„Die singende Föhnwelle“ wird er bisweilen genannt. Aber steckt hinter Dieter Thomas Kuhn, einem der erfolgreichsten Vertreter des deutschen Schlager-Revivals der 90-er Jahre, nicht doch mehr als nur Brusthaartoupee und Plateauschuhe? Am Sonntag, 24. Februar, wird Kuhn in Bamberg (Jako-Arena) zu Gast sein.
Herr Kuhn, Sie kommen im Rahmen Ihrer Tour „Musik ist Trumpf“ auch nach Bamberg? Werden Sie Zeit haben, sich privat in der Stadt umzusehen?
Dieter Thomas Kuhn: Ich war bereits mehrere Male privat in Bamberg und weiß, dass es ein wunderbares Städtchen ist, dem man mehr als einen Tag Aufenthalt widmen muss. Besonders ist mir aber das leckere Essen in Erinnerung geblieben.
Ist es eine besondere Herausforderung vor einem Publikum zu spielen, das Sie schon kennt, wie das ja in Bamberg der Fall sein wird?
Überhaupt nicht. Solche Wiederbegegnungen sind immer schön. Die Fans kommen als alte Freunde zu uns und sind allesamt Liebhaber des Partygangs, die Spaß an ausgelassener Stimmung haben. Und dabei gibt es keinen Unterschied zwischen Fans aus dem Norden und denen in Franken, beispielsweise. Die gemeinsame Verbindung ist das Feiern.
Kommen wir zu Musik. Was hört ein Dieter Thomas Kuhn privat?
Wenn Schlager, dann nur Kuhnplatten. Ansonsten darf es auch gerne die eher rockige Schiene sein, zum Beispiel Three Doors Down. In letzter Zeit hat meine Tochter das Sagen, was den CD-Player angeht, daher höre ich auch schon einmal die eine oder andere Kinderplatte.
Wie sind Sie denn zum Schlager gekommen?
Das liegt nun schon 16 Jahre zurück. Der Schlager war damals in Deutschland ja schon fast vergessen. Plötzlich ist mir aufgefallen, dass jeder im Grunde die Lieder kennt, zum Beispiel von der Mutter, die die Stücke beim Arbeiten in der Küche gehört hat. Der Schlager liegt also jedem im Blut und dieses schreckliche Liedgut will ich ironisieren.
Sie werden bisweilen als Trash-Schlagersänger bezeichnet. Wie beschrieben Sie selbst Ihren Sound?
Im Lauf der Jahre ist er etwas gefälliger geworden, aber die ursprüngliche Idee ist immer noch die selbe. Provokation und Ironie stehen bei uns im Vordergrund. Wir wollen die Leute bewusst im Halbdunkeln lassen, was unsere Musik angeht.
Was erwidern Sie auf Kritiker, die Ihre Musik einfach nur als Kitsch abtun?
Musik ist grundsätzlich zum Polarisieren da. Ich will ja auch nicht alles hören oder gehe zu jedem Konzert. Aber verstehen kann ich die harten Urteile schon. Dennoch machen wir, was uns Spaß macht.
1999 haben Sie sich vorläufig vom Schlager zurückgezogen, um dann 2005 wieder ins Geschäft einzusteigen. Wie kam es dazu?
Die Entscheidung zurück zu kommen ist ganz plötzlich gefallen. Kurz zuvor hatte ich noch gesagt, wir kommen nie mehr zurück. Aber dann dachte ich, wir müssen doch noch ein Konzert spielen und die Band war sofort Feuer und Flamme. Das sollte eine einmalige Aktion sein. Letztlich wurde daraus unser Comeback und wir haben es bisher nicht bereut. Es macht einfach wieder wahnsinnig viel Spaß.
Zurück zur Ihrem neuen Album „Musik ist Trumpf“. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Lieder für eine Platte aus?
Unser Motto war es, alles, was wir bisher noch nicht gespielt hatten, mit aufzunehmen. Und da gab es ja einen breiten Fundus, aus dem wir schöpfen konnten. Erst spät kamen wir dann auf die Idee, die Melodie zur Sendung „Musik ist Trumpf“, die wir zu Beginn jedes Konzerts spielen, zum Titel unseres Albums zu machen. Im Augenblick gibt es außerdem keinen Grund dazu, eigene Schlager zu schreiben. Daher sind es wieder allesamt Schlager-Interpretationen geworden.
Auf Tour zu sein, ist sicher anstrengend. Was tut die Band, um sich zu entspannen?
Es gibt bei uns keine festen Rituale. Wir versuchen auszuschlafen und, wenn möglich, ins Hotelschwimmbad oder zum Kaffee trinken zu gehen. Aber ein konkretes Fitnessprogramm haben wir nicht.
Zum Abschluss noch eine Frage zur Zukunft des Dieter Thomas Kuhn: Gibt es bereits Pläne für die Zeit nach der Tour oder der Karriere als Musiker?
Ich mache mir nie konkrete Pläne für die Zukunft, sondern lasse jeden Tag auf mich zukommen. Irgendwie geht es immer weiter, und dann muss man entscheiden, was zu tun ist.