„Verschmitzt“, das ist er in der Tat. Mit dem Titel seines aktuellen Live-Programms hat Ralf Schmitz treffend eine seiner hervorstechendsten Charaktereigenschaften beschrieben. Unsere Zeitung sprach mit dem Comedian, der die Zeit für gekommen hält, mit Tabus der deutschen Geschichte zu brechen.
Ob live auf der Bühne oder vor der Kamera, im Team und als Solokünstler – Sie haben bereits an zahlreichen Projekten mitgewirkt.
Ralf Schmitz: Live aufzutreten ist immer noch das Beste. Man hat die Leute direkt vor der Nase und arbeitet viel unmittelbarer. Aber auch vor der Kamera zu stehen hat seine Reize. Die „Schillerstraße“ war die perfekte Mischung.
Und was erwartet die Zuschauer bei „Verschmitzt“?
Jeder Auftritt wird anders sein, da ich ständig improvisiere und viel mit Körpersprache arbeite.
Ist das nur im Genre Comedy möglich?
Nach meiner Schauspielausbildung habe ich mich für das komische Fach entschieden und ich fühle mich dabei auch extrem wohl. Ich möchte die verschiedenen Facetten einer Situation darstellen und das realisiere ich für mich eben auf der Ebene der Comedy.
Und es wird immer bei Comedy bleiben? Gibt es keine anderen Ziele?
Warum nicht mal was Ernstes machen – das wäre schon möglich. Auch Regie zu führen kann ich mir sehr gut vorstellen oder noch mehr im Theater zu arbeiten. Aber ich liebe meinen Beruf einfach und werde wohl immer irgendwie Comedy machen.
Woher nehmen Sie die Ideen für neue Konzepte?
In meinen Sketchen steckt immer sehr viel Autobiographisches. Viele Ideen kommen durch Selbstbeobachtung.
Bleibt da Raum für berufliche Vorbilder? Mit Otto Waalkes zusammen haben Sie in „Die 7 Zwerge – Männer allein im Wald“ (2004) und „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“ (2006) gespielt?
Dass Otto so geblieben ist, wie er ist, finde ich ganz wichtig. Bei allen Unkenrufen muss man authentisch bleiben. Sicher sollte man sich immer weiter entwickeln, um voranzukommen. Aber die Erwartungen anderer zu erfüllen ist nicht Sinn der Sache.
Und mit diesem Konzept reiten Sie ja momentan geradezu auf einer Welle des Erfolgs.
Mit Erfolg rechnen kann man nie. Was man macht, muss man gerne tun und Spaß daran haben. Früher haben Bekannte oft zu mir gesagt, ich solle lieber etwas anständiges lernen. Heute weiß ich, meine Ausbildung hat sich gelohnt. Ich habe die Freiheit das zu tun, was ich gerne mache. Nicht alle haben so viel Glück. Sicher gibt es manchmal kleine Zweifel. Dennoch ist es mein Ziel, nicht zu verkrampfen und mit Leidenschaft bei der Sache zu sein. Und das Publikum honoriert das.
Kommen wir zu Ralf Schmitz privat. Was bringt Sie zum Lachen?
Heinz Erhard, Loriot, Otto Waalkes – die Klassiker kann ich mir immer wieder anschauen. „King of Queens“ ist ebenfalls großartig. Aber die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben. Über meine Katze könnte ich mich stundenlang amüsieren.
Gibt es denn auch Tage, an denen Sie morgens aufwachen und melancholisch sind?
Die gibt es schon. Aber dann mache ich mir einen grünen Tee und schon kann der Tag beginnen.
So einfach geht das?
Sicher. Man muss sich aufraffen und dann kommt die gute Stimmung schon von ganz allein.
Lassen Sie uns ein ernsteres Thema ansprechen. Sie engagieren sich für das Projekt„Nichtrauchen ist cool“.
Ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem viel geraucht wurde. Darunter habe ich sehr gelitten. Damals war noch nicht klar, wie gesundheitsschädlich das Rauchen ist. Aber heute gibt es einfach keine Entschuldigung mehr für Erwachsene, die in Gegenwart von Kindern rauchen. Solche Gedankenlosigkeit muss bekämpft werden und das ist ein großer Antrieb für mich.
Neben diesem privaten Engagement wird Ihnen häufig vorgeworfen, mit Ihrem Programm unpolitisch zu sein.
Ich will ja gar keine politische Comedy machen. Es gibt da schon wunderbare Sachen wie zum Beispiel den „Scheibenwischer“. Warum sollen alle das Gleiche machen? Das heißt ja nicht, dass ich mich nicht für Politik interessiere. Jeder muss das tun, was er will und kann.
Auf Ihrer DVD „Schmitz komm raus!“ ist ein Sketch mit Outtakes zu sehen, in denen Sie Hitler parodieren. Ist das vielleicht die politische Komponente Ihres Programms?
Ich denke, es ist der Zeitpunkt gekommen, mit diesem Tabu deutscher Geschichte zu brechen, sonst würde man Hitler nur mystifizieren. Das Publikum nimmt diese Einlage noch durchwachsen auf. Viele haben wohl für sich noch nicht entschieden, ob sie so etwas tolerieren wollen oder nicht. Ich will den Menschen Hitler – denn ob wir es wahr haben wollen oder nicht, war er ein Mensch – durch diese Persiflage als kleines Häuflein Elend zeigen. Er war ein wahnsinniger Kleingeist und als Mensch eine furchtbare Tragödie. Aber dieser Sketch ist nicht aus dem Impuls heraus entstanden, noch eine politische Nummer ins Programm einzubauen.