Franken
Landtagswahl 2018

Landtagswahl: YouTube, Facebook, Instagram - Wie sprechen die Parteien junge Wähler an?

Die bayerische Landtagswahl steht vor der Tür: Die Parteien buhlen um die Gunst der Wähler. Um eine bestimmte Gruppe zu erreichen, wurden besondere Strategien entwickelt.
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Am 14. Oktober 2018 wird in Bayern gewählt. Symbolbild: Arne Dedert/dpa
Am 14. Oktober 2018 wird in Bayern gewählt. Symbolbild: Arne Dedert/dpa

Lautstark schallen die Klänge der Indie-Rockband "The Governors" durch den Aschaffenburger Colos-Saal. Der Musikclub ist prall gefüllt mit jungen Leuten, die tanzen und es sich gut gehen lassen. Nach dem Auftritt der Band gehen sie aber nicht etwa nach Hause oder ziehen in die nächste Kneipe. Stattdessen beschäftigen sie sich mit Politik und diskutieren mit sechs Direktkandidaten aus der Region über die Landtagswahl in Bayern am 14. Oktober.

Welche Partei steht für welche Forderungen? Wie gehen die Politiker mit den Hoffnungen der jungen Leute um? Wie setzen sie sich für bessere Bildung, Nahverkehr, schnelleres Internet und gelungene Integration von Flüchtlingen ein? Die Politparty ist Teil der Kampagne "Wählen gehen" des Aschaffenburger Stadtjugendrings.

Landtagswahl 2018: Kampagne setzt auf soziale Medien für Jungwähler

Sie richtet sich an Erstwähler und Leute bis 30 Jahre. Zur Bundestagswahl 2017 ins Leben gerufen wollte der Stadtjugendring damit die Wahlbeteiligung der Unter-28-Jährigen in Aschaffenburg deutlich steigern. Am Ende gingen tatsächlich 79,1 Prozent der Wahlberechtigten aus der Region wählen. 7,8 Prozent mehr als bei der Wahl 2013. "Es lässt sich nicht ermitteln, wie unsere Kampagne sich konkret ausgewirkt hat, aber wir gehen selbstbewusst davon aus, dass wir zur Erhöhung der Wahlbeteiligung beigetragen haben", sagt Andrea Hefter vom Stadtjugendring. Die 43-Jährige ist Koordinatorin für Partizipation, Inklusion und interkulturelle Arbeit.

Plakate, Videos, Schulbesuche, Facebook und eben die Politparty, auf der auch der Aschaffenburger Kabarettist Urban Priol mit flotten Sprüchen zum Wählen animierten sollte. Das sind die Bausteine der Kampagne, die junge Aschaffenburger zur Wahlurne bringen sollen. "Mehr als ein Dutzend ehrenamtliche 20- bis 28-Jährige haben das erarbeitet und wir haben bei der Umsetzung geholfen", sagt Diplom-Sozialpädagogin Hefter. "Alle wilden Gedanken waren erlaubt." Das Wichtigste sei gewesen, dass auf den verschiedensten Wegen möglichst viele direkte Gespräche der Jugendlichen untereinander zustande kommen konnten. Denn die wirkten am nachhaltigsten.

Nach dem ersten Aufschlag zur Bundestagswahl mit eher witzigen Videos und Plakaten hätten die Ehrenamtlichen dabei heuer eher auf Vernunft und Ernsthaftigkeit gesetzt. "Sie wollten den jungen und auch den älteren Wählern zeigen: "Es geht um unsere Zukunft, um stabile politische Verhältnisse", sagt Hefter. Und so schaut auf einem Plakat eine junge Schwangere auf ihren Bauch, ein Großvater hält seine Enkelin im Arm und Freunde lachen gemeinsam. Alle halten dabei ein Schild in den Händen: "Ich geh für dich wählen".

Lesen Sie hier: Die neuesten Umfragewerte der Parteien vor der Landtagswahl in Bayern

Bayernweit sind solche Projekte auf die Beine gestellt worden. Das beginnt bei der landesweiten U18-Wahl, bei der mehr als 60.000 Kinder und Jugendliche abgestimmt haben - und die CSU auf 24,2 Prozent, die Grünen auf 23,3 Prozent und die SPD auf 11,3 Prozent gekommen sind. Das geht weiter über YouTube-Kanäle wie in Augsburg, wo Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene per Video Fragen an Landespolitiker schicken und die ebenfalls auf der Videoplattform antworten. Sie alle haben gemeinsam, dass sie die jungen Leute zu Wählern machen wollen.

"Es ist enorm wichtig, bereits bei den Jugendlichen das Verständnis und Interesse an der Demokratie zu wecken. Sie sind die Wähler von morgen und ohne ihre Beteiligung kann eine Demokratie nicht funktionieren", sagt Maria Bäuml von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit dazu. Es gehe darum, den jungen Leuten die Relevanz ihrer Stimme deutlich zu machen. "Es ist eben nicht egal, was in Brüssel, Berlin oder München entschieden wird, sondern gestaltet unsere Lebensbedingungen mit."

Nach Zahlen des Landesamts für Statistik waren zur Landtagswahl 1970 noch mehr als zwei Drittel der 18- bis 25-Jährigen wählen gegangen. 2013 war es nur noch gut die Hälfte dieser Altersgruppe.

Hefter wie Bäuml haben in den vergangenen Jahren aber festgestellt, dass Jugendliche wieder mehr Interesse an Politik haben. "Die Jugend von heute ist überhaupt nicht politikverdrossen!" Im Gegenteil, so Hefter. Unter anderem die Verrohung der Sprache in der Politik führe dazu, dass sie aufstünden und sich engagierten, ist Hefters Fazit nach der Party und den vielen Rückmeldungen.

Dabei würden sich die jungen Leute aber eben andere und nicht die traditionellen Wege suchen. Sie treten eher nicht in eine Partei ein, sondern "boykottieren Waren, nehmen an Demonstrationen teil, unterzeichnen Online-Petitionen oder verbreiten politische Inhalte im Internet", so Bäuml von der Landeszentrale.

Die Jugendlichen im Colos-Saal haben die Chance genutzt, sich informiert und eingebracht. Ein junger Mann zieht am Ende des Abends gegenüber dem Stadtjugendring-Radio für sich ein klares Fazit: "Der Abend war sehr lustig und mit Urban Priol natürlich wie immer auch mit guter Laune verbunden. Die Kandidaten haben sich sehr gut geschlagen. Und was an diesem Abend sehr gut rüber kam: Junge Leute müssen wählen gehen, um ihr Land in Zukunft gestalten zu können."