Am ersten Weihnachtsfeiertag müssen dafür etwa 54 000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Die Stadt hat ein Sperrgebiet von rund eineinhalb Kilometern um den Fundort der tonnenschweren Fliegerbombe festgelegt. In diesem Gebiet gibt es 32 000 Haushalte, große Teile des Augsburger Zentrums sind betroffen. "Wir haben ein sehr großes Evakuierungsgebiet", sagte Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) am Donnerstag. "Es ist die größte Evakuierung, die uns bekannt ist." Nach derzeitigen Schätzungen werden am Sonntag 2000 bis 2500 Einsatzkräfte aus dem ganzen Freistaat deswegen in Bayerns drittgrößter Stadt im Einsatz sein.

Die bislang größte Evakuierungsaktion in Deutschland wegen einer Fliegerbombe fand im Jahr 2011 in Koblenz statt, dort waren 45 000 Einwohner betroffen. Eine weitere große Aktion gab es im Jahr 2015 in Köln. Dort wurden 20 000 Menschen in Sicherheit gebracht, um einen Blindgänger zu entschärfen.

Der Kampfmittelräumdienst korrigierte am Donnerstag das Gewicht der Bombe deutlich nach unten. Die Experten gehen nun von 1,8 Tonnen aus, am Mittwoch war noch von 3,8 Tonnen die Rede gewesen. Dies habe aber keine Auswirkungen auf die Sprengkraft, teilte die Stadt mit. An den ursprünglichen Evakuierungsplänen werde deshalb festgehalten.

In Augsburg müssen die Menschen am Sonntag bis 10.00 Uhr ihre Wohnungen verlassen haben. Die Polizei wird dann kontrollieren, dass wirklich niemand mehr in dem Gebiet ist. Danach beginnt die Entschärfung, die schätzungsweise etwa fünf Stunden dauert. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass es bis in die Abendstunden oder bis zum nächsten Tag geht", sagte Gribl.

Für die Betroffenen stehen mehrere Notunterkünfte bereit. Die Stadt geht aber davon aus, dass die meisten Bewohner bei der Familie oder Freunden unterkommen. "Eine zentrale Unterbringung von so vielen Menschen ist schlichtweg unmöglich", meinte Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD).

OB Gribl warb nochmals für Verständnis, dass die Aktion an Weihnachten stattfindet. Damit keine Geschäfte und Büros schließen müssen und nicht der gesamte Berufsverkehr umgeleitet werden muss, könne ein so großer Einsatz nur an einem Sonn- oder Feiertag stattfinden. "An einem normalen Werktag ist das nicht gewährleistet." Zudem dürfe die Entschärfung der am Dienstag bei Bauarbeiten entdeckten britischen Fliegerbombe nach Ansicht des Kampfmittelräumdienstes nicht noch länger nach hinten geschoben werden.

In und um Augsburg werden immer wieder nicht gezündete Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Die Alliieren hatten die Stadt mehrfach bombardiert. Bei den schlimmsten Angriffen durch US-amerikanische und britische Bomber wurden am 25. und 26. Februar 1944 große Teile der Stadt zerstört. Etwa 730 Augsburger starben damals, mehr als 1300 Bewohner wurden verletzt. Die Region war mit den Messerschmitt-Flugzeugwerken auch ein bedeutender Rüstungsstandort der Nazis.