„Paaanzer, ich begrüße Dich.“ Damit ist klar, mit wem ich es zu tun habe. Nein, es ist nicht Dieter Tappert, 36 Jahre alt, studierter Musiker und Medienpädagoge aus Düren. Zu mir spricht sein körperlicher wie geistiger Daueruntermieter Paul Panzer aus Köln, geschätzter Endvierziger, zweifacher Familienvater und Erfinder des schrägsten Heimatabends, seit Amnesty International die Wildschütz-Jennerwein-Brachialkultur als Folter anerkennt.
Ich begrüße Dich auch, Paul. Heute ganz ohne Dieter?
Paul Panzer: Naja, bei uns ist es ja so: Den einen gibt es nicht ohne den anderen. Wir zwei sind wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde, nur eben in einem Körper.
Kommen Deine Frau Hilde und Dein Sohn Bolle auch mit nach Coburg?
Nein, die Coburger werden meine ungeteilte Aufmerksamkeit haben. Bolle ist gerade in der Phase, in der er merkt: Frauen sind auch anders. Da ist er im Moment nicht so zu gebrauchen.
Das heißt: Paul und sein Keller.
Genau. Der Keller ist immer mit dabei und 1A aufgeräumt. Den kann ich nicht daheim lassen, sonst macht sich Hilde wieder drin zu schaffen.
Wer bei Wikipedia Deinen Namen eingibt, der erfährt: Paul Panzer ist ein deutsch-amerikanischer Schauspieler aus Würzburg, der 1958 in Hollywood gestorben ist.
Das ist ein entfernter Onkel von mir, dem habe ich früher mal ein bisschen die Schauspielerei beigebracht.
Wer an Paul Panzer denkt, also Dich, dem fallen vor allem Deine Telefonscherze im Radio ein. Dabei kommst Du ursprünglich von der Bühne, und das Radio folgte erst später.
Rrrrichtiiig, ich habe sogar eine Schauspielausbildung. Aber da muss man jetzt mal zwischen dem Dieter und mir unterscheiden. Dieter hat schon mit 15 beim Radio gejobbt und kam irgendwann in die Abteilung Hörspiel. Mit seiner wandelbaren Stimme hat er verschiedene Charaktere verkörpert – und bereits damals tauchte ein Paul Panzer auf. Also ich!
Hatte der Paul von einst schon diesen Sprachfeh… die markante Aussprache?
Ich wollte es gerade sagen: Was heißt denn hier Sprachfehler? Ich habe mich mit dieser Stimme schon als Synchronsprecher für Schorsch Clooney beworben. Aus einem mir unerfindlichen Grund wurde ich abgelehnt. Aber das kennt man ja: Bei diesen Besetzungsbüros werden ständig Fehlentscheidungen getroffen.
Erwin Pelzig hat mal gesagt: Wer so spricht wie Du, der hat wohl Wasser im Zahn.
Das kann gut sein, aber da gibt es bestimmt eine genaue medizinische Bezeichnung dafür. Tetrakuklaomnoidzidose oder so.
Wie kam es zum Äußersten, also dem „Heimatabend deluxe“?
Vor ungefähr drei Jahren hatte ich damit in Köln Premiere, und eigentlich sollte es ein einmaliges Erlebnis sein. Als nach drei Tagen die Halle für 2000 Leute voll war, bin ich auf eine kleine Tour gegangen. Daraus sind mittlerweile über 500 Auftritte geworden. Das Schöne ist: Ich habe selber viel Spaß dabei.
Was macht den Paul aus?
Ich würde sagen: Irgendwie ist er ein totaler Spießer, aber er hat auch Fantasie, ist neugierig und sucht das Abenteuer. Deswegen sage ich immer: Er ist eine Mischung aus Reihenhausbesitzer und Indiana Jones.
Und was unterscheidet Paul von Dieter?
Ganz klar: das Hemd und die Brille. Paul hat ungefähr acht Dioptrien, der Dieter bräuchte gar keine Brille, leidet aber wie Hölle, wenn Paul seine Flaschenböden aufsetzt. Das brennt sich mit der Zeit derart in die Murmel, dass ich nach den ersten paar Auftritten mit übelsten Migräneattacken zu kämpfen hatte.
Und der Paul telefoniert auch lieber als der Dieter. Ist das orangefarbene Telefon wieder an Bord?
Rrrrichtiiig. Der Heimatabend dauert etwa zwei Stunden, geschätzte fünf Minuten davon sind Telefongags – so als Reminiszenz an die Radiozeit.
Deine Themen sind so vielfältig wie unsere Welt: Rentnerschwimmen, Parkhäuser, die Ehe. Politisches ist da nichts dabei, oder?
Ich bin persönlich sehr an Politik interessiert, mache das aber nicht zum Thema auf der Bühne. Da gibt es viele Kollegen wie etwa Urban Priol, die das viel besser können.
Du gastierst am 21. April in Coburg – also sechs Wochen nach der Kommunalwahl. Ich befürchte, Du wirst nach den aktuellen Vorkommnissen hier humoristische Schwerstarbeit zu verrichten haben.
Ja, um Himmels Willen, ist es denn so schlimm bei Euch?
Es sieht ganz übel aus.
Besteht wohl die Möglichkeit, dass Ihr Euch politisch autark macht? Meinen Glückwunsch! Dann habt Ihr es doch bald geschafft!