Korbach
Verseuchte Wurst

Listerien-Keime in Wurst: Ermittler nehmen weitere Todesfälle bei Wilke unter die Lupe

Nach dem Listerien-Fund bei Wilke Wurstwaren beschäftigen sich die Ermittler nun mit den Krankheits- und Todesfällen. 37 Menschen sind erkrankt. Und auch weitere Menschen sind gestorben. Ob die in Zusammenhang mit den Listerien stehen, ist bislang nicht absehbar.
Artikel drucken Artikel einbetten
Heruntergelassen sind die Rolltore des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Wie nun bekannt wurde, ist Wilke-Wurst auch in Fertiggerichten anderer Hersteller verarbeitet worden. Foto: Uwe Zucchi/dpa
Heruntergelassen sind die Rolltore des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Wie nun bekannt wurde, ist Wilke-Wurst auch in Fertiggerichten anderer Hersteller verarbeitet worden. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Update, 08.11.2019: 37 Krankheitsfälle werden beleuchtet

Im Fleischskandal um die Firma Wilke nehmen Ermittler nun die bisher bekannten Krankheits- und Todesfälle unter die Lupe. Sie untersuchen, ob sich eine Verbindung mit den Listerienkeimen beweisen lässt und wie sie strafrechtlich zu bewerten ist. "Ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen der Infektion und dem Ableben besteht und welche Krankheitssymptome die Infizierten durch die Listeriose erlitten haben, wird nunmehr ermittelt", sagte Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Kassel.

Laut Thöne hatte das Robert-Koch-Institut eine anonymisierte Liste der bislang bekannt gewordenen Erkrankungsfällen übermittelt. Darauf verzeichnet seien Fälle mit dem Keimstamm "Sigma 1", der in direkten Zusammenhang mit Produkten der Firma Wilke gebracht werde.

Die Liste entspricht den 37 Fällen, auf die sich auch hessische Gesundheitsbehörden immer wieder bezogen. "Aus dem Kreise dieser 37 Personen wurden drei Verstorbene benannt, deren Tod möglicherweise auf eine Listeriose zurückzuführen ist", sagte Thöne.

Allerdings gab es unter diesen 37 Krankheitsfällen mittlerweile neue Tote: 22 weitere sind verstorben. "Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass eine Listerieninfektion für den Tod dieser Personen ursächlich war, liegen gegenwärtig nicht vor", sagt Thöne. Damit gibt es nun insgesamt 25 Todesfälle - aber nach wie vor nur drei, bei denen die Infektion Todesursache sein soll.

Dennoch würden auch die neuen Todesfälle auf eine bestehende Krankheitssystematik und einen ursächlichen Zusammenhang hin überprüft. Allerdings hätten die Verstorbenen teilweise bereits ein sehr hohes Lebensalter und teilweise massive andere Erkrankungen gehabt.

Die Strafverfolger prüfen zudem die drei bisher bekannten Todesfälle, bei denen man von einer Listerieninfektion als Ursache ausgeht. Denn der letzte Beweis fehlt auch hier. "Ob dies tatsächlich der Fall ist, das heißt, ob ein Kausalzusammenhang zwischen einer Listerieninfektion und dem Ableben in diesen drei Fällen besteht, wird gegenwärtig genauer Prüfung unterzogen und kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigt werden", sagte Thöne.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte zu den Ermittlungen: "Die Tatsache aber, dass es bereits bestätigte Todesfälle in diesem Zusammenhang gibt, und es sogar noch weitere sein könnten, ist sehr tragisch und macht sehr betroffen." Die Bundesländer seien aufgefordert, ausreichend qualifiziertes Personal für effektive Vor-Ort-Kontrollen in Lebensmittel-Betrieben bereitzustellen. Aktuell sei das augenscheinlich nicht der Fall.

Die potenziell mit Keimen belasteten Waren des nordhessischen Wurstherstellers Wilke sind auch in Fertiggerichten anderer Hersteller verarbeitet worden.

Belastete Wilke-Wurst auch in anderen Fertiggerichten

Das geht aus einer Antwort des hessischen Verbraucherschutzministeriums auf Fragen der Organisation Foodwatch hervor. Nach derzeit vorliegenden Informationen seien aber auch diese Produkte durch den Rückruf der Wilke-Waren erreicht worden, sagte eine Ministeriumssprecherin am Sonntag. Zuvor hatte die "Bild am Sonntag" darüber berichtet.

In Wilke-Wurst waren wiederholt Listerien-Keime gefunden worden. Diese können bei einem geschwächten Immunsystem lebensgefährlich sein. Drei Todes- und 37 Krankheitsfälle werden mit Waren des Unternehmens in Twistetal-Berndorf in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer. Nach der Schließung des Unternehmens Anfang Oktober waren alle Waren zurückgerufen worden. Damals hatte der zuständige Landkreis zunächst erklärt, andere Marken seien nicht betroffen.

Welche Hersteller sind betroffen? Ministerium bliebt Antwort schuldig - Foodwatch-Kritik

Welche Hersteller von Fertigprodukten nun doch betroffen sind, teilte das Ministerium am Sonntag nicht mit. Foodwatch kritisierte das Krisenmanagement: "Hessens Behörden müssen endlich alle bekannten Namen von betroffenen Herstellern, Marken, Produkten und Verkaufsstellen nennen. Es wird gemauert und vertuscht", sagte Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation, der "Bild am Sonntag".

Man müsse davon ausgehen, dass in Haushalten und Supermärkten noch Fertiggerichte lagerten, in denen Wilke-Ware verarbeitet worden sei.