Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz kann am 1. August aller Voraussicht nach in dem meisten Regionen Deutschlands erfüllt werden. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) stellte am Donnerstag in Berlin Zahlen aus den Ländern zum aktuellen Stand des Kita-Ausbaus vor. Demnach werden zum kommenden Kita-Jahr 2013/14 rund 800.000 Plätze zur Verfügung stehen - 20.000 mehr als ursprünglich als Bedarf veranschlagt war. Eltern von unter Dreijährigen haben vom 1. August an ein Recht auf einen Betreuungsplatz für ihre Jüngsten.

"Auf Basis der Zahlen, die uns zur Verfügung stehen, dürfen wir fest davon ausgehen, dass zum Inkrafttreten des Rechtsanspruchs am 1. August zahlenmäßig nahezu ausreichend Kita-Plätze real in Betrieb sein werden", sagte Schröder. Ebenso wie die Kommunen erwarte sie daher keine Klagewelle. Sie lobte die Länder für die Anstrengungen beim Ausbau.
Derzeit stehen nach Angaben der Ministerin knapp 712.000 Plätze bereit, 90.000 befinden sich noch im Bau oder warten auf die Betriebserlaubnis. Hinzu kommen nach Schröders Angaben noch rund 11.000 Betreuungsplätze, die die Kommunen mithilfe eines vom Bund aufgelegten zinsgünstigen Kreditprogramms bei der KfW schaffen sollen.

Der Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren wurde 2007 von Bund, Ländern und Kommunen vereinbart. In der Folge wurde geschätzt, dass rund 39 Prozent der Eltern solch einen Platz in Anspruch nehmen wollen. Dies entspricht 780.000 Plätzen. Einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für ältere Kinder gibt es schon länger.

425.000 neue Plätze geschaffen

Nach Angaben des Deutschen Städte- und Gemeindebundes haben die Kommunen seit 2006 rund 425.000 Plätze geschaffen, um dem Rechtsanspruch gerecht zu werden. Mancherorts scheint der Ausbau dennoch nicht weit genug. Vor allem in einigen Groß- und Universitätsstädten, wo der Bedarf sehr groß ist, würden Lücken bleiben, sagte Städtetags-Präsident Ulrich Maly (SPD). Schröder rief die Länder dazu auf, die noch zur Verfügung stehenden Mittel des Bundes für den weiteren Ausbau abzurufen. Von den seit 2007 bereitgestellten Mitteln in Höhe von insgesamt 2,7 Milliarden Euro sind nach ihren Angaben noch 160 Millionen Euro übrig.

Der Präsident des Deutschen Landkreistages, Hans Jörg Duppré, sprach sich angesichts mancherorts noch fehlender Plätze für Übergangslösungen aus. So könnten Gruppen für eine Übergangszeit um ein oder zwei Kinder vergrößert werden oder beispielsweise Zweieinhalbjährige, deren Entwicklung das zulasse, früher in eine Kindergartengruppe wechseln, schlug er vor.

20.000 Erzieher fehlen

Opposition und Verbände schlagen unterdessen wegen befürchteter Qualitätsmängel Alarm. Es fehlten 20.000 Erzieherinnen und Erzieher, sagte die Grünen-Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt, am Donnerstag. Die AWO schätzte den Bedarf kürzlich sogar auf 30.000. Deren Bundesvorsitzender Wolfgang Stadler sagte, unter der Erfüllung des Rechtsanspruchs leide die Qualität der Betreuung: "Ein schlechter Kita-Platz ist keinesfalls besser als gar keiner."

Bei der Beurteilung der Qualität wird in der Regel der Betreuungsschlüssel herangezogen, der aussagt, wie viele Kinder eine Erzieherin zu betreuen hat. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung betreut ein Erzieher in ostdeutschen Krippen im Durchschnitt sechs Ganztagskinder, im Westen 3,7. Der von der Stiftung empfohlene Schlüssel liegt bei eins zu drei.

Nach aktuellen Zahlen Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Kleinkinder unter drei Jahren, die in Kindertageseinrichtungen betreut werden, gegenüber dem Vorjahr bundesweit um 6,6 Prozent gestiegen. Am 1. März wurden rund 597.000 Kinder unter drei Jahren in einer Kita oder in öffentlich geförderter Kindertagespflege betreut. Die Daten betrachten allerdings nur die tatsächliche Betreuungssituation und geben keine Auskunft darüber, wie viele Plätze verfügbar sind. epd