Der Kabarettist Atze Schröder kommt am Donnerstag, 6. November, nach Bamberg. Um 20 Uhr  wird er in der Jako-Arena auftreten. Unsere Zeitung sprach  mit dem Kabarettisten über Humor, Politik und Literatur.
Die freche Frage vorweg: Woran liegt es, dass ich Sie nicht kannte?
Atze Schröder: Wie? Sie kannten mich nicht?! Das ist ja schon fast erfreulich, weil ich fast so bekannt bin wie Günther Jauch. Insofern freue ich mich über jeden, den ich noch bekehren kann.
Sie treten demnächst in Bamberg auf…
Da freue ich mich drauf. Das ist für mich absolutes Neuland. Ich habe zwar mit den Franken schon einige Erfahrung, von den Mainfranken bis zu den Nürnbergern. Ich werde sicher drei Kilo zunehmen. Wenn man aus dem Ruhrgebiet kommt, ist es überall schön und Bamberg ist wahrscheinlich besonders schön.
Haben die Franken denn Humor?Das würde ich schon so sehen. Die kucken erst mal: Was bringt er? Was bringt er?  Aber wenn dann was kommt, sind sie auch voll dabei.


Worum geht es in Ihrem neuen Life-Programm „Mutterschutz“?Die Mutter wird von mir ganz besonders geehrt. Allen Müttern wird mental das Grübchen ins Gesicht gelegt. Ich feiere alle vergessenen Geburtstage, Hochzeitstage. Wenn nötig, pumpe ich die Milch sogar höchstpersönlich ab. Mütter sind ja in gewisser Weise heilig. Die jungen Männer sollen nicht mehr so lange zaudern, sondern entscheiden. Es wäre doch schön, wenn die nächste Steffi Graf aus Bamberg käme oder der nächste Schumi.

Wäre die Finanzkrise nicht auch eine Lachnummer wert?Ach ja, ich sehe mich ja eigentlich mehr als kleines Bodenpersonal. Die Finanzen nehme ich nicht so wahr. Ich habe eh noch vor, die nächsten 20 Jahre zu arbeiten. Von der Seite kann mir nichts passieren.

Also reizt Sie politisches Kabarett nicht?Doch, es ist ja teilweise politisch. Wenn es darum geht, dass Ursula von der Leyen 1000 neue Krippenplätze gefordert hat, obwohl mittlerweile jeder zweite Melchior wieder ausgewiesen wird. Das ist schon eine politische Nummer. Aber ich versuche, sie meinem Publikum so zu servieren, dass es erst im Rückspiegel merkt, dass es politisch war. 

Wie ist denn der typische Atze-Fan?Ich habe ein sehr durchwachsenes Publikum. Da sitzt der Staatsanwalt mit Krawatte neben der Rasterlocke und da sitzt die junge freche Gepiercte neben der Oma, die dieselbe Frisur hat wie ich. Da sitzt der Gabelstapelfahrer neben der promovierten Literatin. Ich bin sehr stolz darauf, dass es so durch alle Schichten geht.

Woher wissen Sie, was bei den Leuten ankommt? Ist Humor angeboren oder Intuition?Eine Mischung. Wenn man auf der Bühne steht, wird ja Abend für Abend bewiesen, ob das witzig war oder nicht. Zur Not schreibe ich dann schnell mal um. Tagesaktuelles lasse ich auch gern mit einfließen. Aber man muss schon einen gewissen Mutterwitz mitbringen.

Wo kommen Ihnen die besten Ideen?Mittendrin. Wenn ich tagsüber irgendwo unterwegs bin. Ich geh auch gern ins Café und lausche, was am Nebentisch passiert. Da krieg ich eigentlich die meisten Ideen.

Stichwort Perücke. Ist das eine Art Maske für Sie?Welche Perücke? Welche Perücke? (lacht) Das ist ein Schönheitsgeheimnis. Jeder Mann braucht für jede Frau ein Schönheitsgeheimnis und die Haare sind mein Schönheitsgeheimnis. Aber Haar will atmen und die Glückslocken tun ihr übriges. 

Qualität im Fernsehen. Sie treten ja bei RTL auf. Was sagen Sie zu der Debatte, die Literaturkritiker Reich-Ranicki bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises ausgelöst hat?Ich war ja bei der Preisverleihung dabei und direkt betroffen. Die Laudatio, bevor Reich-Ranicki auf die Bühne kam, die habe ich gehalten. Ich stand fünf Meter vor dem Meister. Und ich glaube, er fand mich als einzigen gut.


Wie kommen Sie darauf?Ich bin mit einem literarischen Zitat gestartet. Von Michel Houellebecq.  Da wurde er, glaub’ ich, für einen Moment wach. Ich fand es aber wirklich nicht gut, einen 88 Jährigen drei Stunden auf einem harten Stuhl vor der Bühne sitzen zu lassen.


Und inhaltlich?Es gibt eine Fernbedienung. Viele Ältere wissen gar nicht, dass man auch ausschalten kann. Die Geschichte mit Elke Heidenreich, das ist schon Satire pur, wenn sie in dem FAZ-Artikel sagt: Ich bin des Kampfes müde. Und man denkt, es geht jetzt um Flüchtlingskinder in Dafur, dabei geht es nur um Fernsehen. Da muss ich doch wirklich sehr lachen. Jetzt ist Elke Heidenreich raus beim ZDF und wahrscheinlich werde ich die Büchersendung übernehmen. Die heißt dann statt Lesen „Noch mehr lesen“.


Sie profitieren also?Ich bin auf jeden Fall zufrieden. Bei mir ging nach diesem ganzen Skandal der Kartenverkauf noch mal hoch. Das zeigt doch, dass die Leute ab und zu so richtig Spaß haben wollen. Das ist nichts Anrüchiges. Gerade die Jüngeren kommen damit viel besser klar als die Kulturpessimisten. Ich selber lese auch ein Buch nach dem anderen, das ist mein großes Hobby. Aber ich kann auch mal in einen Popcorn-Film gehen und mich herzhaft amüsieren.