Bamberg
Premiere

Tanz ums goldene Kalb der Finanzmärkte am E.T.A.-Hoffmann-Theater

Die Finanzkrise heißt jetzt Eurokrise - unvorstellbar für den gemeinen Mann und die gemeine Frau, mit welchen Summen jongliert wird. Das "Geldstück" "Schuld und Schein" unternimmt es, über die Geheimnisse der Finanzmärkte aufzuklären. Am 14. Februar hat es in Bamberg Premiere.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sie werden die Abgründe des Finanzsystems zeigen: (v. l.) Iris Hochberger, Sybille Kreß, Verena Ehrmann, Ulrike Schlegel, Eckhart Neuberg, Felix Pielmeier, musikalischer Leiter Franz Tröger
Sie werden die Abgründe des Finanzsystems zeigen: (v. l.) Iris Hochberger, Sybille Kreß, Verena Ehrmann, Ulrike Schlegel, Eckhart Neuberg, Felix Pielmeier, musikalischer Leiter Franz Tröger
Unvergessen der Moment im Herbst 2008, als die Kanzlerin vors Volk trat und erklärte, dass die Spareinlagen sicher seien - der Sturm auf die Banken stand unmittelbar bevor. Die sogenannte Subprime-Krise in den USA führte zunächst zum Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers, in deren Strudel die deutsche Hypo Real Estate geriet. Erpresserisch forderte die Deutsche Bank von der Politik finanzielle Garantien, die berüchtigten Rettungsschirme. In der Tat stand der Kapitalismus seinerzeit am Abgrund. Der ökonomische Laie rieb sich die Augen. Was war da geschehen?

Der selbst ernannte "Postdramatiker" Ulf Schmidt hat in seinem "Geldstück" "Schuld und Schein" unternommen, den Mysterien von Geld, Zins, Finanzmärkten auf den Grund zu gehen und sie zu erklären. Am Samstag, 14. Februar, wird man im Studio des E.T.A.-Hoffmann-Theaters prüfen können, ob ihm das gelungen ist. Beziehungsweise ob Intendant Rainer Lewandowski, der sich mit diesem Stück als Regisseur und diesmal auch als Bühnenbildner vom Bamberger Theater verabschiedet, den doch recht spröden Text ansprechend auf die Bühne bringt.

Songs aus Folklore, Pop und Rock

Dazu will auch Franz Tröger beitragen, der als musikalischer Leiter das Stück mit Songs aus Folklore, Pop, Rock ausstattet. Das Ensemble wird auch tanzen - ein Totentanz des Kapitalismus? Doch nicht, denn wie man weiß, hat sich das System gerettet. Freilich haben sich seit dem amerikanischen Immobiliencrash schon wieder die Strukturen verändert - Stichwort Eurokrise.

In der "Schöpfungsgeschichte des Finanzmarkts" treten Figuren auf, die "Der Sparer", "Der Anleger", "Der Banker" usw. benamst sind. Lewandowski und Tröger versprechen, den Text mit Elementen aus Revue, Kabarett und Agitprop-Theater aufzupeppen. Schmidt hatte konsequent die Uraufführungsrechte seines Stücks bei Ebay versteigert; das Münchner Metropol-Theater erwarb sie für 55 Euro und brachte das Drama im Jahr 2013 auf die Bühne. Diese Version wiederum bearbeitete Lewandowski.

Der Zuschauer wird also bei aller Unterhaltung das Theater schlauer verlassen, als er hineingegangen ist, und die Tricks der Banken durchschauen. "Eigentlich", so der Regisseur, "müsste jeder nach diesem Stück seine Konten kündigen." Er erwartet diese unmittelbare Wirkung jedoch nicht und spricht mit Max Frisch von der "durchschlagenden Wirkungslosigkeit eines Klassikers".

Es spielen Verena Ehrmann, Iris Hochberger, Sybille Kreß, Ulrike Schlegel, Eckhart Neuberg, Felix Pielmeier. Premiere 14. 2., weitere Vorstellungen 15., 25.-28. 2., 1., 6./7., 13.-15., 19.-21. 3. Karten unter Tel. 0951/873030, E-Mail kasse.theater@stadt.bamberg.de.