Oslo
Haltbarkeitsdatum

"Mindestens haltbar bis" und nicht "Sofort tödlich ab" - zu viele Lebensmittel landen im Müll

Viel zu viele Lebensmittel landen jeden Tag im Müll - und dass obwohl sie eigentlich noch gut sind. Schuld ist auch das "Mindesthaltbarkeitsdatum".
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Viel zu viele Lebensmittel landen jeden Tag im Müll - und dass obwohl sie eigentlich noch gut sind. Schuld ist auch das "Mindesthaltbarkeitsdatum". Foto: Screenshot Twitter
Viel zu viele Lebensmittel landen jeden Tag im Müll - und dass obwohl sie eigentlich noch gut sind. Schuld ist auch das "Mindesthaltbarkeitsdatum". Foto: Screenshot Twitter
Jeden Tag wird weggeschmissen was das Zeug hält - pro Sekunde landen laut WWF-Studie "Das große Wegschmeißen" unnötigerweise 313 Kilo genießbare Lebensmittel im Müll. Schuld daran ist auch das - so häufig für Verwirrung stiftende - Label "Mindesthaltbarkeitsdatum".

Viel diskutiert wurde ja schon immer über das "MHD" von Lebensmitteln. Ist der Joghurt jetzt wirklich schlecht, nur weil sein Mindesthaltbarkeitsdatum gestern abgelaufen ist? Normalerweise nicht - und doch landet er bei so vielen Haushalten ungeöffnet in der Tonne.

Eigentlich könnte man ihn vorher aufmachen, daran riechen, ja sogar probieren. Und man würde wohl oft feststellen: Der schmeckt ja noch genauso wie immer. Mit dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums werden Nahrungsmittel nicht automatisch schlecht - sind meistens noch bedenkenlos essbar.


Norwegen als Vorbild?

Während es in Deutschland immer noch kein anderes System gibt, die Haltbarkeit von Nahrungsmitteln zu kennzeichnen, haben die Norweger gehandelt. Dort führen Firmen jetzt eine neue Haltbarkeitsanzeige ein.

"Mindestens haltbar bis, aber nicht schlecht nach" steht ab kommender Woche auf vielen Milchpackungen, Sahne, Saft und Joghurt der norwegischen Molkerei Tine, wie diese erst am Dienstag mitteilte. Auch die Q-Molkerei und der Ei-Händler Prior haben diese Form der Angaben bereits eingeführt. So soll den Verbrauchern besser bewusst gemacht werden, dass "mindestens haltbar bis" nicht bedeutet, dass man Produkte nach dem Ablauf direkt wegschmeißen muss.
Die Q-Molkerei hat in diesem Zusammenhang auch angegeben, dass fast jeder dritte Norweger bereits abgelaufene Milch weggeworfen hat, ohne zu prüfen, ob sie noch gut ist.

Ein Anstoß auch das Modell in Deutschland zu überdenken? Im vergangen Jahr hatte auch Bundesernährungsminister Christian Schmidt von der CSU ins Gespräch gebracht, zusätzlich zum Mindesthaltbarkeitsdatum ein "Verbrauchsverfallsdatum" anzugeben. Denn: Die meisten Produkte seien doch erheblich länger verwendbar als auf den Verpackungen stehe. Dazu sagte Schmidt bereits 2016 in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt: "Wir werfen massenweise gute Lebensmittel weg, weil die Hersteller zu große Sicherheitspuffer eingebaut wurden."


Viele Likes auf Twitter

Passend dazu hat in den vergangen Tagen auch ein Twitter-Beitrag die Diskussion um das "MHD" in Deutschland wieder entfacht. Der Tweet wurde fast dreitausend Mal geteilt und über siebentausend Mal geliket. Auf dem Foto des Beitrags: Ein Zettel, der in einem Geschäft aufgehängt wurde. Auf ihm steht "Es heißt 'Mindestens haltbar bis' und nicht 'Sofort tödlich ab'".



Kommentar

Auch in meinem direkten Umfeld spalten sich die Meinungen zum Verzehr von Produkten nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums; die einen probieren, die anderen schmeißen direkt weg. Anscheinend glauben viel zu viele, dass das "MHD" bedeutet, dass ein Produkt nach diesem Datum nicht mehr genießbar, sogar gesundheitsgefährdend ist. Und in der Realität sind das dann doch die wenigsten Lebensmittel.

Vielleicht sollten wir manchmal noch besser darüber nachdenken, was wir einkaufen und wie viel - denn die Zahlen, wie viele Lebensmittel allein in Deutschland unnötig weggeworfen werden sind erschreckend:18 Tonnen pro Jahr, das sind laut WWF-Studie ein Drittel des aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs überhaupt. Und noch einmal zur Wiederholung: 313 Kilo genießbare Lebensmittel pro Sekunde landen in der Tonne!
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