Bamberg
Telefonaktion

Leser fragen, Experten antworten: Alles zum Thema Schul- und Alternativmedizin

Unsere Leser haben ein enormes Interesse am Thema Komplementärmedizin. Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten unserer Telefonaktion.
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In der Komplementärmedizin werden auch Blutegel eingesetzt. Bisschen unheimlich, aber hilfreich gegen Venenerkrankungen im Beinbereich oder Arthrosen.  Foto: Fotolia/Archiv
In der Komplementärmedizin werden auch Blutegel eingesetzt. Bisschen unheimlich, aber hilfreich gegen Venenerkrankungen im Beinbereich oder Arthrosen. Foto: Fotolia/Archiv
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Das Thema Naturheilkunde beschäftigt viele Menschen, die Alternativen zur konventionellen Medizin suchen. Das zeigte sich bei der jüngsten Telefonaktion dieser Zeitung: Pausenlos standen unsere Experten Rede und Antwort.

Wir hatten zwei Mediziner der neuen Abteilung für integrative Medizin und Naturheilkunde am Klinikum Bamberg eingeladen, um unseren Lesern Infos aus erster Hand zu ermöglichen. Ansprechpartner war Chefarzt Jost Langhorst, als Gastroenterologe in der Focus-Ärzteliste als "Top-Mediziner" geführt. Er bringt aus Essen einen Lehrstuhl für integrative Medizin mit, der an einer bayerischen Uni angesiedelt werden soll. "Dort wollen wir naturheilkundliche Methoden konsequent beforschen und bearbeiten, damit sie als bewiesene Therapien in Leitlinien und als medizinische Standards aufgenommen werden", erklärt Langhorst.

Auch die zweite Expertin unserer Telefonaktion ist vom Fach: Stephanie Geidies ist Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie und hat die Zusatzbezeichnung Naturheilkunde. Diese Kompetenzen bringt sie in der neuen Klinik ein, die mit ihrer Verbindung aus schul- und naturheilkundlichen Ansätzen erst die dritte ihrer Art in Deutschland.

Langhorst und Geidies bestätigten nach der Telefonaktion, was ihnen in ihrer täglichen Praxis begegnet: Viele Menschen setzen Hoffnungen in die Kombination aus konventioneller Medizin und fundierter Naturheilkunde. Die Ärzte sind überzeugt davon, dass die Verbindung der Disziplinen den Gesundheitszustand der Patienten langfristig und nachhaltig verbessern kann. Dabei helfen Wasser-, Wärme-, gymnastische oder Ernährungstherapien ebenso wie Akupunktur, Schröpfmassagen und Blutegel.

Ob in der Klinik, bei niedergelassenen Ärzten mit Zusatzqualifikation in Naturheilkunde oder bei Heilpraktikern: Betroffene suchen nach einer Lösung für ihre gesundheitlichen Probleme und nehmen Vorschläge dankbar an. So wie bei unserer Telefonaktion, die eine Beratung außerhalb der Zwänge in Klinik und Praxis ermöglichte. Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Fragen und Antworten zusammen.

Ich bin 63 Jahre alt und wurde nach einer Darm-OP medikamentös gut eingestellt. Was kann ich sonst noch für mich tun?

Bei Darmerkrankungen spielt immer die Ernährung eine wichtige Rolle. Wir empfehlen eine pflanzenbasierte Vollwertkost und pflanzliche Medikamente. Bei chronischen Darmerkrankungen oder Reizdarm sind auch Entspannungsverfahren eine gute Hilfe. Man muss sie aber auch anwenden und beibehalten, wenn man sie zum Beispiel bei einer Reha gelernt hat.

Ich leide seit Jahren unter Fibromyalgie und habe schon alle konventionellen Therapien durch. Was bietet hier die Naturheilmedizin?

Eine positive Wirkung hat zum Beispiel das Heilfasten. Auch die Hyperthermie, eine Methode zur Überwärmung des Körpers, ist eine Alternative. Grundsätzlich ist es wichtig, von passiven Anwendungen wegzukommen und stattdessen selbst Übungen zu machen. Patienten mit Fibromyalgie sollten sich moderat und viel an der frischen Luft bewegen.

Ich habe starke Schmerzen in den Gelenken und schon einiges erfolglos ausprobiert. Haben Sie einen Rat für mich?

Wenn bestimmte Gelenke schmerzen oder Patienten an Arthrose leiden, können Blutegel helfen. Sie werden nach einer ganz alten Tradition angesetzt, beißen zu, saugen sich voll und fallen dann ab. Der Blutegelspeichel enthält Stoffe, die Entzündungen hemmen und die Durchblutung fördern. Außerdem verändern sie die Flusseigenschaften des Blutes. Die ausleitende Wirkung hilft bei Schmerzen und Venenerkrankungen.

Ich habe gehört, dass man Blutegel in der Apotheke kaufen kann. Kann ich sie auch selbst ansetzen?

Davon raten wir ab. Mit dem Ansetzen eines Blutegels entsteht eine Wunde. Das blutet nach und kann auch allergische Reaktionen nach sich ziehen. Die Therapie kann nur ein Fachmann durchführen.

Werden die Blutegel mehrfach verwendet?

Nein. Sie werden nur einmal angesetzt. Es gibt auch klare gesetzliche Vorgaben für die anschließende Verwendung. Die gebrauchten Blutegel werden an den Hersteller zurückgeschickt. Dort fristen sie ihr Rentnerdasein.

Ich habe Rheuma und immer wieder Schmerzen. Gibt es alternative Behandlungsmethoden?

Auch hier empfehlen wir eine Kombination aus mehreren Verfahren. Bei Rheuma können pflanzliche Medikamente helfen, Akupunktur und Bewegung. Wichtig ist auch eine antientzündliche Vollwerternährung mit Substanzen wie Omega-3-Fettsäuren.

Ich habe einen Bandscheibenvorfall und Schwierigkeiten mit der Blase sowie Lähmungserscheinungen im Bein. Eigentlich möchte ich mich nicht operieren lassen. Was raten Sie?

Die von Ihnen genannten Auswirkungen sind klassische OP-Indikationen. Sprechen Sie nochmals mit einem Orthopäden.

Ich leide an Hämmorhoiden. Gibt es da Medikamente aus der Naturheilkunde?

Nein. Hämmorhoiden kann man nur konventionell behandeln.

Ich habe gerade eine Krebstherapie hinter mir. Kann ich mir mit Naturheilkunde noch etwas Gutes tun?

Wir arbeiten integrativ und haben ein Füllhorn an Möglichkeiten. Aber bei Krebs stehen konventionelle Methoden im Vordergrund. Komplementäre Verfahren können jedoch dabei helfen, die Nebenwirkungen der Krebstherapien zu lindern.

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