Sie jobbte als Porträtmalerin in Griechenland, arbeitete als Schaufensterdekorateurin und wollte ursprünglich Physik studieren. Zur Schauspielerei kam Ann-Kathrin Kramer erst nach einigen Umwegen, heute ist die 41-Jährige eine feste Größe in der TV-Landschaft. Die wandlungsfähige Blondine mit den strahlend blauen Augen, die einen Sohn aus ihrer Beziehung mit dem Schauspieler Jan Josef Liefers hat, ist seit längerem mit Serienstar Harald Krassnitzer liiert und lebt in Wuppertal.
In dem leise erzählten TV-Drama „Die Weihnachtswette“ spielt Ann-Kathrin Kramer die verwitwete Ärztin Bettina, die an Weihnachten ein Heimkind bei sich aufnimmt, um nicht allein zu sein – doch der Junge hat null Bock auf Besinnlichkeit und macht der guten Frau die Hölle heiß. Nachwuchstalent Kai Malina (18) aus Paderborn wurde für die Rolle des Bonzo aus vielen Bewerbern ausgewählt. Es war sein erstes TV-Engagement, dem inzwischen weitere folgten. Regie in der Ufa-Produktion führte Christian von Castelberg.
Frau Kramer, wer sich von „Die Weihnachtswette“ einen der üblichen Weihnachtsfilme mit viel Schnee, Jingle Bells und märchenhaften Verwicklungen verspricht, der könnte enttäuscht werden ...
Ann-Kathrin Kramer: Das kann natürlich sein, aber es gibt doch auch dieses Jahr wieder genügend lustige Weihnachtsfilme, die genau das bieten. Dieser hier ist sozusagen der etwas andere Weihnachtsfilm, und wenn man Lust hat, sich darauf einzulassen und sich nicht nur den gängigen Gefühlen hinzugeben, dann kann er einem eine gewisse Form von Glück geben.
Auch ein klassisches Happy End wird dem Zuschauer versagt: Das Heimkind findet keine neue Familie und die von Ihnen gespielte Witwe keinen neuen Mann.
Aber unser Film hat etwas, was ganz viele andere Weihnachtsgeschichten nicht haben: es gibt am Schluss eine wirkliche, tiefe Liebe, einen wirklich tiefen Frieden. Viele, die diesen Film sehen, werden zwischendurch unheimlich weinen, aber ich glaube, dass er am Ende durchaus etwas Tröstliches hat.
Wie stehen Sie denn zu den ganzen Weihnachtsfilmen und der Besinnlichkeit auf Knopfdruck, die alle Jahre wieder im Programm sind?
Wir wissen doch alle, dass Weihnachten zu einem großen Teil eine Werbeveranstaltung ist. Trotzdem sehnen wir uns nach einem schönen Fest und nach Besinnlichkeit. Und diese Sehnsucht wollen wir auch mit den Filmen, die wir gucken, befriedigen. In der Weihnachtszeit will sich doch niemand erzählen lassen, wie einsam wir im Grunde alle sind, sondern man möchte, dass es schneit, dass die Familie kommt und dass am Schluss alles gut wird.
Sie mögen Weihnachten also trotz Konsumterror und all dem Stress in der Adventszeit?
Ich liebe Weihnachten! Es ist für mich auch nie Stress gewesen. Ich lade meine Familie ein und feiere am liebsten ganz klassisch mit Christbaum, großem Braten und Weihnachtsmusik, und ich freue mich, wenn es dann anfängt zu schneien. Wir leben hier ja im Bergischen Land, da passiert das zum Glück ab und zu.
Sie haben selber einen Sohn und machen sich in vielfältiger Form für Kinder stark, engagieren sich unter anderem in einem Verein für missbrauchte Kinder. Hat dieses persönliche Interesse den Ausschlag gegeben, diese Rolle anzunehmen?
Nein, mich hat einfach die Geschichte interessiert. Ich habe das Drehbuch durchgelesen, am Schluss zugeklappt und gesagt: Was für ein schönes Buch. Ich fand wirklich ganz auffallend schön, dass es kein Krimi und keine Komödie war, also kein so genannter Genrefilm, sondern dass man einfach nur erzählt, was den beiden Hauptfiguren in der Weihnachtszeit passiert. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen, solche Filme sind selten.
Sie mögen offenbar kein Schubladendenken und sind selber auch sehr wandlungsfähig. Mal spielen Sie wie in „Die Weihnachtswette“ eine verletzliche Frau, dann wieder eine aalglatte Managerin. Was ist denn mehr Ihr Fall?
Ich mag das alles gleich gern, es ist immer die Abwechslung, die mir gefällt. Wenn ich eine Komödie gespielt habe, dann freue ich mich auf ein Drama, und nachdem ich dieses Jahr den sehr dramatischen Zweiteiler „Im Meer der Lügen“ gedreht habe, der im Januar läuft, habe ich mich hinterher wahnsinnig gefreut, die Komödie „Die Nonne und der Kommissar“ zu drehen.
Sie sind mit Harald Krassnitzer liiert, ebenfalls ein populärer Schauspieler. Besprechen Sie Rollenangebote untereinander und raten sich gegenseitig zu oder ab?
Wir lesen zwar nicht immer die Drehbücher, die dem anderen angeboten werden, aber wir tauschen uns schon über die Beteiligten bei einem Projekt aus, vor allem über die Regisseure, schließlich kann es ganz furchtbar sein, wenn man da an den falschen gerät. Also wir reden über die Projekte, und hin und wieder drehen wir ja auch gemeinsam. Letztes Jahr haben wir einen Film zusammen gemacht, „Freundschaften und andere Neurosen“. Das ist eine Dreiecksgeschichte mit Christoph M. Ohrt und läuft nächsten Frühling.
Schauen Sie sich denn die Filme Ihres Lebensgefährten an und guckt er Ihre?
Ja, klar, aber meist erst, wenn sie gesendet werden.
Und wie wird in Ihrer Familie darüber diskutiert, wenn Angebote zu aufwändigeren Projekten kommen, bei denen Sie für die Dreharbeiten ins Ausland müssen – wie etwa für den in Mexiko gedrehten Zweiteiler „Im Meer der Lügen“?
Bei solchen Fragen kommt es mir natürlich vor allem auf mein Kind an und wie es ihm in dieser Zeit geht. Das ist das wichtigste Kriterium, das ich einer solchen Entscheidung zugrunde lege.