Eine Rolle als Fernsehleiche machte sie 1966 bekannt: Seit dem Durbridge-Krimi „Melissa“ gehört Ruth Maria Kubitschek zu den populärsten deutschen Schauspielerinnen, mit den Serien „Monaco Franze“, „Kir Royal“ und „Das Erbe das Guldenburgs“ schrieb sie TV-Geschichte. Vor einigen Jahren hatte Kubitschek, die mit dem Produzenten Wolfgang Rademann liiert ist, genug von der Münchener Bussigesellschaft und zog in ein Bodensee-Dorf in der Schweiz. Dort befasst sich die 76-jährige Schauspielerin, die nach wie vor gut im Geschäft ist, mit Meditation und Esoterik, malt und schreibt Bücher. Eines davon wurde nun verfilmt: Die ARD zeigt die Romanze „Das Wunder der Liebe“ nach dem gleichnamigen Roman am 23. August um 20.15 Uhr. Ruth Maria Kubitschek spielt darin eine ältere Dame, die nach dem Tod ihres Verlobten auf der griechischen Insel Santorin ein neues Leben beginnt.
Frau Kubitschek, „Das Wunder der Liebe“ ist das erste Ihrer Bücher, das verfilmt wird. Angefangen mit dem Schreiben haben sie aber schon vor vielen Jahren.
Ruth Maria Kubitschek: Ja, das war nach dem Reaktor-Gau von Tschernobyl. Die Erkenntnis, dass wir mit einer tödlichen Energie leben, hat mich damals tief erschüttert. Deshalb habe ich angefangen, Märchen zu schreiben, denn Märchen sprechen das Kind im Menschen an. Ich dachte mir, ich erreiche wohl am meisten, wenn ich schreibe, wie kostbar eine Blume ist, wie kostbar ein Baum – und dass wir mit viel mehr Rücksicht mit diesem Planeten und seinen Ressourcen umgehen müssen.
Und was haben Sie erreicht?
Ich habe natürlich nicht die Welt gerettet, aber ich habe damals auch versucht, mein ganzes Leben zu ändern. Ich bin in ein Dorf in der Schweiz gezogen und versuche seitdem, weniger zu verbrauchen, etwas bescheidener und einfacher zu leben.
Und welche Botschaft wollen Sie mit Ihrem Roman „Das Wunder der Liebe “ vermitteln, dessen Verfilmung jetzt zu sehen ist?
Die Botschaft von „Das Wunder der Liebe“ ist, dass man sich nach keinem Schicksalsschlag, und sei er noch so schlimm, aufgeben darf. Man muss nach einer Phase der Trauer bereit sein, den Schmerz loszulassen und neu anzufangen, dadurch tun sich Türen im Leben auf.
Sie selber mussten in Ihrem Leben einige Neuanfänge wagen – etwa als Sie 1945 aus Ihrer böhmischen Heimat fliehen mussten, oder als sie 1958 aus der DDR in die Bundesrepublik übersiedelten.
Ja, und ich kann aus Erfahrung sagen, dass es nie schlechter wurde, sondern jedes Mal besser. Deshalb möchte ich den Zuschauerinnen Mut machen, ein neues Leben anzufangen, sich von Dingen zu trennen, die nicht in Ordnung für sie sind, denn solche Dinge können einen ja krank machen.
Ist es nicht auch ein Film gegen Altersdiskriminierung? An einer Stelle sagt die von Ihnen gespielte Elisabeth, die sich auf ihre alten Tage noch einmal über beide Ohren verliebt, zu ihrer Tochter: „Hör auf, von meinem Alter zu reden, als wäre es eine Behinderung.“
Dieser Satz ist zwar nicht von mir, sondern von der Drehbuchautorin, die meinen Roman bearbeitet hat, aber er ist sehr gut.
Junge Leute denken doch, wenn man älter ist, dann ist man behindert, ob im Denken oder im Tun. Aber es geht doch um die geistige Verfassung, nicht um die Anzahl der Jahre. Es gibt junge Menschen, die sind innerlich schon sehr alt, andere sind auch mit 90 noch aktiv.
Haben Sie selber schlechte Erfahrungen gemacht?
Immer wieder. Es ist ein Problem von mangelndem Respekt, die Kinder müssen lernen, dass die Eltern nicht bekloppt sind. Ich glaube, dass das Ganze vor allem in Europa ein Problem ist. In anderen Ländern wird man mit 70 sogar noch Präsident. Bei uns dagegen glauben viele, dass ältere Leute für nichts mehr zu gebrauchen sind. Dabei hat der ältere Mensch doch viel mehr Erfahrung, mehr Gleichmut, mehr Gelassenheit. Und gerade in herausgehobenen Positionen ist das doch wichtig, da kannst du mit jugendlichem Elan viel verderben.
Zurzeit sorgt das Thema Fernsehen und ältere Menschen ja gerade wieder für Schlagzeilen. Was sagen Sie denn zur viel diskutierten Einstellung der Volksmusikshow „Lustige Musikanten“?
Ach, dazu möchte ich eigentlich gar nichts sagen. Erstens sehe ich selber gar keine Volksmusik, zweitens spielt das Alter bei uns Schauspielern doch auch eine ganz andere Rolle, das lässt sich nicht vergleichen.
Viele Schauspielerinnen beklagen, ab einem bestimmten Alter keine guten Rollenangebote mehr zu bekommen...
Ganz großer Quatsch. Christiane Hörbiger, Gaby Dohm, Gila von Weitershausen, Senta Berger und ich – wir sind alle nicht mehr taufrisch, und wir haben alle viel zu tun. Wer gut ist, setzt sich immer durch. Ich arbeite viel, ich habe ein Pensum, das würden viele junge Menschen nicht schaffen.
Man hat in der Tat nicht den Eindruck, dass Sie kürzer treten – demnächst wird mit „Der indische Ring“ ja auch schon Ihr nächstes Buch verfilmt. Ist es eigentlich anders als sonst, wenn man in der Verfilmung einer eigenen Vorlage die Hauptrolle spielt?
Nein, da ist fast kein Unterschied. Das Drehbuch hat ja auch jemand anderes geschrieben, da war ich fast gar nicht beteiligt.
Aber es war sehr schön, denn ich konnte ja immer das unausgesprochen mitspielen, was zwar in meinem Roman stand, was aber das Drehbuch dann nicht übernommen hat, weil der Film eben andere Gesetze hat, denen man sich als Autor auch fügen muss. Das ist ein schöner Film geworden, produziert von Regina Ziegler, auch wenn er ein bisschen weg ist von dem, was mein Buch als Vorgabe hat.