Die evangelische Reformations-Botschafterin Margot Käßmann zeigt sich bestürzt über das Ausmaß der NSA-Spähaffäre und den Lauschangriff auf das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Mich hat das sehr erschrocken. Es gibt Grenzen. Schnüffeln in der Privatsphäre ist unerträglich", sagte die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) der "Passauer Neuen Presse". Privat sei privat, und das müsse auch so bleiben.

Es gehe um Freiheit, sagte Käßmann in dem Interview zum Reformationstag (31. Oktober): "Ich will frei telefonieren können, ohne ständig fürchten zu müssen, abgehört zu werden. Und natürlich möchte das Frau Merkel auch." Die Theologin erklärte, das achte Gebot "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider Deinen Nächsten" bedeute, niemanden zu betrügen, zu belauschen oder zu belügen.
"Wenn Sie so wollen: Die Zehn Gebote verbieten Spionage. Andere Ausschnüffeln und Bloßstellen ist unchristlich."

Die mutmaßliche Überwachung von Merkels Mobiltelefon durch den US-amerikanischen Geheimdienst NSA hat in Deutschland in den vergangenen Tagen Empörung ausgelöst und das deutsch-amerikanische Verhältnis belastet. Die USA kündigten inzwischen an, ihre Geheimdienstprogramme überprüfen zu wollen. Der Verdacht geht auf Enthüllungen des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden zurück, der vorläufig in Moskau Asyl gefunden hat.

Käßmann erinnert als Reformationsbotschafterin an die umwälzenden Erneuerungen durch Martin Luther im 16. Jahrhundert. Der legendäre Anschlag seiner 95 Thesen an das Tor der Wittenberger Schlosskirche im Jahr 1517 gilt als Beginn der Reformation und der Entstehung des Protestantismus. Im Jahr 2017 feiert die evangelische Kirche das 500. Reformationsjubiläum. dpa