Der kleine grüne Kaktus ist schon längst vom Balkon gefallen. Und Viva Voce hat keine Lust, ihn wieder aufzuheben. Denn die Tage im Windsbacher Knabenchor sind vorbei. Stattdessen verbindet die fünfköpfige Band nun auf der Bühne Beatbox und Gesang, und sie präsentiert sich bei ihren Auftritten als Boyband. Heiko Benjes, Thomas Schimm, Bastian Hupfer, David Lugert und Jörg Fischer haben mit ihrer Band bereits drei Alben veröffentlicht. Mit ihrem Programm „Singsucht“ touren sie derzeit auch durch Franken.
Was begeistert euch an a capella?
Heiko: A cappella ist ein super Filter, um Generationsgrenzen zu sprengen. Bei uns im Konzert sitzen vom kleinen Kind bis zur Oma alle Altersgruppen. Familien kommen geschlossen, weil sie es alle auf ihre Weise gut finden. A cappella kannst du zum Beispiel Bon Jovi covern, ohne dass ein Teil des Publikums entnervt den Saal verlässt. Die Bon Jovi Fans nehmen dir den „Song-Diebstahl“ nicht unbedingt übel, weil es ja ganz anders klingt. Und die älteren Semester, die sich bei einer „normalen“ Band wegen der lauten E-Gitarren die Ohren zuhalten würden, werden dadurch besänftigt, dass alles mundgemacht ist. Dabei versuchen wir ja gerade, Schlagzeug und E-Gitarren möglichst originalgetreu zu imitieren. A cappella hat das Überraschungsmoment, dass da so ein Sound rauskommt, obwohl nur gesungen wird.
Musik ohne Instrumente zu machen - das klingt einschränkend. Reizt es euch manchmal, doch mal ein paar Instrumente einzubauen?
David: Wir hatten das Thema vor ein paar Jahren mal, als der Jörg, unser Beat-Boxer, noch nicht so versiert war. Doch dann wurde er schlagartig besser, und für uns hatte sich das Thema auch wieder erledigt.
Heiko: Wir werden dem A-Cappella-Genre schon treu bleiben. Man kann das ja so und so auslegen. Die Comedian Harmonists hatten immer ihr Klavier dabei. A cappella bedeutet nicht zwangsläufig Musik nur mit Gesang. Obwohl das moderne Genre das schon so deutet. Dem schließen wir uns an.
David: Wir wollen uns diese Besonderheit aber bewahren.
Wie setzt ihr neue Musikideen um?
Heiko: Meistens hat Jörg neue Musikideen. Die muss er dann auf fünf Stimmen bringen. Hierzu holt er sich zum Beispiel Hilfe von Instrumentalisten. Er lässt sich die Melodien vorspielen, und schaut was man davon benutzen kann.
David: Manchmal stößt man an Grenzen, wenn man richtige Rockbands covert. Eine Rockgitarre nachzumachen ist nicht einfach.
Im Jahr 2003 habt ihr den Sprung in die Professionalität gewagt und dafür sogar euer Studium abgebrochen. Ist Viva Voce ein Lebensabschnittsgefährte oder ein Partner auf Lebenszeit?
David: Die Entscheidung war ein Risiko. Aber bis jetzt kam die Frage, „wie lange können wir das eigentlich noch machen?“, noch nicht auf. Von Jahr zu Jahr gibt es eine Weiterentwicklung, sowohl von der Qualität der Auftritte, als auch von unserer Entwicklung. Allerdings planen wir, unseren Stil unserem Alter anzupassen.Wir werden nur noch eine gewisse Zeit als Boyband auftreten.
Heiko: Wir hatten auch schon Mitglieder, denen Viva Voce nicht gereicht hat. Die haben dann aufgehört und sind zurück in ihren regulären Beruf gegangen. Das war aber eher in der Anfangszeit. Wir fünf haben uns an das Tourleben und die damit verbundenen Einschränkungen gewöhnt. Das Projekt Viva Voce ist kein Projekt mehr.
David: ...sondern eine Perspektive.
Ihr sing eine Hommage an den 1.FCN-Trainer Hans Meyer und ein Lied zur Fußball-WM. Nur eine PR-Maßnahme oder doch eine Herzensangelegenheit?
David: Die meisten von uns sind sehr interessiert an Fußball. Deswegen war es für uns auch eine echt große Ehre, das wir über Hans Meyer singen durften.
Heiko: Fußball zieht sich als Thema schon durch unser Programm. Der Song „Italia Italia“ rechnet mit den Italienern ab. Denn die haben uns ja letztes Jahr den Pokal geklaut.
Was bietet ihr dem Publikum auf der Bühne?
David: Viva Voce macht vor allem aus, dass der typische A-Cappella-Gedanke, „Fünf Männer stehen im Kreis und singen den grünen Kaktus“, eben nicht stimmt. Wir spielen „Singsucht“, und der Name ist Programm. Wenn die Leute rausgehen, sollen sie auch Lust aufs Singen haben.