Winnetou und Shatterhand, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar sind zumindest älteren Semestern noch bekannt. Bernhard Schmid, Chef des Karl-May-Verlags, sagt: 90 Prozent der Deutschen. Aber die Liebenden Hermann und Pauline, der Wilderer Samiel, der "Falkenmeister" Henning von Wedel?

Das sind Gestalten, die nur ausgesprochenen May-Spezialisten etwas sagen oder Freaks, die sich durch alle mittlerweile über 90 Bände der "Gesammelten Werke" gefressen haben. Denn vor den klassischen Reiseerzählungen kamen die Kolportageromane, und vor diesen kamen die "Erzgebirgischen Dorfgeschichten". Aus diesem Fundus hat Rainer Lewandowski geschöpft, der vor Jahren schon "Deutsche Herzen, deutsche Helden" auf die Bühne gewuchtet hatte. Nun hat er die Erzählung "Der Samiel" und eine Nebenhandlung aus "Der beiden Quitzows letzte Fahrten" amalgamiert zum diesjährigen Calderón-Stück, das unter dem Titel "Von Zeit zu Zeit" am Freitag, 29.
Juni, in der Alten Hofhaltung in der Inszenierung von Georg Mittendrein uraufgeführt wird.

Der Titel ist nicht zufällig gewählt: Denn wenn auch die Einheit des Ortes gewahrt bleibt, so doch nicht die der Zeit. "Der Falkenmeister" aus dem Quitzow-Ritterroman spielt um 1410, der "Samiel" um 1810. Erzählt wird in beiden Fällen die Geschichte eines Liebespaars, das sich über Moralvorstellungen hinwegsetzen muss, um zueinander zu finden. Wilderer und Wald, Burg und Brunhilde, schaurig-schöne Ingredienzen von Groschenromanen, wie Regisseur Mittendrein sagt. Aber es seien in diesen frühen Arbeiten Mays, der nach seiner Haftentlassung buchstäblich um sein Leben schrieb, die späteren Gestalten bereits in nuce angelegt: der edle Shatterhand, Sam Hawkins als trivialisierte Sonderlingsfigur aus dem realistischen Roman des 19. Jahrhunderts.

Hin- und hergesprungen wird zwischen den Zeitebenen, kündigt Dramaturgin Ulrike Kitta an. Als besonderen Clou hat Lewandowski in seine Bühnenfassung der Prosa-Geschichten die Figur Karl May selbst eingefügt, gespielt von Gerald Leiß. Der gewährt Einblicke in seine Dichterstube ... In weiteren Rollen sind u. a. Volker J. Ringe als Förster Kuno, Felix Pielmeier als Hermann, Ulrike Schlegel als Förstertochter Pauline, Eckhart Simon als Ritter Simon und Sybille Kreß als Brunhilde zu sehen.

Für die Wilderer-Geschichte "Samiel" sind echte Bäume in die Hofhaltung geschaffen worden, eine Burg gehört zum Ritterroman naturgemäß dazu, und neben Statisterie wirken auch zwei Pferde mit. Die wahre Herausforderung bestand darin, die Zeitebenen anhand der Kostüme zu verdeutlichen, sagt Ausstatter Lutz Hübner, der das Ambiente in einzelne Spielflächen aufgeteilt hat. Musik (Franz Tröger) gibt's auch, ein Schmankerl: Ausschnitte aus dem von May selbst komponierten "Ave Maria".

Es erwartet die Zuschauer also ein Open-Air-Ereignis mit allem (auch Wirtshaus- und Fechtszenen), was dazugehört. Bernhard Schmid mag den Begriff "trivial" nicht so gerne hören für seinen Autor. Mittendrein nennt es versöhnlicher "Unterhaltung und Spannung".

Am Mittwoch, 3. Juli, findet in der Alten Hofhaltung eine Sondervorstellung der Calderón-Festspiele ausschließlich für FT-Leser statt. Die Karten dazu sind günstiger als die normalen Preise (für diese Sondervorstellung gibt es Karten ausschließlich in den FT-Geschäftsstellen), ein Glas Sekt gibt's dazu.

Karten zu allen Vorstellungen gibt es beim bvd, Tel. 0951/98082-20, E-Mail info@bvd-ticket.de