rechtsverteidiger Cedric. "Er hat immer daran geglaubt, dass heute die Nacht der Nächte, unsere Nacht war", lobte Trainer Fernando Santos den Optimismus seines Kapitäns, der nach 25 Minuten endgültig weinend auf einer Trage vom Platz musste. Und der am Ende überragende Abwehrchef Pepe berichtete strahlend: "Wir haben uns geschworen, für ihn zu gewinnen, und wir haben für ihn gewonnen."


Innenbanddehnung: Ronaldo fällt nur wenige Wochen aus


Den funkelnden Silberpokal wollte Ronaldo, der Medienberichten zufolge mit einer Innenbanddehnung wenige Wochen ausfällt, gar nicht mehr hergeben. Immer wieder küsste er die Trophäe und posierte für die Fotografen, balancierte den Pokal sogar kurz auf seinem Kopf. Natürlich präsentierte Ronaldo wieder einmal als erster seinen muskulösen Oberkörper ohne Trikot. Ansonsten freute er sich aber unverstellt wie ein kleines Kind, rüttelte seinen Trainer Fernando Santos wild durch, warf strahlend Handküsse ins Publikum und schüttelte immer wieder fassungslos den Kopf.
Dass er durch seine Verletzung nicht mehr mit einem zehnten EM-Treffer die alleinige Führung in der ewigen Torschützenliste vor Michel Platini übernehmen konnte, schmälerte die Freude da nicht. "Es waren viele Jahre voller Opfer, niemand hat an uns geglaubt", sagte Ronaldo genervt von den Vorwürfen der Nörgler des portugiesischen Minimalistenstils.

In der Stunde des größten Triumphs erinnerte der Erfolgsgetriebene an den Moment der bittersten Schmach - das verlorene Endspiel gegen Griechenland bei der Heim-EM vor zwölf Jahren. "Ich habe darauf so lange gewartet, seit 2004. Ich habe Gott um eine weitere Chance gebeten, weil ich glaube, dass die Portugiesen das verdienen."

Zehntausende Menschen feierten im krisengebeutelten Portugal auf den Straßen - "episch", titelte "Record". Und auch Coach Santos hofft darauf, dass die Selecção nun nach spanischem Vorbild eine Ära einleitet. "Wenn wir weiter so bescheiden auftreten, können wir große Dinge erreichen", sagte der 61-Jährige.

Passend zur Herz-Schmerz-Story prophezeite Ronaldo ausgerechnet dem Siegtorschützen Eder, dass er zum entscheidenden Mann für Portugal aufsteigen werde. "Er hat mir die Stärke und diese Energie gegeben - das war unerlässlich", berichtete der in Guinea-Bissau geborene Stürmer.

Ausgerechnet Ederzito Antonio Macedo Lopes, der in England verschmäht und bei der WM 2014 gescholten wurde. Der zuvor gerade einmal drei Tore für Portugal erzielt hatte, davon keines in einem Pflichtspiel. "Eder hat zu mir bei der Einwechslung gesagt: Trainer, ich werde treffen", berichtete Coach Santos. "Und das hässliche Entlein ist reingekommen und hat getroffen. Jetzt ist er ein wunderschöner Schwan."


Torschützenkönig: versteinerter Antoine Griezmann

Den Goldenen Schuh für den EM-Torschützenkönig mit sechs Treffern nahm Antoine Griezmann ohne irgendeine Regung entgegen. Nicht mal ein gequältes Lächeln. Und dann sollte er noch ein zweites Mal für den Fotografen posieren. Er machte es, anstandslos, wortlos. Dann verschwand Antoine Griezmann. Als einer der ersten der völlig niedergeschlagenen Franzosen passierte er die Mixed-Zone. Nur schnell weg nach dem zweiten verlorenen großen Finale binnen anderthalb Monaten.


17,68 Millionen sehen Portugals Sieg im EM-Finale

17,68 Millionen Menschen haben am Sonntag das Finale der Fußball-Europameisterschaft live in der ARD gesehen. Damit fand Portugals 1:0-Sieg nach Verlängerung gegen Gastgeber Frankreich am Sonntagabend deutlich weniger Resonanz als das Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich. Am Donnerstag hatten im Schnitt 29,8 Millionen Fans zugeschaut. Das letzte Spiel der deutschen Mannschaft bei der EM in Frankreich hatte 80,6 Prozent Marktanteil und war das meistgesehene EM-Spiel. Das Finale verbuchte einen Marktanteil von 60,1 Prozent.


EM-Einsätze: Ronaldo schraubt Rekordmarke auf 21 Spiele

Der Portugiese Cristiano Ronaldo hat mit seinem Einsatz im Finale gegen Frankreich am Sonntag in Saint-Denis die Rekordmarke auf insgesamt 21 EM-Endrundenspiele geschraubt. Bastian Schweinsteiger folgt in diesem Ranking mit 18 Spielen für mindestens vier Jahre auf Platz zwei vor Gianluigi Buffon aus Italien (17).


Alle Fußball-Europameister


1960 UdSSR
1964 Spanien
1968 Italien
1972 Deutschland
1976 CSSR
1980 Deutschland
1984 Frankreich
1988 Niederlande
1992 Dänemark
1996 Deutschland
2000 Frankreich
2004 Griechenland
2008 Spanien
2012 Spanien
2016 Portugal