Sie war einer der großen Serienstars der 80er und 90er Jahre und ein echter Quotenmagnet: Thekla Carola Wied. Heute (20.15 Uhr, ARD) ist sie in der liebenswerten Komödie „1:0 für das Glück“ als strenge Lehrerin zu sehen, die erst auftaut, als sie unverhofft die Fußballelf ihrer Schule trainieren muss und sich in den von Peter Sattmann gespielten Hausmeister verliebt.
Frau Wied, Sie sind in den 80er Jahren mit einer der populärsten Serien der deutschen TV-Geschichte berühmt geworden, „Ich heirate eine Familie“ machte Sie zur Mutter der Nation…
Thekla Carola Wied: Man vergisst ja immer, dass „Ich heirate eine Familie“ nur drei Jahre lief und nur 15 Folgen hatte, aber ich werde heute immer noch darauf angesprochen, es ist Wahnsinn. Es war natürlich hilfreich, schlagartig so bekannt zu werden, aber es war nicht leicht, dieses Image als Mutter der Nation wieder abzustreifen.
Werden Ihnen heute keine Serien mehr angeboten?
Nach meiner letzten Serie, „Anna Marx – Auf eigene Gefahr“, habe ich öffentlich gesagt, dass ich keine Serien mehr mache, und damit hatte sich der Fall eigentlich erledigt. Ich liebe es, immer wieder in unterschiedliche Charaktere einzusteigen.
Sie sind Jahrgang 1944, andere denken da schon an den Ruhestand. Wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?
Jetzt, wo ich nicht nur biologisch älter werde, sondern auch reifer, will ich auch gebrochenere Charaktere spielen. Da gibt es genug für meine Altersgruppe, aber noch zu wenig Angebote für meinen Geschmack.
Stimmt es, dass Sie sich gegen den ursprünglich geplanten Titel „1:0 für die Liebe“ gewehrt haben?
Ja, denn in meiner Filmographie stehen schon so viele Filme mit dem Wort Liebe, ich komme mir allmählich albern vor.
Sie spielen eine Lehrerin, die Fußball liebt und eine Schüler-Elf als Trainerin zum Turniersieg führen soll. Sind Sie selber auch Fußballfan?
Nein, ich schaue zwar durchaus mal mit meinem Mann wichtige Spiele bei großen Turnieren, aber nicht mehr.
Dann haben Sie in den Fußballszenen gar nicht genau verstanden, was Sie da als Trainerin sagen?
Von wegen! Vor den Dreharbeiten habe ich mich mit den Regeln ein bisschen vertraut gemacht, und mein Mann hat mir erklärt, was Abseits und Abseitsfalle sind und diese ganzen Geschichten. Also bei den Dreharbeiten habe ich schon verstanden, worum es geht, aber ich könnte sicherlich jetzt kein Spiel pfeifen. Außerdem haben wir uns beim Urlaub in den österreichischen Bergen einen ebenen Platz gesucht und ein bisschen gekickt…
…damit sie nicht verkehrt an den Ball treten und die männlichen Zuschauer des Films gequält aufstöhnen.
Genau. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass ich selber nur wenig spielen muss. Der Film wurde übrigens in Berlin gedreht, und ich habe einen Vormittag lang bei Hertha BSC beim Training zugeschaut und selber ein bisschen gekickt, aber natürlich nicht mit den Spielern. Ich war tief beeindruckt von deren körperlicher Leistung.
Sie spielen eine zunächst sehr strenge Lehrerin, die erst im Lauf des Films ihre warmherzige Seite entdeckt. War Ihr Vater, der selber Lehrer war, denn auch so ein Pauker?
Wissen Sie, mein Vater war Jahrgang 1890 und von preußischer Strenge. Seine Erziehungsmaximen waren noch aus einer anderen Zeit.
…und Sie reden nicht so gerne über ihn. Dann erzählen Sie doch was über die Lehrer, die als Kind an der Schule hatten? Wie waren die denn, damals in den 50ern?
Ich ging auf ein humanistisches Gymnasium, da hatte ich sehr menschliche, tolerante Lehrer. Sie wollten ohne Druck Ergebnisse von uns – mit dem Ergebnis, dass wir wenig für die Schule gearbeitet haben. Der Druck kam bei meinen Schwestern und mir dann vom Elternhaus. Im Nachhinein bin ich meinem Vater aber dafür dankbar, dass ich die Schule erfolgreich mit dem Abitur beendet habe.
Die von Ihnen gespielte Lehrerin will mit der Schüler-Elf unbedingt den Schulpokal erringen, weil ihr die Anerkennung im Leben fehlt. Wie wichtig ist Ihnen selber Anerkennung?
Ich bin sogar regelrecht süchtig nach Lob – manchmal bin ich so frech und fordere direkt eine Runde Lob ein. Aber natürlich muss man auch lernen, Komplimente richtig einzuschätzen, denn in unserer Branche sagen Schmeicheleien wenig über den wahren Stellenwert. Und wenn man Lob will, sollte man eigentlich auch im selben Maße Kritik einstecken können. Ich komme ja vom Theater, und da gehörte es in den 70er Jahren dazu, dass sich die Kollegen ziemlich hemmungslos kritisierten – das härtet ab.