Limburg an der Lahn
Zwischenfall

Limburg: Mit Lkw Autos gerammt - Haftbefehl gegen Täter

Im hessischen Limburg hat ein Mann am Montagabend mit einem gestohlenen Lastwagen mehrere Fahrzeuge gerammt. Nach einer Wohnungsdurchsuchung wurde gegen den Täter jetzt Haftbefehl erlassen.
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Mit einem gestohlenen schweren Lastwagen ist ein Mann am Montagabend (7. Oktober 2019)  in der Innenstadt von Limburg auf mehrere Autos aufgefahren und hat 9 Menschen verletzt.  Foto: Thorsten Wagner/dpa
Mit einem gestohlenen schweren Lastwagen ist ein Mann am Montagabend (7. Oktober 2019) in der Innenstadt von Limburg auf mehrere Autos aufgefahren und hat 9 Menschen verletzt. Foto: Thorsten Wagner/dpa
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Anschlag oder Unfall in Limburg: Mit einem gestohlenen schweren Lastwagen ist ein Mann am Montagabend (7. Oktober 2019) in der Innenstadt von Limburg auf mehrere Autos aufgefahren und hat 9 Menschen verletzt. Dies teilte die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Dienstagmorgen mit. In früheren Meldungen war von 17 Verletzten die Rede gewesen.

Update 20.50 Uhr: Haftbefehl gegen den Täter erlassen

Gegen den Mann, der in Limburg mit einem gestohlenen Lastwagen auf acht Autos aufgefahren sein soll, ist am Dienstag Haftbefehl erlassen worden. Die Tatvorwürfe lauten versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Abend.

Der 32-jährige Syrer sitzt nun in Untersuchungshaft. Zuvor war der Mann dem Ermittlungsrichter vorgeführt worden. Der 32-Jährige soll am späten Montagnachmittag in der Limburger Innenstadt mit einem gestohlenen Sattelzug auf acht Autos aufgefahren sein. Der Lkw hatte die Wagen ineinander geschoben. Dabei wurden laut Polizei neun Menschen leicht verletzt, darunter auch der Fahrer des Lastwagens.

Update 11.15 Uhr: Wohnung in Langen durchsucht

Nach dem Zwischenfall mit einem Lastwagen in Limburg ist in der Nacht zum Dienstag eine Wohnung im südhessischen Langen durchsucht worden. Die Maßnahme stehe im Zusammenhang mit den Geschehnissen in Limburg, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag in Offenbach. Weitere Details nannte sie nicht. Zuvor hatte die "Offenbach-Post" darüber berichtet.

Update 10.11 Uhr: Identität des Täters bekannt - Motiv noch unklar

Bei dem am Montagabend festgenommenen Mann handelt es sich um einen 1987 geborenen Syrer, der sich seit 2015 in Deutschland aufhält und 2016 einen subsidiären, also eingeschränkten Schutzstatus erhalten hat. Das Motiv des Täters ist dabei weiter unklar.

Es sei noch zu früh für Wasserstandsmeldungen, sagte Alexander Badle von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Vormittag. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittele in dem Fall - und zwar in alle Richtungen. Weitere Informationen würden voraussichtlich im Verlauf des Tages bekanntgegeben. Mehrere Medien hatten zuvor mit Verweis auf Sicherheitsbehörden gemeldet, dass die Tat als Terrorakt eingestuft worden sei.

Der Festgenommene hatte nach Erkenntnissen der Behörden keine Kontakte zu militanten Salafisten oder anderen Extremisten. Der 1987 geborene Syrer soll bisher noch keine Aussage gemacht haben. Für ein terroristisches Motiv gebe es bislang noch keine Hinweise, es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, hieß es.

Die Bundesanwaltschaft sieht den Lkw-Zwischenfall von Limburg zum jetzigen Zeitpunkt nicht in ihrer Zuständigkeit. Das sagte ein Sprecher der Karlsruher Behörde am Dienstag auf Anfrage. Man habe das Geschehen aber im Blick und stehe in engem Kontakt mit den hessischen Strafverfolgungsbehörden. Nähere Angaben machte er nicht. Die Bundesanwaltschaft ist für Ermittlungen bei Terrorverdacht zuständig.

Lkw-Zwischenfall in Limburg: Weniger Verletzte als zunächst angenommen

Demnach hat die Polizei nach dem Zwischenfall mit einem Lastwagen in Limburg frühere Angaben zur Zahl der Verletzten korrigiert. So seien neun Menschen leicht verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher in Wiesbaden am Morgen. Sieben Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, einer sei ambulant versorgt worden. Und auch der Fahrer sei leicht verletzt worden. Zuvor hieß es, es habe 17 Verletzte gegeben.

Der Sprecher wies zudem ausdrücklich darauf hin, dass kursierende Meldungen von Toten oder Schwerverletzten nicht der Wahrheit entsprächen.An einer Kreuzung im mittelhessischen Limburg hatte ein Mann am späten Montagnachmittag mit einem gestohlenen Lastwagen mehrere Fahrzeuge gerammt. Er wurde festgenommen. Nähere Angaben zu dem Fahrer machte die Polizei am Morgen zunächst nicht. Auch ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handelte, war noch unklar. Am frühen Morgen schlossen die Ermittler die Spurensicherung vor Ort ab.

Lkw gestohlen und in acht Autos gekracht

Der Diebstahl passierte laut Polizei in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes. Der Mann am Steuer des Lkw wurde festgenommen, auch er trug bei der Kollision an einer Ampelkreuzung Verletzungen davon. Die Polizei ermittelte in alle Richtungen und warnte vor Spekulationen.

Eine Person sei "sehr schwer verletzt und in kritischem Zustand", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) am Abend. Zur Frage von Medienvertretern, ob es sich um einen terroristischen Anschlag handeln könnte, sagte der LKA-Sprecher: "Wenn solche Ereignisse passieren, dann ist es Aufgabe der Polizei, natürlich in sämtliche Richtungen alle Möglichkeiten im Blick zu haben. Genau das machen wir. Und wir schließen momentan überhaupt nichts aus."

Am Tatort gegenüber dem Landgericht der hessischen Kreisstadt stehen am Abend mehrere Autos quer. Trümmerteile liegen auf der Straße. Mittendrin steht ein weißer Sattelzug mit zerbeulter Front. Ermittler in Schutzanzügen untersuchen das Führerhaus.

Der Lastwagen krachte demnach gegen 17.20 Uhr in acht Fahrzeuge und schob diese zusammen. Mehrere Menschen seien in Autos eingeklemmt, so die Polizei. Wenige Meter entfernt ist eine Ampelkreuzung, an der sich häufig die Autos stauen. Von hier ist es nicht weit zu den Auffahrten der Autobahn 3 oder auf die Bundesstraße 49 nach Gießen.Die Ermittler gehen nach ihren bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass der Fahrer des Lastwagens diesen gestohlen hat - in unmittelbarer Nähe des Unfallortes auf der Hauptverkehrsstraße. Details dazu wurden zunächst nicht genannt.

Ob er die Autos vor ihm mit Absicht gerammt hat, auch dazu machte die Polizei zunächst keine Angaben. "Die Hintergründe, die Veranlassung, das ist alles Gegenstand der Ermittlungen", sagte LKA-Sprecher Sabais. Mit Details zu dem Fahrer hielt sich die Polizei ebenfalls aus "ermittlungstaktischen Gründen" zurück.

Aus dem Lkw gezerrt

Die "Frankfurter Neue Presse" ("FNP") zitierte den rechtmäßigen Fahrer des Lasters: "Mich hat ein Mann aus meinem Lkw gezerrt." Der "FNP" zufolge soll der Mann, der bei der Kollision am Steuer saß, von mehreren Passanten erstversorgt worden sein. "Dabei soll der Fahrer laut den Passanten mehrmals "Allah" gesagt haben", wie ein "FNP"-Reporter berichtete. Dazu machte die Polizei ebenfalls keine Angaben und verwies darauf, dass alle Hinweise und Zeugenaussagen geprüft würden.

Bei dem Logistikdienstleister bei Mannheim, dessen Name auf dem Sattelzug steht, sagte ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes auf Anfrage, für Auskünfte sei am späten Abend niemand mehr im Haus.

Polizei warnt vor Spekulationen

Die Polizei warnte wiederholt vor Spekulationen über den Hintergrund des Vorfalls. "Wir geben heraus, was gesichert ist und nicht, was jemand gehört haben will", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen. Ermittler seien vor Ort, unter anderem sei ein Hubschrauber im Einsatz. "Es geht um Übersichtsaufnahmen und eine saubere Ermittlungsarbeit."

Der Sprecher widersprach Spekulationen, es herrsche eine "Nachrichtensperre" der Behörden. "Gesicherte Erkenntnisse geben wir heraus." Dass der Fahrer festgenommen worden sei, bezeichnete er als normal. "Bei jedem Unfall mit so vielen Verletzten fährt ein Fahrer danach nicht einfach davon." Auf Twitter schrieb die Polizei Westhessen: "Trolle oder wilde Spekulationen braucht niemand." Zudem rief sie Zeugen dazu auf, sich zu melden, wenn sie etwas gesehen haben, Videos oder Bilder haben, die mit den Geschehnissen im Zusammenhang stehen.

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