Sie ist die Tochter eines Herzchirurgen – und ihre Musik geht den Menschen zu Herzen. Katie Melua, georgische und britische Staatsbürgerin, hat ihre ersten drei Alben millionenfach verkauft. Im Interview sprach sie mit unserer Zeitung über ihren bevorstehenden Coburg-Auftritt.
Du wirst oft als schüchterne Person beschrieben. Woher hast Du das Selbstvertrauen, die ganze Welt zu unterhalten?
Katie Melua: Ich mach das ja jetzt schon fünf Jahre. Und ich fühle mich einfach sehr wohl dabei. Ich liebe es, Musik zu machen und diese Musik mit den Leuten zu teilen. Schon immer habe ich sehr gerne gesungen. In die Sache wächst man dann irgendwie hinein. Irgendwann wusste ich auch, dass die Musik mein Leben bestimmen wird.
Viele Deiner Songs sind von Deinem Entdecker und Förderer Mike Batt komponiert. Wie sehr kannst Du Dich mit Liedern und Texten identifizieren, die nicht Dein eigenes Werk sind?
Es ist schon so, dass ich ein Lied mögen muss, damit ich es auch singe. Wenn ich keine Verbindung dazu aufbauen kann, geht das nicht. Es so zu handhaben ist der beste Weg, denke ich. Es macht mich sehr wütend, wenn Leute darauf drängen, dass ich ein Lied singen soll, das mir gar nicht gefällt. Andererseits gibt es Lieder, die nicht von mir stammen und ich froh bin, dass ich sie singen darf.
Also kommt es vor, dass Mike Batt zu Dir kommt und sagt: Ich hab Dir ein feines Lied geschrieben, sing’s mal! Und Du sagst dann: Nein, gefällt mir nicht.
Ja, natürlich! Das kommt nicht mal so selten vor. Viele der Songs hatte er ja schon fertig komponiert, als er sie mir vorspielte. Aber ich sag dann auch ehrlich, was mir nicht gefällt und wir gehen Nummer für Nummer durch. So entstehen wirklich gute Werke.
Wie viel lernen wir über die Person Katie Melua, wenn wir uns durch die drei bislang veröffentlichten Alben hören?
Ich würde sagen, man lernt schon ein gutes Stück von mir kennen, aber es gibt definitiv noch ganz viel, dass erst noch kennengelernt werden muss. Was ich im Prinzip die ganze Zeit mache, ist, mit einer Band zusammenzuarbeiten, viele Leute kreieren gemeinsam etwas, also wird man nicht nur mich wiedererkennen. Es gibt auch Sachen, die sind sehr persönlich und sie sind trotzdem von jemand anderem geschrieben. Aber es wird nie so sein, dass man durch meine Musik alles über mich erfährt. Aber dennoch ist man manchmal nahe dran. Oft singe ich ja auch über Liebe oder jemanden, der Probleme mit der Liebe hat. Das bin dann nicht wirklich ich. Ich bin nicht an eine Beziehung gefesselt.
Du bist jung, schön und hast eine sensationelle Stimme. Mich überrascht es wenig, dass Musikgrößen wie Brian May und Roger Taylor von Queen oder eben Mike Batt gerne mit Dir zusammenarbeiten wollen. Überrascht es Dich?
Oh ja. Es erstaunt mich immer wieder, wenn da Leute mit so einem Hintergrund auf mich zukommen und mir dann sagen, dass sie fasziniert sind, was ich da mache. Wäre ich in ihrer Position, würde ich auch versuchen, mit jungen Musikern zu arbeiten. Also wenn man alt mit… (lacht) nein, ich will sie jetzt nicht als alt bezeichnen, sagen wir so: Wenn ich Erfahrung mit dem verbinde, was gerade aktuell ist, dann kann dabei eine sehr interessante Mischung rauskommen.
Du bist ja ein großer Fan von Queen. Hat Dich Brian May einfach so gefragt, ob Du mit ihnen in Südafrika bei Nelson Mandelas Benefizkonzert spielen willst?
Ich bekam einen Anruf und wurde gefragt: Willst Du ein Konzert mit Queen spielen? Und ich dann schwärmerisch: Jaaaa! Da kann man doch gar nicht nein sagen, oder?
Wie hat sich das angefühlt, als Brian May, einer der besten Gitarristen überhaupt, nur wenige Meter hinter Dir auf der Bühne gestanden und Deiner Stimme gelauscht hat?
Ich bin keine großartige Gitarristin, schon gar nicht verglichen mit Brian. Es war ein erstaunliches Gefühl. Ich stand schräg vor ihm und um mich herum war Queen, ich war umrahmt von Erfahrung – brillant.
Wie gefällt es Dir, viel unterwegs zu sein?
Ich reise sehr gerne, aber mit dem Flugzeug gefällt es mir nicht so gut, das ist meist langweilig. Am liebsten bin ich mit dem Tour-Bus unterwegs, da ist die ganze Mannschaft dabei und wir haben jede Menge Spaß. Beim meiner Deutschland-Tour bin ich mit dem Bus unterwegs.
Dann kommst Du also morgen mit dem großen Tour-Bus auf den Schlossplatz gerollt? Ist Dein Konzert perfekt durchgeplant und zeitlich strikt begrenzt oder hast Du Raum für Improvisation?
Ja, da wird es sicher auch spontane Aktionen geben! Ich freue mich auf das Konzert und bin gespannt, wie es in Coburg sein wird. Ich werde Lieder von allen drei Alben spielen.